Norris dominiert, Piastri scheidet aus – und Hamiltons Strafe verschärfte den Podiumskampf
Glühender Asphalt, unterschiedliche Reifenstrategien und ein McLaren-Duell mit dramatischem Ausgang: Der Große Preis von Ungarn entwickelte sich zu einem taktischen Krimi. Bei mehr als 30 Grad Lufttemperatur und einer Asphalttemperatur von über 51 Grad gingen Lando Norris und die meisten Fahrer auf Medium-Reifen ins Rennen. Ferrari setzte bei Charles Leclerc und Lewis Hamilton dagegen auf die weichere Mischung. Norris startete von der Poleposition vor Leclerc, Oscar Piastri und Max Verstappen.
Zunächst behauptete Norris die Führung. Doch bereits in Kurve 2 unterlief ihm ein Fehler, den Piastri kompromisslos ausnutzte. Der Australier, nur von Startplatz drei losgefahren, übernahm die Spitze. Gleichzeitig erlebte George Russell einen katastrophalen Auftakt: Sein Mercedes geriet in den Anti-Stall-Modus, wodurch er bis auf Rang 19 zurückfiel.
Hinter den beiden McLaren entbrannte ein enger Kampf. Verstappen hielt die Ferrari-Fahrer auf, während Hamilton immer wieder Druck auf den Red Bull ausübte. Zwischen beiden kam es in Kurve 2 sogar zu einer leichten Berührung. Schäden blieben offenbar aus, doch die Szene zeigte, wie angespannt das Rennen bereits in der Anfangsphase war. Leclerc verlor beim Start mehrere Positionen und fand sich zunächst nur auf Rang fünf wieder.
Ferrari reagierte früh. Hamilton wurde an die Box gerufen, um ihn aus der verwirbelten Luft hinter Verstappen zu befreien. Der Brite erhielt harte Reifen und schaffte zunächst den Undercut. Doch der Erfolg hielt nicht lange: Verstappen kämpfte sich auf der Strecke zurück und nahm Hamilton in Kurve 1 die Position wieder ab.
An der Spitze blieb Piastri knapp vor Norris. Beide McLaren kontrollierten das Geschehen, doch die Stimmung am Funk wurde zunehmend gereizter. Norris erklärte mehrfach, dass er schneller fahren könne. Er hing direkt hinter seinem Teamkollegen fest und beklagte die schlechte Luft. Einen Positionstausch ordnete McLaren jedoch nicht an.
Dann begann das große Strategiespiel. Während fast alle Spitzenfahrer stoppten, ließ Mercedes Andrea Kimi Antonelli lange draußen. Der Italiener übernahm zeitweise die Führung und schien auf eine Ein-Stopp-Strategie zu setzen. Nach seinem Reifenwechsel fiel er zwar zurück, setzte auf frischen harten Reifen aber sofort die schnellste Runde.
Auch bei Ferrari wuchs die Unruhe. Hamilton hatte auf den harten Reifen Schwierigkeiten, während Leclerc immer näherkam. „Wir verlieren ziemlich viel Zeit“, funkte der Monegasse – eine kaum verhüllte Aufforderung, den Teamkollegen vorbeizulassen. Ferrari vermied eine offene Stallregie schließlich dadurch, dass Hamilton erneut an die Box gerufen wurde.
Bei McLaren fiel die Entscheidung zunächst während der zweiten Boxenstoppserie. Piastri wurde zuerst hereingeholt, während Norris ungeduldig meldete: „Ich bin viel schneller.“ Als Norris einige Runden später stoppte, kam er tatsächlich vor seinem Teamkollegen auf die Strecke zurück. Überrundete Fahrer hatten dabei eine entscheidende Rolle gespielt. McLaren machte anschließend deutlich, dass es keinen Rücktausch geben werde – sehr zum Ärger Piastris.
Für den Australier kam es noch schlimmer. Bei einem Zwischenfall mit Carlos Sainz gab es eine Berührung. Piastri tobte am Funk, Sainz erhielt später eine Fünf-Sekunden-Strafe. Die verlorene Position bekam der McLaren-Pilot dadurch jedoch nicht zurück.
Norris nutzte seine Chance konsequent. Er setzte sich von Piastri ab und verkürzte anschließend den Abstand zum noch führenden Antonelli. In Runde 46 hing der McLaren direkt im Heck des Mercedes. Norris griff in Kurve 1 an, Antonelli konterte zunächst, doch bereits in Kurve 2 zog Norris endgültig vorbei. Damit hatte der Brite die Führung zurückerobert.
Wenig später schien Norris das Rennen vollständig unter Kontrolle zu haben. Sein Vorsprung wuchs auf mehr als zwölf Sekunden an. McLaren forderte ihn ausdrücklich auf, kein unnötiges Risiko mehr einzugehen. Doch hinter dem Führenden sollte sich das Rennen noch einmal grundlegend verändern.
In Runde 56 meldete Piastri plötzlich ein schwerwiegendes Problem: „Ich habe das Getriebe verloren“, funkte der Australier. Sein McLaren wurde langsam, die Rennleitung aktivierte das virtuelle Safety-Car. Für Piastri war das Rennen beendet – ausgerechnet in einem Grand Prix, den er lange angeführt hatte.
