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WIFO-Chef Felbermayr: Golfstaaten zahlen die Zeche – und Trumps Vabanquespiel bleibt brandgefährlich

geralt (CC0), Pixabay
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Während die Börsen die Waffenruhe zwischen den USA und Iran feiern und sich manche bereits an einer neuen Phase der Entspannung berauschen, kommt vom Chef des WIFO, Gabriel Felbermayr, eine deutlich unerquicklichere Einordnung: Die eigentlichen Verlierer der Einigung sind ausgerechnet die Golfstaaten.

Seine Diagnose ist ebenso knapp wie treffend:
„Ihr Geschäftsmodell ist beschädigt.“

Denn wenn für die Passage durch die Straße von Hormus künftig Gebühren oder faktische Genehmigungskosten anfallen, dann trifft das vor allem jene Länder, deren Wohlstand darauf basiert, große Mengen Öl und Gas durch genau diese Meerenge in die Welt zu exportieren. Für Felbermayr wirken solche Gebühren wie eine Exportsteuer – und damit wie ein direkter Schlag gegen das zentrale Einnahmemodell der Golfmonarchien.

Besonders bemerkenswert: Die Kosten würden zwar die Produzenten und Exporteure in der Region treffen, aber laut Felbermayr nicht automatisch voll auf den Weltmarktpreis durchschlagen. Der Grund: Der globale Ölpreis wird eben nicht nur durch die besonders günstige Förderung am Golf bestimmt, sondern auch durch deutlich teurere Fördermethoden etwa in den USA oder in Norwegen. Anders gesagt: Die Golfstaaten verlieren Marge und Wettbewerbsfähigkeit – ohne sicher sein zu können, dass sie die Zusatzkosten bequem an den Rest der Welt weiterreichen können.

Doch damit nicht genug. Felbermayr warnt davor, die aktuelle Waffenruhe als stabile Lösung zu missverstehen. Die Erleichterung sei zwar groß, die Unsicherheit aber unverändert hoch. Sein Szenario klingt unerquicklich vertraut:
„Jojo-Effekte wie in der Corona-Zeit“.

Hormus auf, Hormus zu, dann wieder auf – mit entsprechend chaotischen Folgen für Energiepreise, Lieferketten und Planungssicherheit. Genau diese ständigen Richtungswechsel könnten dazu führen, dass Preise trotz kurzfristiger Rückgänge hoch bleiben und sich das globale Lieferchaos verstetigt. Wer jetzt schon wieder von Normalität spricht, ignoriert laut dieser Analyse die strukturelle Instabilität des gesamten Arrangements.

Felbermayr spricht in diesem Zusammenhang von einem „Lehrbuchfall der Geoökonomik“. Seine zentrale Beobachtung: Die Kontrolle über einen strategischen Netzwerkknoten wie die Straße von Hormus ist unter Umständen wirtschaftlich wertvoller als die Kontrolle über den Luftraum eines ganzen Landes. Ein bemerkenswerter Satz – und eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, was dieser Konflikt offengelegt hat.

Auch Donald Trump bekommt sein Fett weg. Felbermayr erkennt im Verhalten des US-Präsidenten ein Muster, das man aus dem Zollstreit bereits kennt: „TACO“ – „Trump Always Chickens Out“. Gemeint ist das bekannte Prinzip, dass Trump maximal droht, eskaliert und dann doch wieder zurückrudert. Das mag in sozialen Netzwerken unterhaltsam klingen – ökonomisch ist es laut Felbermayr alles andere als lustig.

Denn dieses permanente Vabanquespiel verursacht laut dem WIFO-Chef erhebliche und dauerhafte Schäden. Und genau darin liegt das eigentliche Problem: Nicht nur der Krieg selbst destabilisiert Märkte und Lieferketten – sondern auch die erratische Art, mit der Washington unter Trump Krisen erst hochfährt und dann halbherzig wieder einfängt.

Fazit:
Felbermayr bringt auf den Punkt, was viele in der Euphorie übersehen: Die Waffenruhe entschärft kurzfristig, löst aber strukturell kaum etwas. Die Golfstaaten verlieren an ökonomischer Sicherheit, Hormus bleibt ein strategischer Flaschenhals, und Trumps bekanntes Muster aus Drohung, Eskalation und Rückzieher produziert weiter Unsicherheit als Geschäftsmodell. Die Börsen mögen jubeln – geoökonomisch bleibt das Ganze ein riskantes Dauerexperiment.

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