Der Markt für kosmetische Behandlungen wächst seit Jahren rasant. Lippenaufspritzungen, Botox oder sogenannte „Liquid Brazilian Butt Lifts“ (BBL) gehören längst nicht mehr ausschließlich zum Angebot spezialisierter Schönheitskliniken. Immer häufiger werden derartige Eingriffe auch in Kosmetikstudios, angemieteten Praxisräumen oder Pop-up-Studios durchgeführt. Experten warnen jedoch seit Jahren vor erheblichen Sicherheitslücken – mit teils dramatischen Folgen.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall einer 33-jährigen Britin, die im September 2024 nach einem nicht-operativen Brazilian Butt Lift verstarb. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um den ersten bekannten Todesfall in Großbritannien im Zusammenhang mit einem sogenannten Liquid-BBL, bei dem große Mengen Hautfiller in das Gesäß injiziert werden. Die genaue Todesursache soll ein Gerichtsverfahren klären.
Der Fall ist kein Einzelfall. Nach Recherchen der BBC berichten zahlreiche Patientinnen von schweren Komplikationen wie Infektionen, Blutvergiftungen, dauerhaften Gewebeschäden und langwierigen Krankenhausaufenthalten. Verbraucherschützer und Fachverbände dokumentieren seit Jahren Fälle, in denen kosmetische Eingriffe erhebliche gesundheitliche Schäden verursacht haben.
Kaum Regulierung – hohes Risiko
Ein zentrales Problem sehen Experten in der vergleichsweise schwachen Regulierung des britischen Marktes. Während Ärzte, Zahnärzte und Pflegekräfte strengen berufsrechtlichen Vorgaben unterliegen, können nicht-medizinische Anbieter nach entsprechender Schulung kosmetische Injektionen durchführen. Für Verbraucher ist oftmals kaum nachvollziehbar, welche Qualifikation der jeweilige Behandler tatsächlich besitzt.
Nach einer Untersuchung der University College London ist die Zahl der Anbieter von Botox-Behandlungen innerhalb weniger Jahre auf rund 20.000 gestiegen. Gleichzeitig nimmt der Anteil nicht-medizinischer Behandler kontinuierlich zu. Besonders auffällig: Das Angebot konzentriert sich überdurchschnittlich stark in sozial benachteiligten Regionen.
Warnungen seit mehr als zehn Jahren
Bereits 2013 hatte eine von der britischen Regierung eingesetzte Expertenkommission davor gewarnt, dass Dermal Filler zu einer „Katastrophe mit Ansage“ werden könnten. Damals wurden strengere Zulassungsvoraussetzungen, verbindliche Qualifikationsstandards und eine staatliche Überwachung empfohlen. Viele dieser Vorschläge wurden jedoch bis heute nicht vollständig umgesetzt.
Auch die freiwillige Selbstkontrolle der Branche gilt inzwischen als gescheitert. Nach Einschätzung von Fachverbänden schließen sich zahlreiche Anbieter bewusst keinen Qualitätsregistern an und entziehen sich damit einer wirksamen Kontrolle.
Regierung plant strengere Vorschriften
Inzwischen kündigen die Regierungen in England und Schottland umfassendere Regulierungen an. Künftig sollen besonders risikoreiche Behandlungen – darunter Liquid-BBLs und großvolumige Fillerbehandlungen – ausschließlich von entsprechend qualifizierten medizinischen Fachkräften durchgeführt werden dürfen. Zusätzlich ist ein Lizenzsystem für Anbieter und Behandlungsräume geplant.
Bis diese Regelungen tatsächlich greifen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Verbraucherschützer raten deshalb, sich vor kosmetischen Eingriffen umfassend über die Qualifikation des Behandlers, die verwendeten Produkte sowie mögliche Risiken zu informieren. Denn auch wenn viele Behandlungen als unkomplizierte Schönheitsanwendung beworben werden, handelt es sich letztlich um medizinische Eingriffe mit teilweise erheblichen Gesundheitsrisiken.
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