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Verdächtige Wetten vor Trumps Ankündigungen: Neue Insiderhandelsvorwürfe gegen das Weiße Haus

geralt (CC0), Pixabay
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Immer wieder geschieht es kurz vor Donald Trumps großen Auftritten: Wenige Minuten oder Stunden bevor der US-Präsident eine außenpolitische Bombe platzen lässt, schnellen Handelsvolumina an den Finanzmärkten plötzlich in die Höhe. Es sind Wetten, die sich im Nachhinein oft als hochprofitabel erweisen – und nun neue Fragen aufwerfen.

Eine Analyse der BBC legt nahe, dass sich während Trumps zweiter Amtszeit ein auffälliges Muster gebildet hat: Vor mehreren marktbewegenden Äußerungen des Präsidenten kam es zu ungewöhnlichen Handelsaktivitäten bei Öl, Aktien und auf Prognoseplattformen. Manche Analysten sprechen offen von möglichen Anzeichen für Insiderhandel.

Der Verdacht ist heikel. Denn Insiderhandel bedeutet, vereinfacht gesagt: Jemand nutzt nicht-öffentliche Informationen, um an den Märkten gezielt Gewinne zu erzielen. Im Fall eines Präsidenten, dessen Aussagen Kriege, Waffenruhen, Zölle und Rohstoffpreise beeinflussen, hätte das eine politische Dimension von enormer Brisanz.

Die BBC hat mehrere Fälle untersucht, in denen auffällige Wetten kurz vor zentralen Trump-Ankündigungen platziert wurden. Ein Beweis für illegale Absprachen ist das nicht. Aber die Häufung wirkt bemerkenswert.

Ein besonders drastischer Fall datiert auf den 9. März 2026. Neun Tage nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran sagte Trump in einem Interview mit CBS, der Konflikt sei „im Grunde sehr weitgehend abgeschlossen“. Öffentlich bekannt wurde diese Aussage erst um 19.16 Uhr GMT, als ein Reporter sie auf X veröffentlichte.

Die Märkte reagierten sofort: Der Ölpreis brach ein, weil Händler plötzlich mit einem schnelleren Kriegsende rechneten.

Doch bereits 47 Minuten vorher, um 18.29 Uhr GMT, waren auffällig viele Wetten auf fallende Ölpreise platziert worden. Laut den Daten der BBC hatten die betreffenden Trader damit potenziell Millionen verdient.

Ein ähnliches Muster zeigte sich am 23. März 2026. Nur zwei Tage nachdem Trump Iran noch mit der Zerstörung von Kraftwerken gedroht hatte, schrieb er überraschend auf Truth Social von „SEHR GUTEN UND PRODUKTIVEN GESPRÄCHEN“ mit Teheran und einer möglichen „VOLLSTÄNDIGEN UND TOTALEN LÖSUNG“ der Kampfhandlungen.

Die Folge: Aktien stiegen, Öl fiel.

Auch hier waren die Märkte offenbar vorbereitet. Schon 14 Minuten vor dem Post wurden ungewöhnlich viele Wetten auf sinkende Ölpreise registriert – sowohl beim US-Öl als auch bei Brent. Ein Analyst sprach gegenüber der BBC von „klar abnormalen“ Handelsmustern.

Der Verdacht beschränkt sich nicht auf den Nahostkrieg.

Auch Trumps Wirtschaftspolitik liefert Stoff für Spekulationen. Ein Beispiel: der sogenannte „Liberation Day“ im April 2025. Damals verkündete Trump massive Zölle gegen Waren aus nahezu allen Ländern. Die Börsen stürzten ab.

Eine Woche später dann die überraschende Wende: Trump setzte die Zölle für 90 Tage aus – mit Ausnahme Chinas. Die Märkte schossen nach oben, der S&P 500 legte an einem Tag um 9,5 Prozent zu, einer der stärksten Sprünge seit dem Zweiten Weltkrieg.

Auch hier waren kurz vor der offiziellen Verkündung auffällig große Wetten auf steigende Kurse platziert worden. Laut BBC sprang das Handelsvolumen bei einem Fonds auf den S&P 500 plötzlich auf über 10.000 Kontrakte pro Minute. Zuvor lag es nur im Hunderterbereich. Einzelne Marktteilnehmer setzten mehr als zwei Millionen Dollar auf steigende Kurse – und hätten damit fast 20 Millionen Dollar Gewinn erzielen können.

Damals forderten mehrere demokratische Senatoren die US-Börsenaufsicht SEC auf, zu prüfen, ob Trumps Ankündigungen „Insider und Freunde der Regierung auf Kosten der amerikanischen Öffentlichkeit bereichert“ hätten.

Die SEC wollte sich gegenüber der BBC nicht äußern. Auch das Weiße Haus reagierte nicht auf konkrete Fragen zu den auffälligen Handelsmustern.

