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Telegram als digitaler Tatort: Zehntausende Nacktbilder von Frauen illegal gehandelt – Plattform erneut überfordert

motionstock (CC0), Pixabay
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Was bei Telegram seit Jahren als „schwierige Moderationsfrage“ verkauft wird, wirkt in Wahrheit immer öfter wie ein systematisches Versagen mit Ansage. Nach Recherchen der Aktivistengruppe AI Forensics wurden auf der Plattform zehntausende Nacktbilder von Frauen ohne deren Zustimmung getauscht, verkauft und gezielt verbreitet – darunter offenbar auch Aufnahmen von Minderjährigen.

Die Zahlen sind unerquicklich deutlich:
In nur sechs Wochen stießen die Ermittlerinnen und Ermittler in spanischen und italienischen Telegram-Gruppen auf fast 25.000 aktive Nutzer, die intime Aufnahmen weiterleiteten oder gegen Geld handelten. Allein in 16 untersuchten Kanälen wurden in diesem Zeitraum mehr als 80.000 Dateien – Fotos, Videos und Audios – mit überwiegend pornografischem Inhalt verbreitet.

Und es geht nicht nur um „irgendwelche dubiosen Bilder“. Laut AI Forensics handelte es sich teils um echte intime Aufnahmen, teils um mit künstlicher Intelligenz erzeugte Deepfakes. Also um das komplette toxische Arsenal moderner digitaler Erniedrigung: reale Grenzverletzung, künstlich erzeugte sexuelle Gewaltfantasien und massenhafte Verbreitung – alles bequem organisiert in Chatgruppen mit Tausenden Nutzern.

Besonders brisant: Einige der Gruppen beschränkten sich offenbar nicht auf das passive Teilen. Laut den Autorinnen und Autoren der Untersuchung wurden koordinierte Belästigungskampagnen gegen Frauen organisiert, teilweise inklusive illegaler Veröffentlichung persönlicher Daten. Anders gesagt: Es ging nicht nur um widerliche Inhalte, sondern um gezielte digitale Jagd auf Betroffene.

Noch schlimmer wird es bei den Details:
Einige Nutzer sollen zu Vergewaltigungen aufgerufen haben, andere hätten sexualisierte Aufnahmen von Kindern diskutiert. Damit ist endgültig klar: Hier geht es nicht mehr um eine Grauzone der Plattformregeln, sondern um einen Bereich, in dem strafrechtlich hochrelevante Inhalte offenbar mit erstaunlicher Beharrlichkeit zirkulieren.

Telegram reagiert wie gewohnt mit dem bekannten Repertoire aus Verbot auf dem Papier und Hilflosigkeit in der Praxis. Zwar erklärte ein Sprecher gegenüber AFP, die Verbreitung „nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen einschließlich pornografischer Deepfakes“ sei laut Nutzungsbedingungen „strikt untersagt“. Das Problem: Laut AI Forensics wurden einige Gruppen zwar geschlossen – tauchten aber wenige Stunden später unter gleichem Namen erneut auf.

Das ist der entscheidende Punkt. Wenn problematische Kanäle nach kurzer Zeit einfach wieder online gehen, ist das kein Beweis für funktionierende Moderation, sondern eher für ein unerquicklich ineffektives Whac-a-Mole-System, das Täter kaum abschreckt und Betroffene faktisch im Stich lässt.

Telegram behauptet zudem, das Vorgehen gegen Deepfakes sei „für alle Plattformen kompliziert“. Das mag technisch stimmen – als Entschuldigung für ein Umfeld, in dem massenhaft intime Inhalte, Belästigung, Doxing und mutmaßlich strafbare Inhalte kursieren, wirkt es allerdings zunehmend unerquicklich dünn.

Fazit:
Die neue Untersuchung zeigt einmal mehr, dass Telegram nicht nur Kommunikationsplattform, sondern in Teilen längst digitaler Umschlagplatz für sexualisierte Gewalt, Deepfake-Missbrauch und organisierte Belästigung ist. Wenn Gruppen trotz Sperrung binnen Stunden zurückkehren, reichen schöne Nutzungsbedingungen offenkundig nicht aus. Das Problem ist nicht mangelnde Kenntnis – sondern mangelnde wirksame Durchsetzung.

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