Endlich. Die Trainersuche beim 1. FC Lok Leipzig ist beendet. Zwölf Tage nach dem Rücktritt von Jochen Seitz steht der Nachfolger fest: Torsten Ziegner übernimmt das Kommando im Bruno-Plache-Stadion. Und als Lok-Fan ertappe ich mich dabei, wie ich gleichzeitig erleichtert nicke und fragend die Augenbraue hochziehe.
Denn ganz ehrlich: Ich freue mich, dass es eine Entscheidung gibt. Aber ich weiß noch nicht so richtig, was ich davon halten soll.
Nach den emotionalen Wochen rund um die Aufstiegsspiele, nach dem erneuten Scheitern auf den letzten Metern und nach dem überraschenden Abschied von Jochen Seitz wollte ich vor allem eins: Klarheit. Diese Hängepartie, diese täglichen Spekulationen in sozialen Netzwerken und an den Bierständen – wer kommt, wer kommt nicht, wer hat abgesagt, wer steht auf irgendwelchen ominösen Listen – das musste irgendwann ein Ende haben.
Jetzt ist es vorbei. Torsten Ziegner ist da.
Und man muss sagen: Die Verpflichtung ergibt zumindest auf den ersten Blick Sinn. Ziegner kennt den Osten, kennt die Regionalliga, kennt den Druck bei Traditionsvereinen. Er war Spieler in Jena, Zwickau und bei den Stuttgarter Kickers, hat später als Trainer unter anderem beim FSV Zwickau und beim Halleschen FC gearbeitet und zuletzt den MSV Duisburg betreut. Das ist keine Laufbahn eines Abenteurers, sondern die eines Fußballarbeiters.
Vor allem aber kennt er Toni Wachsmuth.
Vielleicht sogar besser als jeder andere Trainerkandidat. Beide stammen aus Neuhaus am Rennweg, beide haben in Zwickau zusammengearbeitet, Wachsmuth spielte vier Jahre unter Ziegner. Die Verbindung ist eng, das Vertrauen offensichtlich groß.
Und genau hier beginnt mein kleines Fan-Dilemma.
Einerseits ist Vertrauen im Fußball Gold wert. Gerade in einem Verein wie Lok, wo die Erwartungen riesig und die Geduld manchmal überschaubar sind. Da kann es helfen, wenn Sportchef und Trainer nicht erst monatelang herausfinden müssen, wie der andere tickt.
Andererseits fragt man sich natürlich auch: Hat Lok den besten verfügbaren Trainer gefunden – oder den Trainer, den Toni Wachsmuth am besten kennt?
Das ist keine Kritik. Nur eine Frage, die wahrscheinlich viele Lokisten beschäftigt.
Denn der Schatten von Jochen Seitz ist groß.
Zwei Meisterschaften in Folge. Landespokalsieger. Eine Mannschaft, die sich über zwei Jahre kontinuierlich entwickelt hat. Natürlich bleibt am Ende das bittere Bild der verlorenen Aufstiegsspiele gegen Havelse und Würzburg hängen. Aber wenn wir ehrlich sind: Seitz hat Lok sportlich dorthin geführt, wo wir alle den Verein sehen wollen.
Deshalb fühlt sich dieser Trainerwechsel irgendwie seltsam an.
Nicht, weil Ziegner etwas falsch gemacht hätte. Sondern weil man sich nach zwei Meisterschaften fast automatisch fragt, was jetzt eigentlich besser werden soll.
Mehr Punkte als Meister kann man schließlich nicht holen.
Die eigentliche Aufgabe lautet also nicht: Lok besser machen.
Die Aufgabe lautet: Lok endlich hochbringen.
Und genau daran wird Torsten Ziegner gemessen werden.
Nicht an schönen Pressekonferenzen. Nicht an sympathischen Interviews. Nicht einmal an einem Regionalliga-Titel.
Die Messlatte heißt 3. Liga.
Alles andere wäre in Probstheida spätestens im Mai 2027 wieder zu wenig.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich die Verpflichtung momentan weder euphorisch noch skeptisch sehe. Sie wirkt vernünftig. Solide. Durchdacht.
Aber eben nicht wie der große Paukenschlag.
Vielleicht braucht Lok den auch gar nicht.
Vielleicht braucht dieser Verein nach zwei Jahren voller Emotionen, Enttäuschungen und Aufstiegstraumata einfach jemanden, der ruhig arbeitet, die Mannschaft weiterentwickelt und im entscheidenden Moment die richtigen Stellschrauben dreht.
Vielleicht ist Torsten Ziegner genau dieser Mann.
Vielleicht aber auch nicht.
Das ist die ehrliche Antwort eines Lok-Fans an diesem Montag.
Ich freue mich, dass die Suche vorbei ist. Ich freue mich auf den Trainingsstart am 24. Juni. Ich freue mich darauf, wieder über Neuzugänge, Testspiele und die neue Saison zu diskutieren.
Aber ob Torsten Ziegner der Trainer ist, der uns endlich aus der Regionalliga herausführt?
Das kann heute niemand seriös beantworten.
Deshalb bleibt vorerst nur eines:
Willkommen in Probstheida, Torsten.
Und falls du tatsächlich der Mann bist, der uns im nächsten Frühjahr in die 3. Liga führt, verspreche ich schon jetzt, diesen Artikel mit einem breiten Grinsen noch einmal zu lesen. Bis dahin bleiben Vorfreude, Hoffnung – und ein kleines Fragezeichen.
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