Elon Musk hat wieder einmal einen Gegner gefunden. Nachdem er bereits mit Regierungen, Gewerkschaften, Werbekunden, Richtern, Journalisten, Tesla-Aktionären, der US-Börsenaufsicht und gelegentlich auch mit seiner eigenen Plattform X im Clinch lag, ist nun das ZDF an der Reihe.
Der Tech-Milliardär kündigte auf X an, rechtliche Schritte gegen den öffentlich-rechtlichen Sender einzuleiten. Grund dafür ist eine Formulierung in der Sendung „ZDF heute live“, die selbst für deutsche Talkshow-Verhältnisse etwas ambitioniert geraten war.
Von Marsraketen zu Mainz
Auslöser des Streits sind die Ausschreitungen in Nordirland. Das ZDF fasste die Lage in seiner Anmoderation mit bemerkenswerter Effizienz zusammen und erwähnte dabei neben einem britischen Rechtsextremisten auch Elon Musk als jemanden, der zu einer „Jagd auf Migranten“ aufgerufen habe.
Ein Problem gab es allerdings: Die Sendung lieferte anschließend keine Belege dafür.
Gezeigt wurde stattdessen ein Tweet Musks, in dem er mehr oder weniger das digitale Äquivalent von „Jetzt reicht’s aber!“ veröffentlichte und einen Beitrag des umstrittenen Aktivisten Tommy Robinson teilte.
Für das ZDF offenbar ausreichend, für Musks Anwälte eher nicht.
ZDF: War vielleicht etwas missverständlich
Nachdem Kritik aufkam, erklärte das ZDF, die Formulierung sei „unpräzise“ und dadurch „missverständlich“ gewesen.
Das ist im Medienbereich ungefähr die diplomatische Version von: „Vielleicht hätten wir das anders sagen sollen.“
Man wollte die komplexe Lage lediglich „pointiert zusammenfassen“. Das gelang auch. Nur möglicherweise etwas zu pointiert.
Musk schaltet in den Kampfmodus
Musk reagierte wie Musk eben reagiert.
Auf X schrieb er kurz und knapp:
„Rechtsmaßnahmen werden gegen ZDF wegen ihrer skandalösen Lügen ergriffen.“
Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sich demnächst deutsche Rundfunkjuristen und amerikanische Milliardärsanwälte intensiv mit denselben Sätzen beschäftigen werden – eine Begegnung, die vermutlich niemand auf seiner Bingo-Karte für 2026 hatte.
Das Duell des Jahres
Die Ausgangslage ist reizvoll:
Auf der einen Seite ein Sender, der von Millionen Deutschen finanziert wird, egal ob sie wollen oder nicht.
Auf der anderen Seite ein Mann, der Raketen startet, Elektroautos baut, künstliche Intelligenz entwickelt und nebenbei täglich mehrere diplomatische Krisen auf X auslöst.
Kurz gesagt: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk gegen den reichsten Troll der Welt.
Wer gewinnt?
Das bleibt abzuwarten.
Sicher ist bislang nur eines:
Irgendwo in Mainz sitzen Medienanwälte über Akten.
Irgendwo in Texas tippt Elon Musk einen weiteren Tweet.
Und Millionen Zuschauer fragen sich, wie genau ein Streit über Ausschreitungen in Nordirland am Ende zu einem Rechtsduell zwischen dem ZDF und einem Mann führen konnte, der eigentlich zum Mars fliegen wollte.
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