Die gute Nachricht zuerst:
Es gibt Anzeichen für neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
Die schlechte Nachricht:
Diese Anzeichen bestehen vor allem daraus, dass Donald Trump einem Reporter am Telefon geraten hat, besser noch zwei Tage in Islamabad zu bleiben, weil „etwas passieren könnte“.
Und wenn ein US-Präsident in geopolitisch heikler Lage mit der Präzision eines Horoskops operiert, wissen wir:
Die Diplomatie läuft auf Hochtouren.
Von „gescheitert“ zu „vielleicht irgendwann Freitag bis Sonntag“
Nachdem die erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran ohne Ergebnis endete – also in klassischer Nahost-Manier mit maximalem Aufwand und minimalem Resultat –, mehren sich nun die Hinweise auf eine zweite Runde.
Wann genau?
Nun ja: irgendwann zwischen Freitag und Sonntag vielleicht.
Reuters berichtet, die Delegationen hielten sich den Zeitraum offen.
Das klingt weniger nach strategischer Planung als nach:
„Wir schauen mal, ob alle Zeit haben und niemand zwischenzeitlich wieder einen Luftangriff startet.“
Pakistan vermittelt, der UNO-Generalsekretär gibt sich vorsichtig optimistisch, und ein iranischer Insider sagt, man sei offen für Gespräche. In der internationalen Diplomatie ist das bereits fast so gut wie ein Friedensnobelpreis.
Trump sieht Bewegung – also vielleicht, eventuell, in zwei Tagen
Donald Trump erklärte laut New York Post, in den nächsten zwei Tagen könne „etwas passieren“.
Was genau?
Niemand weiß es.
Vielleicht Verhandlungen.
Vielleicht ein Rückflug.
Vielleicht ein Truth-Social-Post in Großbuchstaben.
Besonders beruhigend: Trump begründete seinen Optimismus mit dem Einsatz des pakistanischen Armeechefs Asim Munir, der „einen großartigen Job“ mache.
Wenn man weiß, dass geopolitische Einschätzungen aus dem Trump-Kosmos ungefähr die Verlässlichkeit eines nassen Wetterzettels haben, ist das entweder ein Hoffnungsschimmer – oder ein Warnsignal.
Die üblichen Kleinigkeiten: Atomprogramm, Sanktionen, Straße von Hormus
Inhaltlich geht es nur um ein paar überschaubare Detailfragen:
- das iranische Atomprogramm
- internationale Sanktionen
- und die Straße von Hormus, also jene kleine, unbedeutende Wasserstraße, durch die ein beträchtlicher Teil der globalen Energieversorgung läuft
Der Iran hat diese Passage faktisch blockiert, die USA wollen sie offen halten, und beide Seiten behaupten selbstverständlich, der jeweils andere sei maximal unvernünftig.
Trump sagt, der Iran wolle eine Einigung – aber natürlich keine, bei der Teheran Atomwaffen behalten dürfe.
JD Vance spricht von „großen Fortschritten“, was in Washington traditionell bedeutet:
„Wir haben uns immerhin darauf geeinigt, dass wir uns weiterhin uneinig sind.“
Der iranische Präsident wiederum macht die USA verantwortlich – wegen Maximalforderungen und mangelndem guten Willen.
Auch das ist diplomatisch bewährt:
Wenn ein Treffen scheitert, ist immer der andere maximalistisch, irrational und vermutlich schlecht erzogen.
Und während alle auf Teheran schauen, reden plötzlich Israel und Libanon direkt miteinander
Fast nebenbei gab es in Washington dann noch ein kleines geopolitisches Kuriosum:
Israel und der Libanon haben direkte Gespräche geführt.
Zum ersten Mal seit 1993.
Ja, richtig.
Während viele Menschen ihre alten Nokia-Handys nicht mehr finden, hat es die Region geschafft, seit den frühen 90ern praktisch ohne direkten Austausch auszukommen – und das bei offiziell fortbestehendem Kriegszustand seit 1948.
Das US-Außenministerium sprach natürlich sofort von einem „historischen Meilenstein“.
Washington nennt gern alles „historisch“, was länger als 20 Minuten dauert und nicht in gegenseitigen Schuldzuweisungen endet.
Konstruktive Gespräche – also die niedrigstmögliche Messlatte wurde gerissen
Auf Bildern des Treffens posierte Außenminister Marco Rubio mit israelischen und libanesischen Vertretern.
Die USA meldeten anschließend „konstruktive Gespräche“.
Das ist diplomatischer Code für:
- Niemand hat den Raum verlassen
- Niemand hat mit dem Finger auf Karten geschlagen
- Es gab vermutlich Wasser
- Und am Ende ein Gruppenfoto
Die libanesische Seite sprach von Waffenstillstand, Rückkehr der Vertriebenen und humanitärer Hilfe.
Israel betonte einmal mehr das Recht auf Selbstverteidigung gegen die Hisbollah.
Die Hisbollah wiederum fand die Gespräche erwartungsgemäß nicht ganz so charmant und forderte deren Absage.
Mit anderen Worten:
Alles ist historisch, solange noch niemand offiziell abgesagt hat.
Die Region bleibt, wie sie ist: brennend kompliziert
Israel will ein Friedensabkommen mit dem Libanon.
Der Libanon will Ruhe, Stabilität und möglichst kein Land, das weiter als Austragungsort regionaler Stellvertreterkonflikte dient.
Israel will die Entwaffnung der Hisbollah.
Die Hisbollah lehnt das ab, vermutlich aus Gründen der Markenidentität.
Gleichzeitig drängen 17 Außenminister auf die Nutzung dieser Chance, verurteilen die Angriffe der Hisbollah und ebenso die massiven israelischen Luftangriffe auf den Libanon.
Auch das gehört inzwischen zum Standardpaket internationaler Diplomatie:
alle Seiten kritisieren, alle Seiten ermahnen, alle Seiten hoffen – und dann schaut man, wer zuerst wieder schießt.
Fazit: Hoffnung, Hotelverlängerung, Halbsätze
Was bleibt also?
- Die USA und der Iran könnten bald wieder reden.
- Vielleicht in Islamabad.
- Vielleicht zwischen Freitag und Sonntag.
- Vielleicht mit Fortschritten.
- Vielleicht aber auch nur mit neuen Pressemitteilungen über „offene Kanäle“.
Parallel reden Israel und Libanon wieder direkt miteinander – was tatsächlich bemerkenswert ist, selbst wenn Washington daraus sofort einen historischen Trailer schneidet.
Die Lage im Nahen Osten bleibt also stabil im gewohnten Sinn:
höchst instabil, aber mit gelegentlichen Pressefotos.
Oder kurz gesagt:
Die Welt klammert sich wieder an das bewährte außenpolitische Konzept: Ein paar Gespräche, viele „positive Signale“ und die Hoffnung, dass bis Sonntag niemand etwas in die Luft jagt.
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