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Blockiert von Zensoren: Chinas Tierfreunde tragen ihren Kampf gegen Missbrauch offline und ins Ausland

MolnarSzabolcsErdely (CC0), Pixabay
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Ein Fall brutaler Tierquälerei erschüttert China – und zeigt zugleich, wie weit Tierschützer inzwischen gehen, um trotz staatlicher Zensur Gehör zu finden. Nachdem im Juni Videos aufgetaucht waren, die die grausame Tötung einer streunenden Hündin und ihrer Welpen zeigen sollen, entlud sich im chinesischen Internet eine Welle aus Entsetzen, Wut und Trauer. Doch statt die Debatte frei laufen zu lassen, griffen die Behörden ein.

Im Zentrum des Falls stehen vier Jungen aus der Stadt Jieyang in der südchinesischen Provinz Guangdong. Sie sollen jünger als 14 Jahre sein. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie drei Welpen mit Stöcken geschlagen werden. Ihre Mutter, die von vielen inzwischen Wang Wang genannt wird, wird anschließend in Brand gesetzt. Die Jungen sollen dabei gelacht haben.

Die örtlichen Behörden erklärten, die Minderjährigen würden nicht strafrechtlich verfolgt. Stattdessen sollten sie an eine „spezialisierte Schule“ geschickt werden. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden nicht. Gleichzeitig riefen sie die Öffentlichkeit dazu auf, keine Informationen über den Fall weiterzuverbreiten und Cybermobbing zu vermeiden. Man müsse gemeinsam ein gutes Umfeld für das Heranwachsen Minderjähriger schaffen, hieß es in einer offiziellen Erklärung.

Doch die versuchte Eindämmung der Debatte bewirkte offenbar das Gegenteil. Drei Wochen nach dem Vorfall wird in chinesischen sozialen Netzwerken weiterhin intensiv über Wang Wang diskutiert. Beiträge zu dem Fall erhalten Tausende Kommentare. Viele Nutzer fordern strengere Regeln zum Schutz von Tieren. China verfügt bislang über kein umfassendes Gesetz, das Tierquälerei generell unter Strafe stellt.

Die Zensur geht dabei nicht so weit, dass jede Diskussion vollständig verschwindet. Suchbegriffe wie „Wang Wang“ oder „Tierschutz“ tauchen weiterhin als Trendthemen auf. Zugleich berichten Nutzer, dass Beiträge gelöscht oder Funktionen zum Teilen von Inhalten eingeschränkt worden seien. Auch öffentliche Stellungnahmen mehrerer Prominenter verschwanden wieder aus den sozialen Netzwerken. Darunter sollen Beiträge des chinesischen Schauspielers Du Jiang und der taiwanischen Schauspielerin Joe Chen gewesen sein, die eine stärkere gesetzliche Absicherung des Tierschutzes gefordert hatten. Unklar bleibt allerdings, ob die Beiträge von den Plattformen entfernt oder von den Prominenten selbst gelöscht wurden.

Die Behörden begründen ihr Vorgehen vor allem mit dem Schutz der minderjährigen Beteiligten. Tatsächlich schränken viele Länder die öffentliche Identifizierung jugendlicher Täter ein, um Minderjährige vor dauerhafter Stigmatisierung und psychischen Schäden durch mediale Bloßstellung zu schützen. Auch in diesem Fall birgt die Verbreitung von Gesichtern und mutmaßlichen Identitäten Risiken. Im Netz kursieren weiterhin Ausschnitte des Videos, auf denen Gesichter sichtbar sein sollen. Daneben gibt es unbestätigte Posts, die angebliche Nahaufnahmen der Jungen zeigen. Dadurch besteht die Gefahr, dass auch andere Kinder fälschlicherweise beschuldigt werden.

Für viele Tierschützer steht dennoch eine andere Frage im Vordergrund: Warum gibt es in China bis heute keinen wirksamen strafrechtlichen Schutz vor Tierquälerei? Der Fall Wang Wang reiht sich für sie in eine Serie von Missbrauchsfällen ein, die in den vergangenen Monaten öffentlich wurden. Besonders die Brutalität der Aufnahmen scheint viele Menschen tief getroffen zu haben.

Eine Tierfreundin aus Ostchina sagte BBC Chinese, der Fall habe sie „auf besonders schwere Weise“ mitgenommen. Weil viele Menschen in China ihre Stimme nicht ausreichend hörbar machen könnten, würden Unterstützer im Ausland helfen, die Botschaft weiterzutragen.

Genau das geschieht nun. Chinas Tierfreunde haben ihren Protest offline und über Landesgrenzen hinweg organisiert. In New Yorks Times Square erscheinen auf einer großen digitalen Werbetafel alle 35 Minuten Fotos von Wang Wang. Eine der Botschaften lautet: „Sie wurde geliebt. Sie wollte leben. Sie sollte noch hier sein.“ Auch in Taiwan, nahe dem berühmten Hochhaus Taipei 101, wurden Plakate angebracht. Dort ist Wang Wang mit ihren Welpen zu sehen. Dazu steht: „Dieser Planet ist auch ihr Zuhause. Gerechtigkeit für Wang Wang.“

Eine Taiwanerin, die rund 30.000 Taiwan-Dollar für eine solche Anzeige ausgab, sagte, sie wolle damit ein Gefühl von Zusammenhalt schaffen. Es gehe darum, gemeinsam sichtbar zu werden und nicht nur vereinzelt im Internet seine Meinung zu äußern. Eine andere Unterstützerin übersetzte mithilfe Künstlicher Intelligenz eine Zusammenfassung des Falls in mehr als zehn Sprachen, darunter Japanisch, Portugiesisch und Russisch. In Hongkong und Macau sammelten Menschen Geld, um Plakate in Bussen und Bahnen zu finanzieren.

Auch auf dem chinesischen Festland geht der Protest weiter, wenn auch unter den Bedingungen der Kontrolle. Bei einem Fußballspiel in Dalian wurde am Samstag auf einer großen Stadionleinwand eine Zeichnung von Wang Wang und ihren Welpen gezeigt. Dazu stand der Satz: „Jedes Leben verdient Respekt und Freundlichkeit.“ Chinesische Unternehmen wie die Kosmetikmarke Amortals und das Streetwear-Label Wah Yan Ching Nin platzierten Anzeigen vor Einkaufszentren, in denen sie ein Ende von Tiermissbrauch forderten.

Zudem werden auf der chinesischen Handelsplattform Taobao Aufkleber und Auto-Sticker mit Wang Wang und ihren Welpen angeboten. In sozialen Netzwerken rufen Nutzer dazu auf, die Diskussion nicht abebben zu lassen. Ständiges Aussprechen bedeute nicht, die gesellschaftliche Ordnung zu stören, schreibt ein Nutzer. Es gehe darum, mehr Menschen zu zeigen, wie wichtig es sei, Tiere nicht zu misshandeln.

Der Fall Wang Wang ist damit längst mehr als eine einzelne Debatte über Tierquälerei. Er ist zu einem Symbol geworden – für Mitgefühl, für die Grenzen staatlicher Kontrolle und für eine Tierschutzbewegung, die sich nicht mehr allein auf Chinas zensierte Plattformen verlassen will. Während die Behörden versuchen, die öffentliche Empörung zu begrenzen, suchen Aktivisten neue Wege: auf Straßen, in Stadien, auf Werbetafeln in New York und Taipei – und in Sprachen, die weit über China hinaus verstanden werden.

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