Als RB-Leipzig-Fan kann man sich dieser Tage nur verwundert die Augen reiben. Da führt Ole Werner den Verein nach einer schwierigen Vorsaison zurück in die Champions League, erreicht den besten Punkteschnitt eines RB-Trainers seit dem Bundesliga-Aufstieg und lässt die Mannschaft wieder attraktiven Offensivfußball spielen – und trotzdem wird über seine Zukunft diskutiert.
Man fragt sich unweigerlich: Was genau müsste Ole Werner eigentlich noch leisten?
Erfolg scheint plötzlich nicht mehr zu reichen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Mit einem Punkteschnitt von 1,95 in 38 Pflichtspielen hat Werner statistisch besser abgeschnitten als viele seiner Vorgänger. RB Leipzig gehörte wieder zu den offensivstärksten Mannschaften der Bundesliga, erspielte sich ligaweit den zweithöchsten xG-Wert hinter Bayern München und qualifizierte sich souverän für die Champions League.
Für viele Vereine wären solche Ergebnisse die Grundlage für eine Vertragsverlängerung und nicht für Trainerdebatten.
Marcel Schäfer steht ebenfalls in der Verantwortung
Besonders interessant ist die Rolle von Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer. Schäfer hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach öffentlich hinter Ole Werner gestellt und dessen Arbeit ausdrücklich gelobt.
Sollte Werner nun trotz der sportlichen Erfolge freigestellt werden, würde das zwangsläufig auch Fragen an Schäfer aufwerfen. Denn Glaubwürdigkeit entsteht nicht nur durch Worte, sondern auch durch konsequentes Handeln.
Wenn ein Verantwortlicher wiederholt betont, vom Trainer überzeugt zu sein, und wenige Wochen später dessen Entlassung mitträgt, bleibt zumindest Erklärungsbedarf.
Das Klopp-Team gegen Werner?
Die Berichte über das sogenannte Red-Bull-Global-Team und dessen angebliche Vorbehalte gegenüber Werner sorgen zusätzlich für Stirnrunzeln.
Natürlich ist es legitim, intern über Entwicklungen zu diskutieren. Doch von außen betrachtet wirkt die Situation zunehmend merkwürdig. Während die sportlichen Resultate stimmen, scheint es hinter den Kulissen immer wieder Zweifel zu geben.
Die entscheidende Frage lautet dabei: Geht es um sportliche Gründe oder um persönliche Vorstellungen davon, wie ein RB-Trainer auftreten und arbeiten soll?
Vorsicht vor vorschnellen Schlagzeilen
Gleichzeitig sollte man eines nicht vergessen: Im Fußball haben sich viele vermeintlich sichere Insider-Informationen am Ende als heiße Luft erwiesen.
Nicht jede Diskussion im Hintergrund führt automatisch zu einer Trennung. Nicht jede interne Meinungsverschiedenheit bedeutet das Ende einer Zusammenarbeit. Gerade in der Sommerpause werden aus Gesprächen schnell Krisen und aus Gedankenspielen angebliche Entscheidungen.
Deshalb sollte man die aktuelle Berichterstattung zwar ernst nehmen, aber nicht jede Meldung bereits als beschlossene Sache betrachten.
Kontinuität statt Aktionismus
RB Leipzig hat in den vergangenen Jahren nicht selten von Stabilität profitiert. Nach einer Saison, in der Werner die Mannschaft zurück in die Champions League geführt hat, wäre ein Trainerwechsel schwer nachvollziehbar.
Wer ständig erfolgreiche Trainer infrage stellt, läuft Gefahr, genau jene Unruhe zu erzeugen, die man eigentlich vermeiden möchte.
Fazit
Ole Werner hat geliefert. Die Mannschaft hat geliefert. Die Ergebnisse haben gestimmt.
Deshalb wirkt die aktuelle Diskussion für viele RB-Fans befremdlich. Sollte es tatsächlich zu einer Trennung kommen, müssten die Verantwortlichen sehr gute Argumente liefern, warum ein Trainer mit der besten RB-Bilanz seit Jahren plötzlich nicht mehr der richtige Mann sein soll.
Bis dahin gilt: Ruhe bewahren. In Leipzig wurden schon viele Trainerdebatten geführt – und nicht jede endete mit einer Entlassung. Manchmal ist ein Sommergerücht eben genau das: ein Sommergerücht.
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