Norris reagierte sofort und nutzte die Neutralisierung für einen weiteren Boxenstopp. Er wechselte auf weiche Reifen. Auch Hamilton und Leclerc kamen herein. Verstappen blieb dagegen draußen und rückte dadurch auf den zweiten Platz vor.
Antonelli profitierte ebenfalls von der Situation. Durch die Boxenstopps zog er an Leclerc vorbei und lag plötzlich auf Rang drei. Hamilton musste den jungen Mercedes-Piloten zusätzlich passieren lassen, weil er nach seinem eigenen Stopp an der Safety-Car-Linie hinter Antonelli gelegen hatte.
Nach der Freigabe begann die Jagd. Hamilton hing auf seinen frischen weichen Reifen direkt im Heck von Antonelli. Der siebenmalige Weltmeister hatte sichtbar mehr Grip, fand aber zunächst keinen Weg vorbei. In Kurve 2 verlor Hamilton das Auto bei einem heftigen Rutscher beinahe vollständig. Nur mit viel Glück verhinderte er einen Dreher oder sogar einen Unfall.
Dann kam die nächste schlechte Nachricht für Ferrari: Die Rennleitung bestätigte eine Fünf-Sekunden-Strafe gegen Hamilton, weil er in der Boxengasse zu schnell gefahren war. Damit wurde seine Aufgabe beinahe unmöglich. Für einen Podestplatz hätte er nicht nur Antonelli überholen, sondern anschließend auch noch einen Vorsprung von mehr als fünf Sekunden herausfahren müssen.
Gleichzeitig betrug Hamiltons Abstand auf seinen Teamkollegen Leclerc exakt fünf Sekunden. Jeder kleine Fehler hätte deshalb dazu führen können, dass Hamilton nach der Zeitstrafe auch noch hinter den zweiten Ferrari zurückfällt. Aus der Jagd auf das Podium wurde plötzlich ein Kampf um die Schadensbegrenzung.
Verstappen konnte derweil etwas aufatmen. Antonelli lag vier Runden vor Schluss bereits sechs Sekunden hinter dem Red Bull. Obwohl Verstappens weiche Reifen inzwischen stark gealtert waren, dürfte dieser Vorsprung ausgereicht haben, um Rang zwei bis ins Ziel zu retten.
Auch im Mittelfeld ging es weiter turbulent zu. Durch Piastris Ausfall rückte Liam Lawson zunächst in die Punkteränge vor. Nico Hülkenberg lag zeitweise auf dem undankbaren elften Platz, kämpfte sich anschließend aber nach vorne. Zunächst profitierte er vom Reifenabbau bei Gabriel Bortoleto und lag auf Rang zehn.
In Runde 65 schnappte sich Hülkenberg schließlich auch Arvid Lindblad. Auf dessen alten Reifen war keine Gegenwehr mehr möglich. Der Deutsche rückte damit auf den neunten Platz vor und hatte plötzlich sogar zwei WM-Punkte in Aussicht.
Vor ihm duellierten sich die beiden Racing-Bulls-Piloten weiterhin hart. Für Hülkenberg eröffnete das möglicherweise noch eine zusätzliche Chance, gleichzeitig bestand bei dem engen Zweikampf jederzeit die Gefahr einer Kollision.
Während Norris an der Spitze mit frischen Reifen und komfortablem Vorsprung dem Sieg entgegenfuhr, waren die Rollen dahinter weitgehend verteilt: Verstappen hatte gute Aussichten auf Rang zwei, Antonelli verteidigte den letzten Podestplatz und Hamilton kämpfte nicht nur gegen den Mercedes, sondern auch gegen seine eigene Zeitstrafe.
Aus einem möglichen McLaren-Doppelerfolg war durch Piastris Getriebeschaden ein völlig anderes Rennen geworden. Norris blieb der große Gewinner, während Hamiltons Strafe und Hülkenbergs späte Aufholjagd die Schlussphase zusätzlich würzten.
| 1 | L. Norris | McLaren | -:–.— | 3 | |
| 2 | M. Verstappen | Red Bull | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 3 | A. Antonelli | Mercedes | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 4 | L. Hamilton | Ferrari | -:–.— | -:–.— | 3 |
| 5 | C. Leclerc | Ferrari | -:–.— | -:–.— | 3 |
| 6 | I. Hadjar | Red Bull | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 7 | G. Russell | Mercedes | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 8 | L. Lawson | Racing Bulls | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 9 | N. Hülkenberg | Audi | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 10 | A. Lindblad | Racing Bulls | -:–.— | -:–.— | 1 |
| 11 | G. Bortoleto | Audi | -:–.— | -:–.— | 1 |
| 12 | P. Gasly | Alpine | -:–.— | -:–.— | 3 |
| 13 | L. Stroll | Aston Martin | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 14 | F. Alonso | Aston Martin | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 15 | F. Colapinto | Alpine | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 16 | E. Ocon | Haas | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 17 | O. Bearman | Haas | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 18 | A. Albon | Williams | -:–.— | -:–.— | 2 |
| 19 | C. Sainz | Williams | -:–.— | -:–.— | 3 |
| 20 | O. Piastri | McLaren | -:–.— | + Rnd. | 2 |
| 21 | S. Perez | Cadillac | -:–.— | + Rnd. | 2 |
| 22 | V. Bottas | Cadillac | -:–.— | + Rnd. |
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