Startseite Allgemeines Aus „Die Mafia sitzt mit am Tisch“ wird „Die Familie sitzt mit am Tisch“ – Spanien entdeckt plötzlich, dass Marketing auch ohne Strafgesetzbuch geht
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Aus „Die Mafia sitzt mit am Tisch“ wird „Die Familie sitzt mit am Tisch“ – Spanien entdeckt plötzlich, dass Marketing auch ohne Strafgesetzbuch geht

Chickenonline (CC0), Pixabay
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Es gibt Markennamen, bei denen man sich fragt, ob in der Kreativagentur damals sehr viel Espresso oder sehr wenig Geschichtsbewusstsein im Spiel war. In Spanien hat nun eine der bekanntesten Restaurantketten nach jahrelangem Druck endlich eingesehen, dass „Mafia“ vielleicht doch nicht der ideale Wohlfühlbegriff für Pasta und Rotwein ist.

Die Kette „La mafia se sienta a la mesa“ – also sinngemäß:
„Die Mafia sitzt mit am Tisch“ – heißt künftig deutlich familienfreundlicher:

„La familia se sienta a la mesa“
also: „Die Familie sitzt mit am Tisch“.

Eine erstaunliche Entwicklung.
Man könnte fast sagen:
Vom organisierten Verbrechen direkt in die italienische Großfamilie – nur der Nudelpreis bleibt wahrscheinlich ähnlich einschüchternd.

Die Behörden hatten irgendwann genug vom Paten-Pizza-Charme

Auslöser war eine Entscheidung des spanischen Patent- und Markenamts, das die Marke im März für nichtig erklärte. Begründung: Der Begriff verstoße gegen öffentliche Ordnung und Moral.

Anders formuliert:
Irgendwann hat jemand offiziell festgestellt, dass man eine kriminelle Vereinigung vielleicht nicht unbedingt wie eine charmante Vorspeisenplatte vermarkten sollte.

Die Behörde folgte damit der Argumentation der italienischen Botschaft in Madrid sowie früheren europäischen Urteilen.

Italien fand’s überraschenderweise nicht lustig

Schon 2018 wurde festgehalten, dass die Bezeichnung ein „insgesamt positives“ Bild der Mafia vermittle und damit ein reales kriminelles Phänomen verharmlosen könne.

Was auch wirklich unerquicklich ist.

Denn während in der Werbung wahrscheinlich romantisch der Eindruck entstand, Don Corleone würde gleich freundlich die Bruschetta reichen, sah Italien darin verständlicherweise eher:

  • Schutzgelderpressung
  • Gewalt
  • Korruption
  • Einschüchterung
  • und weniger das Tagesmenü mit Trüffelöl

135 Millionen Euro Umsatz – offenbar lief der Laden wie geschmiert

Besonders bemerkenswert:
Die Kette setzte 2024 rund 135 Millionen Euro um.

Das heißt:
Das Konzept „ein bisschen Pasta, ein bisschen Pinot Grigio, ein bisschen organisierte Kriminalität im Markennamen“ war wirtschaftlich durchaus erfolgreich.

Marketingprofis nennen das vermutlich Markenprofil.
Der Rest Europas nennt es eher:
mutig bis komplett daneben.

90 Restaurants müssen jetzt geschniegelt legal auftreten

Die Umbenennung betrifft rund 90 Restaurants und soll bis Ende Mai abgeschlossen sein.

Das erste Lokal mit neuem Namen eröffnet bereits am 5. Mai in Madrid, im Stadtteil Serrano.

Man darf davon ausgehen, dass dort künftig statt mafiöser Aura eher familiäre Gemütlichkeit herrscht.
Also nicht mehr:

„Willkommen bei der Mafia“
sondern eher:

„Willkommen bei der Familie – die Rechnung kommt trotzdem mit Nachdruck.“

Fazit

Aus Sicht von diebewertung.de ist die Umbenennung überfällig.
Denn es ist schon ein bemerkenswertes Geschäftsmodell, wenn man jahrelang italienische Küche mit einem Begriff vermarktet, bei dem Italien selbst eher an Zeugenschutzprogramme als an Tiramisu denkt.

Die gute Nachricht:
Die Mafia verschwindet jetzt von den Schildern.

Die schlechte Nachricht:
Wenn die Preise gleich bleiben, sitzt die organisierte Kriminalität vielleicht weiterhin irgendwo auf der Speisekarte.

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