Bosch galt lange als Musterbeispiel deutscher Industrie-Stabilität: breit aufgestellt, technologisch führend, global präsent. Doch ausgerechnet diese Stärke wird dem Traditionskonzern nun zum Problem. 2025 schlug die schwächelnde Weltwirtschaft gleichzeitig auf mehrere Sparten durch – vom Autogeschäft bis zu Konsumgütern. Am Ende stand ein Nachsteuerverlust von 363 Millionen Euro. Ein Einschnitt, wie ihn Bosch zuletzt im Krisenjahr 2009 erlebt hatte.
Dabei war die Entwicklung absehbar: Schon 2024 hatte sich der Gewinn auf rund 1,3 Milliarden Euro nahezu halbiert. 2025 kam dann die nächste Stufe der Belastung – und die hat viel mit dem zu tun, was Bosch selbst „mangelnde Wettbewerbsfähigkeit“ nennt. Übersetzt heißt das: In wichtigen Bereichen kann der Konzern preislich und strukturell nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten, insbesondere dort, wo Anbieter aus China aggressiv in den Markt drücken.
Hinzu kamen externe Bremsklötze: Wechselkurseffekte, höhere Kosten, zusätzliche Zölle und Steuereffekte. Trotzdem stieg der Umsatz leicht auf 91,0 Milliarden Euro. Doch Umsatz hilft wenig, wenn die Marge erodiert – und wenn ein Sanierungsprogramm zunächst ein Loch in die Bilanz reißt, bevor es später entlastet. Allein die Kosten für den Stellenabbau belasteten das Ergebnis laut Geschäftsbericht mit 2,7 Milliarden Euro, vor allem durch Rückstellungen.
Bosch reagiert mit harter Kostendisziplin: weniger Sach- und Materialkosten, intensiverer KI-Einsatz zur Produktivitätssteigerung, strengere Investitionsprüfungen – und vor allem ein deutlich schlankerer Apparat. Im Zuliefergeschäft sollen in den kommenden Jahren rund 22.000 Stellen wegfallen. Ende 2025 beschäftigte die Gruppe weltweit 412.774 Menschen, rund 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Besonders stark traf es Deutschland: Mit 122.968 Beschäftigten lag der Rückgang bei über 6.600 und damit bei gut fünf Prozent.
Gleichzeitig steckt Bosch in einer teuren Übergangsphase. Der Konzern investiert seit Jahren Milliarden in E-Mobilität, Software fürs automatisierte Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen und Chips. Doch viele Zukunftsfelder zahlen sich bislang nicht aus, weil die Marktdurchdringung langsamer verläuft als erwartet – und einzelne Projekte durch wegbrechende Kunden zusätzlich ausgebremst werden. Die Innovation ist da, aber der Durchsatz fehlt.
Als wäre das nicht genug, schwächelt auch das Geschäft jenseits des Autos. Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge und Gartengeräte verkaufen sich in einem Umfeld gedrückter Kauflaune schlechter – und wenn gekauft wird, dann oft günstiger, häufig bei Fernost-Anbietern. Werksschließungen, Verlagerungen und weitere Abbaupläne etwa bei der Hausgerätetochter BSH sind die Folge. Bosch muss damit an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen: gegen Konjunktur, Kosten, Konkurrenz – und gegen die eigene Trägheit.
Kommentar hinterlassen