Zusätzlichen Zündstoff liefern sogenannte Prediction Markets – digitale Wettplattformen wie Polymarket oder Kalshi, auf denen Nutzer auf politische Ereignisse setzen können. Dort verschwimmen Spekulation, Marktlogik und politische Nähe besonders schnell.

Brisant ist: Donald Trump Jr. ist Investor bei Polymarket, sitzt dort im Beirat und berät zugleich Kalshi strategisch.

Auf Polymarket tauchten in den vergangenen Monaten mehrere Fälle auf, die Beobachter stutzig machen.

So wurde im Dezember 2025 ein Account mit dem Namen „Burdensome-Mix“ erstellt. Zwischen dem 30. Dezember und dem 2. Januar setzte dieser Nutzer rund 32.500 Dollar darauf, dass Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro bis Ende Januar 2026 nicht mehr im Amt sein würde.

Am 3. Januar wurde Maduro dann von US-Spezialkräften festgesetzt und gestürzt. Der Account kassierte 436.000 Dollar Gewinn. Kurz danach änderte er seinen Namen – und blieb inaktiv.

Noch auffälliger: Laut Blockchain-Analysten von Bubblemaps wurden im Februar 2026 sechs neue Polymarket-Konten angelegt, die allesamt auf einen US-Angriff auf Iran bis zum 28. Februar setzten.

Als Trump in den frühen Morgenstunden dieses Tages die Angriffe bestätigte, erzielten die sechs Konten zusammen 1,2 Millionen Dollar Gewinn.

Fünf der sechs Konten tätigten danach keine weiteren Wetten. Eines davon allerdings lag später erneut richtig – mit einer Wette auf eine US-iranische Waffenruhe bis zum 7. April. Auch diese trat ein. Der Gewinn: weitere 163.000 Dollar.

Polymarket erklärte gegenüber der BBC, man setze „höchste Standards für Marktintegrität“ durch und arbeite proaktiv mit Regulierern und Strafverfolgern zusammen. Im März verschärften sowohl Polymarket als auch Kalshi ihre Regeln gegen Insiderhandel.

Auch die zuständige US-Aufsicht, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), wollte sich nicht zu konkreten Fällen äußern. Ihr Vorsitzender erklärte jüngst vor dem Kongress lediglich, man habe „null Toleranz“ gegenüber Betrug und Insiderhandel.

Interessant ist ein weiteres Detail: Das Weiße Haus verschickte im vergangenen Monat intern eine Warnmail an Mitarbeiter. Darin wurde ihnen ausdrücklich untersagt, Insiderwissen für Wetten auf Prognoseplattformen zu nutzen.

Ein Sprecher des Weißen Hauses wies damals jeden Verdacht zurück. Es sei „haltlos und unverantwortlich“, ohne Beweise zu insinuieren, Regierungsmitarbeiter seien an solchen Geschäften beteiligt.

Genau hier liegt das Kernproblem.

Juristisch ist Insiderhandel zwar seit Jahrzehnten verboten, auch für Regierungsmitarbeiter. Doch nach Einschätzung von Experten ist die Beweisführung extrem schwierig. Man muss nicht nur verdächtige Trades nachweisen – sondern auch die Quelle der Information.

Der Finanzrechtler Paul Oudin von der ESSEC Business School sagt deshalb: Selbst wenn massive Wetten kurz vor einer Trump-Ankündigung klar darauf hindeuteten, dass jemand vorab Bescheid wusste, sei die Wahrscheinlichkeit einer Strafverfolgung gering.

„Die Behörden werden nicht anklagen, wenn sie die Quelle der Information nicht identifizieren können“, sagt Oudin. Selbst bei offensichtlichen Auffälligkeiten bestehe eine „starke Chance“, dass am Ende niemand belangt werde.

Das macht den Fall politisch so explosiv.

Denn Donald Trump ist kein gewöhnlicher Marktakteur. Seine Posts, Interviews und Drohungen bewegen Ölpreise, Aktienmärkte, Rüstungswerte und Währungen in Echtzeit. Je impulsiver und erratischer seine Kommunikation wirkt, desto größer wird paradoxerweise der Wert jeder Vorabinformation.

Und genau das erzeugt einen toxischen Verdacht: Dass in der Nähe des Machtzentrums nicht nur Politik gemacht, sondern möglicherweise auch mit ihr gehandelt wird.

Noch gibt es keinen öffentlichen Beweis, dass Trumps Umfeld gezielt von Insiderwissen profitiert hat. Aber das Muster, das sich aus den Daten ergibt, ist für viele Beobachter zu auffällig, um es als bloße Intuition des Marktes abzutun.

Es ist die Art von Verdacht, die in Washington lange nachwirkt – selbst wenn nie jemand angeklagt wird.

Denn wenn politische Entscheidungen an den Märkten zur Goldgrube werden, lautet die eigentliche Frage nicht nur, wer profitiert.

Sondern ob das Vertrauen in die Integrität der Präsidentschaft selbst bereits beschädigt ist.

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