Willkommen in Venedig – bitte halten Sie 50 Euro bereit
Venedig hat ein Problem. Genauer gesagt: mehrere Millionen Probleme pro Jahr. Sie kommen mit Rollkoffern, Selfie-Sticks und dem festen Vorsatz, innerhalb von vier Stunden sämtliche Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt abzuarbeiten.
Die Lösung des neuen Bürgermeisters scheint nun denkbar einfach:
Wenn die Touristen nicht weniger werden, macht man sie einfach teurer.
Statt bislang fünf bis zehn Euro Eintritt könnten Tagesgäste künftig an besonders beliebten Tagen bis zu 50 Euro zahlen müssen.
Vom Weltkulturerbe zum Premium-Freizeitpark
Wer künftig morgens nach Venedig reist, könnte sich kurz fragen müssen:
„Besuche ich eine historische Stadt oder stehe ich vor dem Eingang eines Freizeitparks?“
Tatsächlich liegen die geplanten Eintrittspreise inzwischen auf einem Niveau, das selbst Freizeitparks respektvoll nicken lässt.
Einige Nutzer sozialer Medien vergleichen die Lagunenstadt bereits mit Disneyland oder dem italienischen Gardaland.
Der Unterschied:
In Disneyland fährt wenigstens eine Achterbahn.
In Venedig bekommt man dafür Tauben, Gondeln und einen Espresso für zwölf Euro.
Frühbucher sparen – wie bei Billigfliegern
Besonders modern ist das neue Preismodell.
Wer früh bucht, zahlt weniger.
Wer spontan kommt, zahlt mehr.
Das bedeutet, dass man bald nicht nur Hotel, Flug und Restaurant reservieren muss, sondern vermutlich auch den Blick auf die Rialtobrücke.
Man wartet eigentlich nur noch auf das nächste Angebot:
„Drei Tage Venedig inklusive Markusplatz Fast Pass und Gondel-Upgrade.“
Die Stadt als Museum mit Kassenhäuschen
Nicht jeder ist begeistert.
Venedigs ehemaliger Bürgermeister bezeichnete die Eintrittsgebühr bereits als „Barbarei“.
Kritiker befürchten, dass die Stadt zunehmend zu einem Freilichtmuseum wird, in dem Besucher erst an der Kasse beweisen müssen, dass sie sich Kultur leisten können.
Andere wiederum fragen sich, ob 50 Euro Eintritt nicht langsam die Grenze zwischen Tourismussteuer und Wegzoll überschreiten.
Die Touristen zeigen sich erstaunlich unbeeindruckt
Das eigentliche Problem für die Stadtverwaltung:
Die bisherigen Gebühren haben viele Besucher überhaupt nicht abgeschreckt.
Hunderttausende zahlten brav ihre Tickets und strömten trotzdem durch die engen Gassen.
Die Erkenntnis daraus lautet offenbar:
Wenn fünf Euro nicht helfen, versuchen wir es eben mit zehn.
Wenn zehn nicht helfen, nehmen wir fünfzig.
Und wenn das auch nicht reicht, kostet ein Tagesbesuch irgendwann so viel wie eine Monatskarte im Nahverkehr.
Die Tauben fordern vermutlich bald auch Eintritt
Sollte das Modell Erfolg haben, könnten weitere Einnahmequellen folgen.
Denkbar wären etwa:
- 5 Euro Zuschlag für jedes Selfie auf einer Brücke
- 10 Euro für das Füttern von Tauben
- 15 Euro für das Wort „romantisch“ in einer Gondel
- 20 Euro für Influencer, die „Hidden Gem“ sagen
- 50 Euro Strafe für Menschen, die glauben, Venedig sei innerhalb von zwei Stunden komplett besichtigt
Die Einwohner haben allerdings einen Punkt
Bei aller Satire bleibt ein ernstes Problem bestehen.
Venedig leidet seit Jahren massiv unter dem Massentourismus.
An manchen Tagen bewegen sich mehr Besucher durch die Stadt als Einwohner.
Für die Menschen vor Ort bedeutet das überfüllte Straßen, steigende Lebenshaltungskosten, überlastete Infrastruktur und eine Altstadt, die zunehmend zur Kulisse wird.
Die Stadt versucht deshalb verzweifelt, einen Weg zwischen Tourismus und Lebensqualität zu finden.
Fazit
Venedig will weniger Touristen.
Die Touristen wollen trotzdem nach Venedig.
Und der Bürgermeister hofft offenbar, dass 50 Euro Eintritt stärker wirken als fünf Euro.
Ob daraus tatsächlich weniger Besucher werden oder nur teurere Selfies entstehen, wird sich zeigen.
Fest steht nur:
Wenn der Preis weiter steigt, könnte der Tag kommen, an dem die günstigste Sehenswürdigkeit in Venedig die Rechnung beim Verlassen der Stadt ist.
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