Der letzte Spieltag der Gruppenphase hat einmal mehr gezeigt, warum Fußball-Weltmeisterschaften ihre ganz eigene Magie besitzen. Hier liegen Weltklasse und Wunder oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Frankreich hat eindrucksvoll unterstrichen, warum die Équipe Tricolore zu den Topfavoriten auf den WM-Titel gehört. Das 4:1 gegen Norwegen war bereits nach 45 Minuten praktisch entschieden. Ousmane Dembélé spielte sich mit einem Hattrick in den Mittelpunkt, während die norwegische Defensive teilweise wirkte, als hätte sie sich erst wenige Minuten vor dem Anpfiff kennengelernt. Wer Frankreich derzeit schlagen will, braucht deutlich mehr als nur gute Einzelspieler – es braucht nahezu einen perfekten Tag.
Ganz anders die Geschichte des Senegal. Nach einer zähen ersten Halbzeit folgte gegen den Irak eine Demonstration afrikanischer Offensivkraft. Das 5:0 war nicht nur deutlich, sondern auch ein klares Signal an die Konkurrenz: Die „Löwen von Teranga“ leben noch. Besonders Pape Gueye dürfte sich mit seiner Gala-Vorstellung endgültig in den Fokus der internationalen Fußballwelt gespielt haben. Sollte Senegal als bester Gruppendritter weiterkommen, dürfte niemand freiwillig gegen diese Mannschaft antreten wollen.
Spanien dagegen liefert weiterhin Ergebnisse, aber nur selten Spektakel. Das 1:0 gegen Uruguay genügte zum Gruppensieg, überzeugte aber nur phasenweise. Die Mannschaft kontrolliert Spiele, ohne sie wirklich zu dominieren. Gegen stärkere Gegner könnte dieser Minimalismus schnell zum Risiko werden. Weltmeister wird am Ende meist nicht das Team, das nur verwaltet, sondern dasjenige, das im richtigen Moment den entscheidenden Gang hochschalten kann.
Der eigentliche Gewinner dieses Abends heißt jedoch Kap Verde.
Der WM-Debütant schreibt das schönste Fußballmärchen des Turniers. Nach drei Spielen ungeschlagen, mit Remis gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien, steht die kleine Inselnation sensationell im Sechzehntelfinale. Dort wartet nun vermutlich niemand Geringeres als Argentinien – und damit Lionel Messi.
Genau für solche Geschichten lieben Millionen Menschen den Fußball. Während die großen Nationen mit Milliardenbudgets, Superstars und Erwartungsdruck antreten, zeigt Kap Verde, dass Leidenschaft, Disziplin und eine geschlossene Mannschaft manchmal mehr wert sind als jeder klingende Name.
Jetzt bekommt das Märchen seine größte Bühne: Kap Verde gegen Argentinien. David gegen Goliath. Oder vielleicht doch eher: Die Blauen Haie gegen den Weltmeister.
Und genau deshalb bleibt diese Weltmeisterschaft so faszinierend. Denn manchmal schreibt eben nicht der Favorit Geschichte – sondern der Außenseiter.
Kommentar hinterlassen