Ein Gericht im US-Bundesstaat Texas hat den 19-jährigen Karmelo Anthony wegen Mordes an dem 17-jährigen Schüler Austin Metcalf zu 35 Jahren Haft verurteilt. Der Fall hatte landesweit Aufmerksamkeit erregt und über Monate hinweg kontroverse Debatten ausgelöst.
Eine Jury im Collin County sprach Anthony am 9. Juni des Mordes schuldig. Wenige Stunden später legten die Geschworenen das Strafmaß fest. Nach texanischem Recht hätte die Strafe zwischen zwei Jahren und lebenslanger Haft liegen können.
Die tödliche Auseinandersetzung ereignete sich am 2. April 2025 bei einem Leichtathletikwettkampf in Frisco. Anthony, damals Schüler der Centennial High School, erstach den 17-jährigen Austin Metcalf von der Memorial High School mit einem Messer. Der Jugendliche erlitt eine tödliche Stichverletzung im Brustbereich.
Während des Prozesses hielt Anthony an seiner Darstellung fest, aus Notwehr gehandelt zu haben. Seine Verteidigung argumentierte, Metcalf habe die körperliche Konfrontation begonnen und Anthony habe sich in einer chaotischen Situation bedroht gefühlt. Die Staatsanwaltschaft widersprach dieser Darstellung und erklärte, Anthony habe den Konflikt selbst provoziert. Ein Stoß rechtfertige keinen tödlichen Messerangriff, betonte Ankläger Bill Wirskye in seinem Schlussplädoyer.
Mehrere Schüler, die als Zeugen aussagten, schilderten laut Medienberichten, dass Anthony auf dem Sportgelände in einen Bereich einer anderen Schule gegangen sei und sich die Situation anschließend rasch zugespitzt habe. Ein Schulpolizist sagte aus, Anthony habe nach seiner Festnahme erklärt: „Ich habe es getan.“
Besonders emotional verlief die Anhörung zum Strafmaß. Die Eltern des Opfers wandten sich direkt an den Verurteilten. Austins Mutter erklärte, sie habe durch die Tat „eine lebenslange Strafe ohne ihren Sohn“ erhalten. Ihr Sohn sei nicht einfach gestorben, sondern gewaltsam aus dem Leben gerissen worden.
Auch Anthonys Mutter bat die Jury um Milde. Unter Tränen erklärte sie, ihr Sohn bereue seine Tat und werde für sie immer ihr Kind bleiben.
Der Fall sorgte weit über Texas hinaus für Schlagzeilen. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich während des Prozesses Unterstützer beider Familien. Zudem wurden über Online-Spendenaktionen Hunderttausende Dollar gesammelt. Gleichzeitig berichteten beide Familien von Anfeindungen, Drohungen und Belästigungen in sozialen Netzwerken.
Die Tötung des Schülers hatte die Gemeinde in Nordtexas tief erschüttert. Austin Metcalf erhielt bei der Abschlussfeier seiner Schule posthum sein Diplom, das stellvertretend von seinem Zwillingsbruder entgegengenommen wurde.
Mit dem Urteil endet eines der aufsehenerregendsten Jugendstrafverfahren der vergangenen Jahre in Texas. Ob die Verteidigung gegen das Urteil Berufung einlegen wird, ist bislang nicht bekannt.
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