Startseite Allgemeines Vom Trump-Fan zum Epstein-Akten-Archivar: Warum MAGA an der eigenen Verschwörung zerbröselt
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Vom Trump-Fan zum Epstein-Akten-Archivar: Warum MAGA an der eigenen Verschwörung zerbröselt

reidy68 (CC0), Pixabay
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Cayden McBride ist 19, kommt aus Rome im US-Bundesstaat Georgia, geht zur Schule, fährt nach Hause, klappt den Laptop auf – und verbringt dann stundenlang sein Leben damit, sich durch die Epstein-Akten des US-Justizministeriums zu wühlen. Fluglisten, Transkripte, Bilder, Videos. Während andere in seinem Alter Serien schauen oder ausgehen, spielt Cayden gewissermaßen Praktikant im digitalen Schattenarchiv der amerikanischen Eliten.

Und genau darin steckt eine kleine Tragödie des Trump-Lagers:
Ein junger, überzeugter MAGA-Anhänger, der glaubte, Trump würde „den Sumpf trockenlegen“, sitzt nun nachts vor Regierungsdokumenten und sucht verzweifelt nach Beweisen dafür, dass der Sumpf vielleicht doch nur einen neuen Hausmeister bekommen hat.

McBride beschreibt sich selbst als ehemaligen „Trump guy“ und „anti-establishment“. Früher habe er den Präsidenten reflexartig verteidigt, weil er glaubte, die MAGA-Bewegung stehe für Aufklärung, Rechenschaft und das große Offenlegen der Korruption. Dann kamen die Epstein-Akten – beziehungsweise das, was davon veröffentlicht wurde. Und plötzlich stellte sich heraus: Viel Show, viel Pathos, viel „jetzt kommt alles raus“ … und dann doch wieder erstaunlich viel Nebelmaschine.

Für McBride ist die Sache klar: Die Akten sind weiterhin wichtig, auch wenn die Schlagzeilen inzwischen lieber über Iran, Krieg oder Wahlkampf sprechen. Als Christ, sagt er, könne er nicht akzeptieren, was den Frauen angetan wurde. Und in den Dokumenten stecke „so viel schlimmes Zeug“. Man könnte sagen: Während das politische Washington längst weitergezogen ist, sitzt ein Teil der Trump-Basis noch immer im moralischen Ermittlungsmodus – und merkt langsam, dass ausgerechnet ihre eigene Bewegung den Stecker gezogen hat.

Besonders frustriert sind viele im MAGA-Lager über den Umgang des Justizministeriums mit dem Fall – und über die frühere Justizministerin Pam Bondi. Sie hatte groß angekündigt, es werde geliefert, es werde aufgeklärt, es werde endlich abgerechnet. Dann wurde geliefert: ein symbolischer Ordner, viel Medienrummel – und anschließend die Mitteilung, dass es diese ominöse „Kundenliste“ so gar nicht gebe. Für viele Trump-Anhänger war das ungefähr der Moment, in dem aus „Deep State wird entlarvt“ plötzlich „Sorry, leider ausverkauft“ wurde.

Bondi ist inzwischen weg, ersetzt vorläufig durch ihren Stellvertreter Todd Blanche. Offiziell natürlich völlig unabhängig von der Epstein-Blamage, versteht sich. In Washington passieren solche Dinge schließlich immer rein zufällig – besonders dann, wenn sie politisch maximal peinlich sind. McBride jedenfalls feierte den Wechsel. Seine Hoffnung: Vielleicht nimmt jetzt jemand das Thema ernst. Vielleicht gibt es doch noch Festnahmen. Vielleicht sogar „high-status arrests“. Aber selbst er ahnt schon, wie das Drehbuch weitergeht: erst ein bisschen Empörung, dann ein paar große Worte – und danach wird die Geschichte von Iran, ICE-Razzien und den Midterms unter den Teppich gekehrt.

Genau das ist das Problem für Trump. Denn die Epstein-Verschwörung war jahrelang fester Bestandteil des MAGA-Mythos. Die Erzählung lautete: Da gibt es ein dunkles Netzwerk aus Reichen, Mächtigen, Eliten, vielleicht Politikern, vielleicht Hollywood, vielleicht Geheimdiensten – und Trump sei der Mann, der das alles aufdeckt. Viele seiner engsten Verbündeten haben diese Legende selbst befeuert. JD Vance, Marjorie Taylor Greene, Kash Patel – sie alle spielten mit der Idee, dass da etwas vertuscht werde. Vance fragte schon 2021 öffentlich, welches Interesse die US-Regierung daran habe, Epsteins Kunden geheim zu halten.

