Man muss Hertha BSC eines lassen: Langweilig wird es in Berlin wirklich nie.
Über drei Jahre wurde mit dem früheren Geschäftsführer Fredi Bobic gestritten, geklagt, berufen, zurückgezogen, verglichen, nicht verglichen und vermutlich zwischendurch auch tief durchgeatmet.
Jetzt ist die Sache offenbar beendet.
Das Landgericht Berlin hat das Zustandekommen eines Vergleichs festgestellt. Über die genaue Summe schweigt das Gericht. Medienberichten zufolge soll Hertha BSC allerdings rund vier Millionen Euro an Bobic zahlen.
Vier Millionen.
Für einen Mann, der seit Anfang 2023 nicht mehr im Amt ist.
Fußball kann so romantisch sein.
Erst waren 3,2 Millionen offenbar zu viel
Besonders schön wird die Geschichte, wenn man ein wenig zurückblickt.
Im Mai des vergangenen Jahres hatte das Gericht offenbar einen Vergleich über 3,2 Millionen Euro vorgeschlagen.
Hertha lehnte ab.
Jetzt stehen laut Medienberichten rund vier Millionen Euro im Raum.
Das ist ungefähr die Art von Verhandlungstaktik, bei der man beim Autohändler sagt:
„15.000 Euro? Auf keinen Fall!“
Und ein Jahr später zurückkommt und erklärt:
„Gut, ich nehme ihn für 19.000.“
Konsequenz muss man schließlich auch erst einmal durchhalten können.
Was hätte man für vier Millionen bekommen können?
Und da beginnt natürlich die Lieblingsrechnung eines jeden Fußballfans.
Wie viele Spieler hätte Hertha für diese vier Millionen Euro verpflichten können?
Natürlich hängt das davon ab, wo man einkauft.
In der Premier League bekommt man dafür vermutlich einen Ersatzspieler für den Ersatzspieler und ein unterschriebenes Trikot.
In der 2. Bundesliga sieht die Sache schon etwas anders aus.
Vier Millionen Euro könnten beispielsweise bedeuten:
- zwei ordentliche Zweitliga-Spieler für jeweils zwei Millionen,
- vier entwicklungsfähige Spieler für jeweils rund eine Million,
- acht Talente für jeweils 500.000 Euro,
- oder einen kompletten Transfer-Sommer nach dem Motto: „Wir schauen mal, wer ablösefrei ist, und zahlen dafür wenigstens vernünftige Handgelder.“
Und wenn man ganz kreativ wird, hätte man mit vier Millionen Euro wahrscheinlich auch das Gehalt einiger Leistungsträger zumindest eine gewisse Zeit finanzieren können.
Aber gut.
Stattdessen bekommt Hertha nun etwas anderes für das Geld:
Ruhe vor Gericht.
Auch nicht ganz unwichtig.
Nur leider schießt die keine Tore.
Bobic dürfte entspannt auf den Kontoauszug schauen
Für Fredi Bobic dürfte sich das Durchhaltevermögen gelohnt haben.
Nach seiner ordentlichen und außerordentlichen Kündigung Anfang 2023 hatte er in zwei Verfahren geklagt.
Bereits im September 2025 wurde in einem Urkundenprozess entschieden, dass Hertha 3,35 Millionen Euro brutto zahlen müsse. Dazu wären noch Zinsen und Verfahrenskosten gekommen.
Hertha ging zunächst in Berufung.
Dann wurde die Berufung zurückgezogen.
Und nun endet das Ganze offenbar bei einer Summe, die sich irgendwo um vier Millionen Euro bewegen soll.
Man könnte sagen:
Bobic hat das Spiel über die volle Distanz gezogen.
Und diesmal gab es offenbar keine Nachspielzeit mehr.
Hertha bleibt eben Hertha
Natürlich kennt niemand außerhalb der Beteiligten alle Vertragsdetails.
Und natürlich kann ein Vergleich sinnvoller sein, als noch weitere Jahre Prozesse zu führen und zusätzliche Kosten zu produzieren.
Das ist die vernünftige Sicht.
Aber Fußballfans sind nun einmal nicht vernünftig.
Die sehen vier Millionen Euro und denken sofort:
Stürmer.
Innenverteidiger.
Linksaußen.
Sechser.
Vielleicht sogar zwei davon.
Und genau deshalb wird diese Geschichte bei vielen Hertha-Fans vermutlich noch eine Weile nachhallen.
Denn vier Millionen Euro sind für einen Verein wie Hertha BSC keine Summe, die irgendwo zwischen zwei Kontoauszügen verschwindet.
Das ist richtiges Geld.
Geld, mit dem man sportlich etwas hätte anfangen können.
Vielleicht sollte Hertha künftig eine eigene Position schaffen
Nach all den Jahren juristischer Auseinandersetzung könnte man in Berlin vielleicht grundsätzlich über eine neue Position im Kader nachdenken:
Defensives Vertragsmanagement.
Stärken:
- erkennt teure Klauseln frühzeitig,
- verhindert unnötige Verlängerungen,
- läuft nicht ins offene Prozessmesser,
- und kann bei Vergleichen auch mal rechtzeitig den Ball flach halten.
Marktwert?
Vielleicht vier Millionen Euro.
Aber bitte mit leistungsbezogenen Bonuszahlungen.
Am Ende bleibt die große Frage:
Wenn die kolportierten vier Millionen Euro tatsächlich stimmen – wie viele Spieler hätte Hertha dafür verpflichten können?
Die Antwort werden wir vermutlich nie genau erfahren.
Aber eines ist sicher:
Fredi Bobic hätte davon einige kaufen können.
Fredi Bobic ist eines der größten Missverständnisse, die Hertha je produziert hat und das gleich zweimal, denn als Bobic zusammen mit Wichniarek von Dieter Höneß verpflichtet wurde, hat er auch nicht geliefert. Doppelt schlimm ist an der Causa Bobic, dass man auch noch eine Ablöse für ihn an Frankfurr gezahlt hat.