Der G7-Gipfel im französischen Kurort Evian hat begonnen – und wie so oft ging es bei den Gesprächen weniger um das, was man weiß, als um das, was möglicherweise irgendwann vielleicht bekannt werden könnte.
Im Mittelpunkt stand das neue Iran-Abkommen, das laut US-Präsident Donald Trump bereits ein historischer Erfolg ist. Was genau darin steht, weiß zwar noch niemand so richtig, aber das sollte die Feierlichkeiten nicht bremsen.
Trump: Vertrag unterschrieben. Iran: Welcher Vertrag?
Bereits bei seiner Ankunft verkündete Trump selbstbewusst, dass die Straße von Hormus am Freitag „vollständig geöffnet“ werde und selbstverständlich keine Maut verlangt werde.
Das iranische Außenministerium erklärte fast zeitgleich, dass man durchaus Gebühren für maritime Dienstleistungen einheben wolle.
Diplomaten bezeichneten dies als „unterschiedliche Interpretationen“. Normalsterbliche würden es vermutlich eher als „zwei völlig gegensätzliche Aussagen“ beschreiben.
Besonders bemerkenswert: Laut Washington wurde das Abkommen bereits digital unterzeichnet – von Trump, Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Chefunterhändler Mohammed-Bagher Ghalibaf.
Teheran bestätigte dies bislang nicht.
Damit dürfte es sich um das erste internationale Abkommen handeln, bei dem eine Vertragspartei erst aus den Medien erfährt, dass sie bereits unterschrieben hat.
Das berühmte Schrödinger-Abkommen
Das Iran-Abkommen befindet sich derzeit in einem Zustand, den Quantenphysiker lieben würden.
Es ist gleichzeitig unterschrieben und nicht unterschrieben.
Veröffentlicht und nicht veröffentlicht.
Historisch und ungeklärt.
Und offenbar erfolgreich, obwohl noch niemand genau weiß, wie erfolgreich eigentlich.
Macron bietet Kriegsschiffe an, Trump bedankt sich höflich
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte beim Gipfel zeigen, dass Europa weiterhin sicherheitspolitisch mitreden möchte.
Er bot an, Kampfjets, Fregatten und sogar den Flugzeugträger Charles de Gaulle zur Sicherung der Straße von Hormus bereitzustellen.
Trump reagierte freundlich.
Sinngemäß: „Danke, aber wir haben ja schon ein Abkommen.“
Danach fügte er hinzu, dass ein oder zwei Schiffe vielleicht doch keine schlechte Idee wären.
Kurz gesagt: Die USA brauchen keine Hilfe. Außer vielleicht ein bisschen.
Die große Harmonie zwischen Macron und Trump
Auch das persönliche Verhältnis zwischen Trump und Macron sorgte für Aufmerksamkeit.
Früher lieferten sich beide Präsidenten legendäre Händedruck-Duelle, bei denen Beobachter zeitweise befürchteten, einer der beiden könnte sich die Schulter ausrenken.
Diesmal fiel der Handschlag kurz, höflich und ungefähr so herzlich aus wie ein Gespräch zwischen zwei Nachbarn, die sich wegen einer falsch geparkten Mülltonne verklagt haben.
Macron erschien zudem nicht persönlich vor dem Hotel, um Trump zu begrüßen.
Offiziell lag das daran, dass sich sein Gespräch mit Brasiliens Präsident Lula verlängert hatte.
Inoffiziell dürften viele Journalisten nun tagelang analysieren, ob Lula tatsächlich so viel Gesprächsstoff hatte oder ob französischer Wein und amerikanische Strafzölle plötzlich interessanter geworden waren.
Der Ukraine-Krieg wartet geduldig
Neben dem Iran sollte eigentlich auch der Krieg in der Ukraine ein zentrales Thema sein.
Trump berichtete stolz, er habe mit Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin telefoniert.
„Vielleicht können wir was machen“, erklärte der US-Präsident.
Welche Art von „was“ gemeint ist, blieb offen.
Diplomatische Präzision gehört schließlich nicht zu den klassischen Trump-Stärken.
Sicherheit auf höchstem Niveau
Während die Staats- und Regierungschefs diskutieren, sorgen rund 20.000 Sicherheitskräfte aus Frankreich und der Schweiz dafür, dass niemand den Gipfel stört.
Das ist ungefähr die Einwohnerzahl einer mittleren Kleinstadt – oder die Zahl der Experten, die derzeit versuchen herauszufinden, was genau im Iran-Abkommen eigentlich vereinbart wurde.
Fazit
Der G7-Gipfel hat gerade erst begonnen und liefert bereits alles, was internationale Politik im Jahr 2026 ausmacht:
Ein Friedensabkommen, das möglicherweise existiert.
Eine Unterzeichnung, die eventuell stattgefunden hat.
Eine Maut, die es vielleicht gibt.
Und Staatschefs, die sich gegenseitig versichern, dass alles unter Kontrolle ist.
Was erfahrungsgemäß bedeutet, dass die spannendsten Überraschungen wahrscheinlich noch bevorstehen
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