Trump selbst versprach im Wahlkampf 2024, er würde bei der Freigabe der Akten „weit gehen“. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus klang das plötzlich weniger entschlossen. Das sorgte sogar im eigenen Lager für Streit. Später knickte er unter Druck wieder ein und unterzeichnete ein Gesetz, das die Veröffentlichung tausender Dokumente erzwang. Das Justizministerium behauptet inzwischen, alles Relevante sei veröffentlicht – abgesehen von rechtlich geschützten Ausnahmen.

Aber genau da beginnt das nächste Problem:
Die Leute, die jahrelang an die große Vertuschung geglaubt haben, glauben jetzt natürlich auch nicht, dass plötzlich alles auf dem Tisch liegt.

Das ist der klassische Bumerang der Verschwörungspolitik:
Wenn man seiner Basis jahrelang erzählt, überall seien dunkle Mächte am Werk, dann glaubt sie irgendwann auch dir nicht mehr – besonders dann nicht, wenn du plötzlich selbst die Akten verwaltest.

Und so wird der Epstein-Fall zu einem seltenen, echten Schwachpunkt für Trump. Nicht weil ihm juristisch etwas nachgewiesen wäre – Trump bestreitet jede Verwicklung konsequent –, sondern weil der Fall symbolisch den Markenkern von MAGA trifft: „Wir decken alles auf.“ Wenn daraus aber nur halb geöffnete Ordner, PR-Fotos im Oval Office und das berühmte „Reden wir immer noch über Epstein?“ wird, dann stirbt nicht nur ein Narrativ – dann stirbt Vertrauen.

Eine Umfrage von Economist/YouGov aus dem Februar zeigt genau das: 16 Prozent der Trump-Wähler glauben, Trump decke Epsteins Verbrechen mit zu. Unter selbsternannten MAGA-Anhängern glauben immerhin 11 Prozent, dass Trump Teil eines Cover-ups ist. Das ist für einen Politiker, der sonst selbst Skandale mit Teflon-Beschichtung überlebt, bemerkenswert.

Die konservative Kommentatorin Mona Charen bringt es auf den Punkt: Trump sei normalerweise politisch fast unverwundbar. Aber beim Epstein-Thema sei etwas zerbrochen. Der Glaube, dass Trumpismus ein großer Befreiungsschlag gegen versteckte Eliten sei, habe hier einen massiven Schaden erlitten.

Und das zeigt sich nicht nur in Umfragen, sondern auch auf Veranstaltungen wie der CPAC, dem Hochamt der amerikanischen Rechten. Dort sagten Teilnehmer offen, sie fühlten sich verraten. Einer formulierte es so: Als Trump sinngemäß fragte, ob man „immer noch über die Epstein-Akten“ rede, sei das der Moment gewesen, in dem MAGA starb. Das war der Augenblick, in dem die rote Kappe symbolisch vom Kopf fiel.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen:
Eine Bewegung, die sich als Aufstand gegen Eliten inszenierte, droht ausgerechnet an der Frage zu zerbrechen, ob sie bereit ist, wirklich gegen Eliten vorzugehen – selbst wenn es unbequem wird.

Und mittendrin sitzt ein 19-Jähriger in Georgia, klickt sich durch PDFs und hofft noch immer, dass irgendwo zwischen Fluglisten und Transkripten doch noch die große Wahrheit auftaucht. Vielleicht ist Cayden McBride damit die tragischste Figur dieser Geschichte: nicht weil er zu viel glaubt, sondern weil er gerade lernt, wie politische Heilsversprechen enden.

Kurz gesagt:
Trump hat seiner Basis jahrelang versprochen, die dunklen Geheimnisse der Macht offenzulegen.
Jetzt merkt ein Teil dieser Basis: Vielleicht war das ganze „Drain the swamp“ am Ende nur ein Slogan – und der Sumpf bekam bloß ein neues Branding.

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