Die Gruppenphase der Weltmeisterschaft ist abgeschlossen – und sie hat zwei völlig unterschiedliche Geschichten geschrieben. Auf der einen Seite stehen die Niederlande, die mit einem souveränen 3:1 gegen Tunesien ihre Ambitionen untermauern. Auf der anderen Seite Deutschland, das sich trotz des bereits sicheren Gruppensiegs mit einer unnötigen 1:2-Niederlage gegen Ecuador selbst einen Dämpfer verpasst.
Die Elftal hat genau das getan, was man von einer Spitzenmannschaft erwartet. Früh stellte das Team von Ronald Koeman mit einem Eigentor von Ellyes Skhiri und einem Treffer von Brian Brobbey die Weichen auf Sieg. Als Tunesien nach der Pause verkürzte und gleichzeitig Japan im Parallelspiel gegen Schweden führte, wurde es für wenige Minuten spannend. Doch große Mannschaften geraten in solchen Momenten nicht in Panik. Jan Paul van Hecke sorgte mit dem 3:1 für die Entscheidung und beseitigte alle Zweifel. Der verdiente Gruppensieg ist der Lohn einer konstanten Gruppenphase – und möglicherweise Gold wert. Denn dadurch umgeht Oranje den großen Turnierfavoriten Brasilien und bekommt es nun mit Marokko zu tun, während Japan als Gruppenzweiter auf die Selecao trifft.
Ganz anders präsentiert sich die deutsche Nationalmannschaft.
Sportlich hatte die Niederlage gegen Ecuador zwar keine Konsequenzen. Der Gruppensieg und das Ticket für das Sechzehntelfinale waren bereits vor Anpfiff gesichert. Doch wer glaubt, man könne diese Pleite deshalb einfach abhaken, macht es sich zu leicht.
Deutschland offenbarte Schwächen, die in der K.-o.-Phase schnell zum Turnierende führen können. Nach dem frühen Führungstor von Leroy Sané verlor die Mannschaft völlig den Faden. Das Spiel war geprägt von Fehlpässen, mangelnder Präzision und ungewohnten Unsicherheiten in der Defensive. Ecuador spielte mutig, aggressiv und nutzte die Fehler der Deutschen konsequent aus.
Besonders alarmierend ist die fehlende Stabilität. Manuel Neuer musste erneut den ersten Schuss auf sein Tor passieren lassen. Beim entscheidenden 1:2 sah der erfahrene Torhüter unglücklich aus, als er nach einer Ecke ins Leere griff. Solche Szenen sind für eine Mannschaft mit Titelambitionen ungewöhnlich.
Auch offensiv blieb vieles hinter den Erwartungen zurück. Jamal Musiala und Florian Wirtz fanden kaum ins Spiel, die Wechsel von Julian Nagelsmann brachten keine entscheidende Wende. Der Bundestrainer wollte seine Stammformation einspielen – stattdessen sammelte seine Mannschaft vor allem Zweifel.
Dabei könnte diese Niederlage genau zum richtigen Zeitpunkt kommen. In der Gruppenphase lassen sich Fehler noch korrigieren. In der K.-o.-Runde endet jeder schwache Auftritt mit dem Rückflug nach Hause.
Während die Niederlande derzeit den Eindruck einer gefestigten Turniermannschaft vermitteln, muss Deutschland schnell Antworten finden. Die Qualität im Kader ist zweifellos vorhanden. Doch Qualität allein gewinnt keine Weltmeisterschaft. Es braucht Konzentration, Konsequenz und die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen die Kontrolle zu behalten.
Jetzt beginnt das eigentliche Turnier.
Für Oranje mit Rückenwind und einer günstigen Ausgangsposition. Für Deutschland mit einem Warnschuss, der hoffentlich nicht erst im Nachhinein als Vorbote eines frühen Ausscheidens in Erinnerung bleibt.
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