Im Fall Andrew Mountbatten-Windsor entwickelt sich die Lage langsam zu einer internationalen Meisterklasse in Sachen institutionellem Vertrauensverlust. Mehrere mutmaßliche Epstein-Opfer sollen laut ihren Anwälten durchaus bereit sein zu reden – nur eben nicht mit der britischen Polizei. Das Vertrauen sei ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl aus Pappe im Regen.
Der amerikanische Anwalt Brad Edwards erklärte trocken, seine Mandantinnen hätten schlicht nicht den Eindruck, dass britische Behörden besonders engagiert seien, wenn es um mächtige Persönlichkeiten geht. Überraschend ist das natürlich nicht. Schließlich hatte man schon zu Jeffrey Epsteins Lebzeiten eher den Eindruck, manche Institutionen würden Ermittlungen behandeln wie unangenehme Spam-Mails: kurz anschauen und dann lieber wegklicken.
Besonders abschreckend wirkte offenbar die britische Boulevardpresse. Denn wer als mutmaßliches Opfer öffentlich wird, bekommt in Großbritannien offenbar gratis ein Komplettpaket aus Paparazzi, familiärer Durchleuchtung und medialem Spießrutenlauf dazu. Datenschutz britischer Prägung bedeutet dort manchmal offenbar:
„Ihre Privatsphäre ist uns wichtig – deshalb veröffentlichen wir sie morgen großflächig auf Seite eins.“
Einige Frauen hätten laut Edwards ursprünglich sogar mit britischen Ermittlern kooperieren wollen. Doch nachdem Journalisten begannen, Familienangehörige und das Umfeld zu durchleuchten, dachten sich andere Betroffene offenbar:
„Vielleicht doch lieber Therapie statt Schlagzeilen.“
Die Polizei betont derweil selbstverständlich, man werde alle Betroffenen „mit Mitgefühl, Respekt und Fürsorge“ behandeln. Das klingt hervorragend. Allerdings erinnern sich Kritiker daran, dass Virginia Giuffre bereits 2015 Aussagen gemacht hatte – und trotzdem keine Ermittlungen folgten. Offenbar galt damals noch die berühmte britische Ermittlungstaktik:
„Abwarten und Tee trinken.“
Mountbatten-Windsor selbst weist weiterhin alle Vorwürfe entschieden zurück. Öffentlich wird er von der Polizei übrigens nur als „ein Mann in seinen 60ern aus Norfolk“ bezeichnet. Eine Beschreibung, die theoretisch auch auf einen pensionierten Golfclub-Kassierer passen könnte.
Besonders bemerkenswert ist inzwischen die internationale Arbeitsteilung:
Die amerikanischen Anwälte reden,
die Opfer schweigen aus Angst,
die Presse recherchiert aggressiv,
und britische Behörden erklären regelmäßig, ihre Tür stehe weiterhin offen.
Nur scheint kaum noch jemand Lust zu haben, hindurchzugehen.
Der eigentliche Skandal ist dabei vielleicht längst nicht mehr nur die Frage einzelner Vorwürfe – sondern wie wenig Vertrauen Betroffene offenbar darin haben, dass mächtige Personen überhaupt konsequent untersucht werden.
Oder anders gesagt:
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