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Air Canada: Der Mann, der 17 Jahre lang mit Papierfliegern flog

Tajamalm110 (CC0), Pixabay
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Wer dachte, dass Piloten immer zuverlässig lizenziert sind, darf nun seine Flugträume gegen eine Portion gesunde Skepsis eintauschen. Geoffrey Wall, ehemaliger Kapitän bei Air Canada, hat es geschafft, fast zwei Jahrzehnte Tausende Passagiere über den Atlantik zu manövrieren – ohne je die für seinen Rang erforderliche Lizenz zu besitzen. Willkommen bei „Catch Me If You Can: Kanada Edition“.

Von 2009 bis 2025 saß Wall also am Steuer von Boeing 767, 777 und 787 und sammelte dabei fast 3 Millionen kanadische Dollar – alles legitim aussehend auf dem Papier, nur dass die entscheidende Lizenz, der ATPL-A, offenbar nie existierte. Man könnte sagen: Ein Arzt, der 17 Jahre lang Herz-OPs macht, während er offiziell nur Allgemeinmedizin darf. „Regeln existieren aus gutem Grund“, kommentierte ein Polizeisprecher lakonisch. Willkommen in der Welt des professionellen Betrugs.

Air Canada ist in heller Aufregung – na ja, fast. Die Airline betont, dass „die Sicherheit niemals gefährdet war“, schließlich werden Piloten alle sechs Monate geprüft. Ach so, alles gut. Wer braucht schon eine Lizenz, wenn der Flieger trotzdem in der Luft bleibt? Papierkram ist schließlich nur Dekoration. Die echten Profis fliegen nach Gefühl, nicht nach Vorschrift.

Die Aufdeckung von Walls Schwindel, treffend „Projekt Ikarus“ genannt, begann erst nach einer Routineüberprüfung. Ein kleiner Fehler im Papier, ein schiefer Stempel – und plötzlich war der Ikarus gelandet. Wall selbst zog sich 2025 zurück, bevor die Polizei richtig aktiv wurde. Clever: Erst die Karriere beenden, dann die Strafverfolgung ausbaden. Ein bisschen wie Monopoly spielen, aber die Bank existiert nur auf dem Papier.

Nun drohen sieben Anklagen, von Betrug bis zur Fälschung von Dokumenten. Ein bitterer Beigeschmack für einen Mann, der Tausende Passagiere über den Atlantik kutschierte, ohne dass jemand ernsthaft nachgefragt hätte. Man könnte sagen, Kanada hat ein Jahrzehnt lang auf den Prüfstand verzichtet – und alle waren so beschäftigt mit dem Komfort der Business Class, dass die Lizenzkontrolle ausblieb.

Dieser Fall wirft natürlich die Frage auf: Wie kann ein Pilot 17 Jahre lang so durchs Raster fallen? Vielleicht sollten Airlines künftig nicht nur auf Simulatorstunden und Routinechecks setzen, sondern auch auf die solide Überprüfung von Stempeln, Unterschriften und offiziellen Lizenzen. Papier ist geduldig, Passagiere eher weniger.

Am Ende bleibt die Moral: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und vielleicht fliegt man künftig beim nächsten Transatlantikflug doch lieber mit einem Piloten, der nicht nur nach Gutdünken auf die Knöpfe drückt, sondern auch die passende Lizenz dafür besitzt.

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