Donald Trump hat wieder einmal Geschichte geschrieben. Oder zumindest einen Beitrag auf Truth Social.
Mitten in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verkündete der US-Präsident voller Zuversicht:
„Der Iran hat zugestimmt, niemals eine Atomwaffe zu besitzen!“
Die Welt hielt kurz inne. Nur in Teheran schien man die Nachricht noch nicht gelesen zu haben.
Trump verkündet – der Iran schweigt
Normalerweise läuft Diplomatie so ab, dass beide Seiten eine Einigung bestätigen. Trump bevorzugt offenbar die moderne Variante: Erst posten, später nachfragen.
Während der US-Präsident den Durchbruch feierte, herrschte auf iranischer Seite auffällige Zurückhaltung. Man könnte auch sagen: Funkstille.
Das erinnert ein wenig an einen Heiratsantrag, bei dem der Bräutigam bereits die Hochzeit ankündigt, während die Braut noch überlegt, ob sie überhaupt eingeladen wurde.
Die Sache mit dem Uran
Im Zentrum steht weiterhin das iranische Atomprogramm.
Der Iran betont seit Jahren, dass alles ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Strom, Forschung, Wissenschaft – die üblichen Verdächtigen.
Der Westen wiederum fragt sich seit Jahren, warum man für friedliche Zwecke Uran bis auf 60 Prozent anreichern muss.
Das ist ungefähr so, als würde jemand behaupten, er kaufe einen Formel-1-Wagen ausschließlich für den Weg zum Bäcker.
Die Inspektoren kehren zurück
US-Vizepräsident JD Vance erklärte derweil, dass Atominspektoren wieder Zugang zum Iran erhalten sollen.
Die Internationale Atomenergiebehörde werde gemeinsam mit den USA dabei helfen, hoch angereichertes Material zu vernichten.
Kritiker fragen sich nun, ob die Inspektoren tatsächlich alles zu sehen bekommen oder ob sie wie Touristen durch ausgewählte Vorzeigeräume geführt werden.
„Hier sehen Sie unsere friedliche Urananlage.“
„Und was ist hinter dieser Tür?“
„Lagerraum.“
„Warum ist sie verschlossen?“
„Friedlicher Lagerraum.“
Der Geheimdienst ist skeptisch
Während Trump bereits den Erfolg feiert, scheint die Begeisterung in den eigenen Reihen überschaubar.
Laut Medienberichten sollen CIA-Direktor John Ratcliffe, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth Zweifel daran haben, ob der Iran tatsächlich bereit ist, weitreichende Zugeständnisse zu machen.
Anders gesagt:
Trump glaubt, der Deal sei fast fertig.
Seine Geheimdienste glauben, der Iran glaubt das möglicherweise noch nicht.
Die Sache mit den Milliarden
Besonders unterhaltsam wurde es beim Thema Geld.
Trump wetterte auf Truth Social gegen Berichte, wonach der Iran Zugang zu einem Wiederaufbaufonds im Umfang von 300 Milliarden Dollar erhalten könnte.
„Fake News!“, schrieb der Präsident.
Unglücklich nur, dass sein eigener Vizepräsident kurz zuvor erklärt hatte, genau so etwas könne unter bestimmten Bedingungen durchaus passieren.
Politische Beobachter sprechen hier von einem klassischen Fall von:
„Der linke Flügel des Weißen Hauses weiß nicht, was der rechte Flügel gesagt hat.“
Ein alter Vertrauensgrundsatz
Bleibt die entscheidende Frage:
Kann man dem Iran vertrauen?
Oder kann man Trump vertrauen?
Oder sollte man vielleicht einfach abwarten, bis beide Seiten dasselbe erzählen?
Denn wie lautet ein altes Sprichwort?
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
Wer allerdings täglich postet, dem glaubt man offenbar manchmal trotzdem.
Zumindest bis zum nächsten Truth-Social-Beitrag.
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