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Wofür zahlen wir eigentlich Pflegeversicherung, wenn am Ende doch alles an uns hängen bleibt?

Maklay62 (CC0), Pixabay
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Manchmal fragt man sich wirklich, wofür wir eigentlich jahrzehntelang Beiträge in die Pflegeversicherung einzahlen.

Sie soll Menschen helfen, wenn sie nach einer schweren Erkrankung, einem Unfall oder im Alter auf Unterstützung angewiesen sind. Doch in der Praxis entsteht immer öfter der Eindruck: Erst einmal muss der Betroffene kämpfen, telefonieren, Anträge stellen, Widerspruch einlegen – und im Zweifel sogar selbst bezahlen.

Ich kann darüber nicht nur theoretisch sprechen.

Im vergangenen Jahr war ich nach einer schweren Erkrankung selbst auf Hilfe angewiesen und erhielt Pflegegrad 2. Mein Hausarzt war angesichts meines damaligen Gesundheitszustandes überzeugt, dass eigentlich Pflegegrad 3 gerechtfertigt gewesen wäre.

Ein Widerspruch brachte jedoch nichts.

Und dann begann das, was vermutlich viele Betroffene und Angehörige kennen: der Kampf um Hilfsmittel.

Rollstuhl, Rollator und weitere notwendige Dinge habe ich schließlich selbst angeschafft. Nicht, weil ich Spaß daran hatte, Geld auszugeben, sondern weil ich sie brauchte – und zwar nicht irgendwann, sondern sofort.

Besonders absurd wurde es bei einem Toilettenstuhl für rund 50 Euro.

Auf die Genehmigung musste ich sage und schreibe etwa acht Wochen warten.

Acht Wochen.

Wer einen solchen Toilettenstuhl benötigt, braucht ihn aber normalerweise nicht zwei Monate später. Also hatte ich mir auch diesen längst selbst gekauft.

Und währenddessen telefoniert man mit verschiedenen Ansprechpartnern, erklärt immer wieder denselben Sachverhalt und fragt sich irgendwann, ob der Verwaltungsaufwand nicht längst teurer ist als das Hilfsmittel selbst.

Pflegebedürftigkeit ist kein theoretischer Verwaltungsakt

Ich hatte Glück.

Ich habe mich Schritt für Schritt aus meiner schweren Situation herausgekämpft und bin heute wieder ohne Pflegegrad. Darüber bin ich sehr froh.

Aber gerade diese Erfahrung lässt mich heute noch kritischer auf manche politischen Diskussionen über Einsparungen und mögliche Veränderungen bei der Pflegeversicherung schauen.

Denn was soll eigentlich noch gekürzt oder erschwert werden?

Wer Pflegegrad 1 oder 2 bekommt, macht normalerweise keinen Wellnessurlaub auf Kosten der Pflegekasse. Hinter diesen Einstufungen stehen Menschen, die ihren Alltag zumindest teilweise nicht mehr ohne Unterstützung bewältigen können.

Wenn nun darüber diskutiert wird, Leistungen weiter einzuschränken oder Zugangshürden zu erhöhen, muss die Frage erlaubt sein:

Was soll eine Pflegeversicherung eigentlich noch leisten, wenn ausgerechnet diejenigen, die Hilfe benötigen, immer häufiger erst einmal selbst in Vorleistung gehen oder sich durch eine Bürokratie kämpfen müssen?

Wo landet eigentlich das Geld?

Die Pflegeversicherung nimmt Milliardenbeträge ein.

Gleichzeitig hören Versicherte immer häufiger, dass kein Geld vorhanden sei, Leistungen begrenzt werden müssten oder das gesamte System finanziell unter enormem Druck stehe.

Natürlich kostet Pflege Geld.

Natürlich braucht ein funktionierendes System qualifizierte Mitarbeiter, Verwaltung, Begutachtung und Kontrolle.

Aber wenn ein Versicherter für ein notwendiges Hilfsmittel im Wert von vielleicht 50 Euro wochenlang telefonieren muss, stellt sich irgendwann schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.

Wie teuer sind acht Wochen Verwaltung?

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sich mit einem solchen Antrag?

Wie viele Briefe werden geschrieben?

Wie viele Telefonate geführt?

Und wäre es am Ende nicht günstiger gewesen, den benötigten Toilettenstuhl einfach schnell zu genehmigen?

Sparen darf nicht bedeuten, Pflegebedürftige abzuschreiben

Selbstverständlich muss über die Zukunft der Pflegeversicherung gesprochen werden.

Unsere Gesellschaft wird älter, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und gleichzeitig fehlen Pflegekräfte. Das System steht vor großen Herausforderungen.

Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, Leistungen immer weiter zurückzufahren und gleichzeitig die Hürden für Betroffene immer höher zu setzen.

Manchmal entsteht bei solchen Diskussionen überspitzt gesagt der Eindruck, man müsse künftig fast schon nachweisen, dass man kaum noch alleine atmen kann, bevor überhaupt Unterstützung gewährt wird.

So darf eine soziale Pflegeversicherung nicht funktionieren.

Sie muss den Menschen helfen, wenn sie Hilfe benötigen – und nicht erst dann, wenn jede Hoffnung auf Verbesserung bereits verschwunden ist.

Die Politik darf den Frust nicht unterschätzen

Genau solche persönlichen Erfahrungen erklären übrigens auch, warum das Vertrauen vieler Menschen in Politik und Institutionen abnimmt.

Wer sein gesamtes Berufsleben Beiträge und Steuern bezahlt hat und dann in einer schweren Lebenssituation feststellt, dass er wegen eines einfachen Hilfsmittels wochenlang kämpfen muss, fragt sich irgendwann zwangsläufig:

Wofür habe ich eigentlich eingezahlt?

Man muss nicht jede politische Forderung teilen und auch nicht jede Protestentscheidung bei einer Wahl gutheißen.

Aber man sollte verstehen, woher dieser Frust kommt.

Denn Vertrauen verliert man nicht durch eine einzige große Entscheidung.

Man verliert es oft durch viele kleine Erlebnisse.

Durch den zwanzigsten Anruf.

Durch den nächsten Antrag.

Durch den abgelehnten Widerspruch.

Und durch einen Toilettenstuhl für 50 Euro, auf dessen Genehmigung ein schwer kranker Mensch acht Wochen warten soll.

Eine Pflegeversicherung sollte Sicherheit geben.

Wenn sie stattdessen bei den Betroffenen vor allem das Gefühl erzeugt, sich jede Kleinigkeit erkämpfen zu müssen, läuft etwas grundlegend falsch.

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