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Zehn Jobs in zehn Jahren: Wie häufige Wechsel zur Wunschkarriere führen können

Peggy_Marco (CC0), Pixabay
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Brittany Harris-Nelson beschreibt ihren beruflichen Weg als Sprung von Seerosenblatt zu Seerosenblatt. Jeder Wechsel habe sie ihrem eigentlichen Ziel nähergebracht, auch wenn ihre Karriere keineswegs geradlinig verlaufen sei.

Die 32-Jährige arbeitet heute als stellvertretende Leiterin für studentisches Engagement an der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina. Auf diese Position hatte sie lange hingearbeitet. Um dorthin zu gelangen, wechselte sie über fast zehn Jahre hinweg immer wieder die Stelle.

Insgesamt war Harris-Nelson in zehn verschiedenen Funktionen an sechs Universitäten tätig. Einige davon übte sie bereits während ihres Studiums aus, später folgten drei Vollzeitstellen. Sie arbeitete unter anderem als Büroleiterin, Studienberaterin und in der Hochschulzulassung.

Jede neue Aufgabe habe ihr zusätzliche Kenntnisse und Perspektiven vermittelt, sagt sie. Der finanzielle Gewinn sei dabei nicht immer besonders groß gewesen. Ihr Gehalt habe sich mit den Wechseln nur begrenzt erhöht. Dafür verbesserten sich andere Bedingungen, darunter mehr bezahlter Urlaub und höhere Beiträge des Arbeitgebers zur Altersvorsorge.

Für Harris-Nelson war jeder Arbeitsplatz ein gezielter Zwischenschritt. Die einzelnen Erfahrungen hätten sie schließlich auf ihre heutige Aufgabe vorbereitet.

„Lily Padding“ als neue Karrierestrategie

Personalexperten beobachten ein ähnliches Verhalten zunehmend bei jüngeren Beschäftigten. In Anlehnung an das englische Wort für Seerosenblatt wird die Strategie als „Lily Padding“ bezeichnet.

Gemeint ist damit, dass Arbeitnehmer von Stelle zu Stelle wechseln, um schneller neue Fähigkeiten aufzubauen, mehr Verantwortung zu übernehmen und ihre Chancen auf ein höheres Einkommen zu verbessern. Anstatt über viele Jahre bei einem einzigen Unternehmen die klassische Karriereleiter hinaufzusteigen, stellen sie sich aus unterschiedlichen Tätigkeiten ein persönliches Kompetenzprofil zusammen.

Besonders verbreitet ist dieses Vorgehen offenbar bei Angehörigen der Generation Z, also den zwischen 1997 und 2012 Geborenen. Einer internationalen Befragung der Personalvermittlung Randstad zufolge verbringen Beschäftigte dieser Generation in ihren ersten fünf Berufsjahren durchschnittlich nur 1,1 Jahre in einer Stelle.

Bei den Millennials liegt der entsprechende Wert bei 1,8 Jahren. Ältere Generationen bleiben demnach im Durchschnitt fast drei Jahre bei demselben Arbeitgeber.

Auch finanziell können häufigere Wechsel Vorteile bringen. Eine britische Untersuchung des Finanzunternehmens Wealthify kam 2025 zu dem Ergebnis, dass Menschen, die innerhalb eines Jahrzehnts mindestens viermal den Arbeitsplatz gewechselt hatten, durchschnittlich 39.276 Pfund verdienten. Andere Beschäftigte kamen im Mittel auf 30.088 Pfund. Das entsprach einem Unterschied von rund 31 Prozent.

Vom Regierungsjob zum erfolgreichen Redner

Auch Adam Smiley Poswolsky entschied sich gegen eine klassische Karriere in einem einzelnen Unternehmen. Der heute 42-Jährige arbeitet als Autor und professioneller Redner und beschäftigt sich vor allem mit Unternehmenskultur und der Arbeitswelt.

Poswolsky wechselte innerhalb von 15 Jahren mehrfach zwischen Regierungsorganisationen, gemeinnützigen Projekten, der Kreativwirtschaft und Unternehmen. Dabei sei es ihm weniger um einen geraden Aufstieg als um Sinn, persönliche Entwicklung und interessante Aufgaben gegangen.

