Longjing-Tee gilt als einer der edelsten Grüntees Chinas. Seit Jahrhunderten wird er in den Hügeln rund um den Westsee von Hangzhou angebaut – doch echter traditioneller Longjing wird zunehmend seltener. Wer ihn wirklich erleben will, muss heute dorthin reisen, wo er geerntet wird.
Ein Tee mit Kaiserstatus
Longjing bedeutet übersetzt „Drachenbrunnen“ und zählt zu den berühmtesten Teesorten Chinas. Schon im 18. Jahrhundert soll Kaiser Qianlong während eines Besuchs in Hangzhou so begeistert gewesen sein, dass er 18 Teesträucher unter kaiserlichen Schutz stellte.
Bis heute genießt Longjing beinahe legendären Status – besonders die frühesten Frühlingspflückungen, die nur wenige Wochen im Jahr möglich sind.
Die wertvollsten Blätter des Jahres
Geerntet wird traditionell rund um die Frühlings-Tagundnachtgleiche im März. Entscheidend ist das Timing: Die besten Blätter stammen aus der sogenannten mingqian-Ernte, also noch vor dem chinesischen Qingming-Fest Anfang April.
Diese jungen Triebe gelten als besonders fein, süßlich und mild.
Entsprechend extrem sind die Preise geworden:
Für 500 Gramm der frühesten Longjing-Ernte werden mittlerweile umgerechnet über 4.000 Euro bezahlt.
Handarbeit gegen Maschinen
Ein großer Teil der Qualität entsteht erst nach der Ernte.
Traditionell werden die Blätter von Hand in riesigen heißen Woks geröstet. Dabei stoppen die Produzenten die Oxidation und formen die charakteristische flache, speerartige Form des Tees.
Der erfahrene Teebauer Ge Zhenghua arbeitet dabei sogar ohne Handschuhe.
„Die Hände spüren Dinge, die Maschinen nicht verstehen“, sagt er.
Viele Produzenten setzen inzwischen auf Maschinen, weil die traditionelle Verarbeitung extrem zeitaufwendig ist. Puristen behaupten allerdings, maschinell verarbeiteter Longjing verliere Tiefe, Duft und Nachgeschmack.
Problem mit Fälschungen
Mit dem weltweiten Boom chinesischer Spezialtees wächst auch das Problem gefälschter Longjing-Produkte.
Echter „West Lake Longjing“ darf nur aus einer streng geschützten Region rund um Hangzhou stammen. Trotzdem werden in ganz China ähnliche Grüntees unter dem berühmten Namen verkauft.
Deshalb vergibt die chinesische Regierung inzwischen offizielle Echtheitszertifikate mit QR-Codes.
Für viele Teeliebhaber bleibt die sicherste Methode aber weiterhin: direkt zu den Produzenten reisen.
Tee als kulturelles Erlebnis
Immer mehr Besucher kommen im Frühling nach Hangzhou, um die Ernte selbst zu erleben.
Auf vielen Farmen können Gäste:
- Tee pflücken
- die traditionelle Wok-Röstung beobachten
- Verkostungen machen
- mehr über chinesische Teekultur lernen
Gerade jüngere Chinesen entdecken Longjing aktuell neu – auch durch den Trend Guochao, der traditionelle chinesische Kultur und Produkte wieder populär macht.
Ein Geschmack, der Zeit braucht
Longjing gilt nicht als spektakulär lauter Tee. Sein Charakter ist subtil:
leicht nussig,
sanft floral,
mit einer frischen Süße.
Teemeisterin Chen Yifang beschreibt ihn so:
„Kaffee oder schwarzer Tee sagen sofort: Das bin ich. Longjing muss man erst eine Weile zuhören.“
Eine Tradition unter Druck
Lange fürchteten viele Familien, dass das Wissen rund um Longjing verloren gehen könnte. Junge Menschen zogen in die Städte und wollten die harte Arbeit auf den Teeplantagen nicht übernehmen.
Doch inzwischen kehren wieder mehr junge Leute zurück.
Nicht nur wegen der steigenden Preise – sondern auch aus dem Gefühl heraus, dass mit jeder Generation ein Stück kulturelles Erbe verschwinden könnte.
Für viele Menschen in Hangzhou ist der Duft von Longjing deshalb mehr als nur Tee.
„Das ist der Geruch unserer Heimat“, sagt Teebauer Zhenghua.
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