Mit militärischen Ehren, roten Teppichen und demonstrativer Einigkeit hat Chinas Staatschef Xi Jinping den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Peking empfangen. Der Besuch galt nicht nur als Zeichen enger Beziehungen zwischen China und Russland, sondern offenbar auch als klare geopolitische Botschaft an die USA.
Besonders bemerkenswert:
Nur wenige Tage zuvor hatte Xi bereits US-Präsident Donald Trump zu einem viel beachteten Gipfeltreffen in China empfangen.
Xi spricht von „Ruhe im Chaos“
Beim Treffen mit Putin bezeichnete Xi die Beziehungen zwischen China und Russland als eine Kraft der „Ruhe im Chaos“. Gleichzeitig kritisierte er indirekt die internationale Politik der Vereinigten Staaten.
Xi sprach von einer Weltlage voller „Turbulenzen und Veränderungen“ und warnte vor „hegemonialen Strömungen“ – eine Formulierung, die in Peking häufig als indirekte Kritik an der amerikanischen Außenpolitik verstanden wird.
China und Russland müssten deshalb ihre strategische Zusammenarbeit weiter vertiefen.
Demonstration enger Partnerschaft
Anders als beim Besuch von Donald Trump unterzeichneten Xi und Putin auch wieder eine gemeinsame politische Erklärung. Darin betonen beide Staaten ihren Wunsch nach einer „multipolaren Weltordnung“ und kritisieren offen die Dominanz der USA.
Gemeinsam wandten sich beide Regierungen außerdem gegen Trumps geplantes milliardenschweres Raketenabwehrsystem „Golden Dome“. Dieses gefährde aus ihrer Sicht die strategische Stabilität zwischen den Atommächten.
China positioniert sich als globale Machtzentrale
Für Xi Jinping ist die gleichzeitige Nähe zu Washington und Moskau außenpolitisch äußerst wertvoll.
Innerhalb weniger Tage empfing China:
- den Präsidenten der Vereinigten Staaten
- und den Präsidenten Russlands.
Peking präsentiert sich damit zunehmend als eigenständige globale Machtzentrale zwischen den rivalisierenden Blöcken.
Putin sucht wirtschaftliche und politische Rückendeckung
Für Russland bleibt China inzwischen der wichtigste wirtschaftliche Partner.
Seit den westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges ist Moskau wirtschaftlich deutlich stärker von China abhängig geworden.
Putin sprach deshalb von einem „beispiellos hohen Niveau“ der Beziehungen zwischen beiden Staaten.
Während des Besuchs wurden rund 20 Kooperationsabkommen unterzeichnet. Themen waren unter anderem:
- Energie,
- Industrie,
- Landwirtschaft,
- Transport,
- Hochtechnologie
- und künstliche Intelligenz.
Zudem vereinbarten beide Länder eine Verlängerung der gegenseitigen Visafreiheit bis Ende 2027.
Persönliche Nähe zwischen Xi und Putin
Auch persönlich demonstrierten beide Staatschefs große Nähe.
Putin verwies darauf, dass er Xi inzwischen mehr als 40-mal getroffen habe. Dabei nutzte er sogar ein chinesisches Sprichwort, das sinngemäß bedeutet:
„Ein Tag der Trennung fühlt sich an wie drei Herbstjahre.“
Die symbolische Inszenierung war unübersehbar:
- Militärkapelle,
- Ehrengarde,
- wehende Flaggen
- und Kinder mit Blumen entlang des roten Teppichs.
Hinter der Fassade wächst Russlands Abhängigkeit
Doch hinter der demonstrativen Harmonie zeigt sich laut Analyse auch ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen beiden Staaten.
Denn Russland befindet sich wirtschaftlich und militärisch zunehmend unter Druck.
Kurz vor Putins Ankunft hatte die Ukraine einen massiven Drohnenangriff auf Moskau gestartet. Gleichzeitig verliert Russland an einigen Frontabschnitten offenbar weiter Gelände.
Damit wächst Chinas Einfluss auf Moskau immer weiter.
China könnte die Lage strategisch nutzen
Xi Jinping dürfte diese Entwicklung genau beobachten.
Denn Chinas Führung weiß:
Russland braucht China derzeit dringender als umgekehrt.
Gerade bei Energiefragen könnte Peking die schwächere Position Moskaus nutzen, um bessere wirtschaftliche Bedingungen auszuhandeln — insbesondere vor dem Hintergrund der Spannungen im Nahen Osten und möglicher Probleme bei der Ölversorgung.
Eine neue Weltordnung entsteht
Der Besuch zeigt deutlich:
China und Russland wollen sich weiterhin als Gegengewicht zum Westen positionieren.
Gleichzeitig versucht Xi Jinping offenbar, China als zentrale Vermittlungs- und Machtfigur einer neuen globalen Ordnung zu etablieren — zwischen Washington, Moskau, Nahost-Krisen und dem Ukraine-Krieg.
Ob daraus langfristig tatsächlich eine stabile neue Weltordnung entsteht oder nur eine noch gefährlichere geopolitische Konfrontation, bleibt allerdings völlig offen.
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