Zu seinen Tätigkeiten gehörten ein Projektleiterposten beim US-Friedensdienst Peace Corps, eine Stelle als Englischlehrer an der Harvard University und die Arbeit als Drehortscout für Warner Bros. Zudem war er Filmproduzent in New York, arbeitete im Wahlkampf von Barack Obama und war für eine Denkfabrik tätig.

Bei jedem Wechsel habe er bewusst darauf geachtet, welche Fähigkeiten er aus der bisherigen Aufgabe in die nächste mitnehmen könne. Kenntnisse aus seinem Regierungsjob hätten ihm beispielsweise beim Schreiben geholfen. Daraus sei später ein Buch und schließlich seine heutige Laufbahn als gut bezahlter Redner entstanden.

Seinen früheren Verdienst von rund 70.000 Dollar beim Peace Corps habe er inzwischen wieder erreicht. Wichtiger sei für ihn jedoch, dass er durch seine wechselvolle Laufbahn mehr Flexibilität und Zufriedenheit gefunden habe als in einer traditionellen Unternehmenshierarchie.

Jüngere Beschäftigte erwarten mehr Entwicklung

Nicola Grant, Personalchefin beim britischen Versicherer Hiscox, beobachtet einen grundlegenden Wandel im Karriereverständnis. Gerade Menschen am Anfang ihres Berufslebens wollten möglichst schnell ein breites Spektrum an Erfahrungen sammeln.

Sie seien eher bereit, eine Stelle zu verlassen, wenn sie das Gefühl hätten, sich nicht mehr weiterzuentwickeln oder nur begrenzte Möglichkeiten zu besitzen. Vielfalt, Lerngeschwindigkeit und dauerhaft relevante Fähigkeiten seien wichtiger geworden.

Aus ihrer Sicht kann das sowohl den Beschäftigten als auch den Unternehmen zugutekommen. Arbeitnehmer bringen Erfahrungen aus unterschiedlichen Organisationen und Tätigkeitsbereichen mit. Arbeitgeber erhalten im Gegenzug Mitarbeiter, die anpassungsfähig sind und verschiedene Perspektiven verbinden können.

Auch Lucy Kemp, Kommunikationsmanagerin beim IT-Unternehmen La Fosse, hält „Lily Padding“ nicht nur für eine vorübergehende Modeerscheinung. Für sie ist es ein Hinweis darauf, wie sich die Arbeitswelt langfristig verändert.

Jüngere Menschen hätten beobachtet, dass langjährige Loyalität zu einem Arbeitgeber nicht automatisch mit Beförderungen, Sicherheit oder höheren Einkommen belohnt werde. Deshalb wollten sie ihre Karriere stärker selbst gestalten und gezielt jene Fähigkeiten erwerben, die ihnen wichtig erscheinen.

Weniger Lernen im Büro

Die Entwicklung wird auch durch Veränderungen seit der Corona-Pandemie verstärkt. Durch Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle lernen Beschäftigte seltener unmittelbar von erfahrenen Kollegen im Büro.

Gleichzeitig übernimmt künstliche Intelligenz zunehmend einfache und wiederkehrende Aufgaben. Dadurch wächst die Bedeutung von Fähigkeiten, die auch in einigen Jahren noch gefragt sein dürften.

Wer sich weiterentwickeln möchte, wechselt deshalb möglicherweise in ein anderes Projekt, ein neues Team, eine andere Branche oder zu einem neuen Arbeitgeber. Entscheidend sei nicht allein der Titel einer Position, sondern die Frage, was dort gelernt werden könne.

Häufige Arbeitsplatzwechsel sind dennoch nicht automatisch eine Garantie für beruflichen Erfolg. Ohne erkennbares Ziel können sie im Lebenslauf auch wie Orientierungslosigkeit wirken. Erfolgreich ist die Strategie vor allem dann, wenn jeder Wechsel neue Kompetenzen, mehr Verantwortung oder bessere Arbeitsbedingungen mit sich bringt.

Harris-Nelson sieht ihre heutige Position deshalb nicht als Endpunkt. Für sie bleibt die Karriere ein fortlaufender Weg. Sie wolle auch künftig lernen, sich entwickeln und neue Möglichkeiten nutzen.

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