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USA:Rente mit 62 – bequem, aber teuer: Warum frühes Zugreifen auf Social Security zum Verlustgeschäft werden kann

jhenning (CC0), Pixabay
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Mit 62 Jahren ist es in den USA erstmals möglich, Leistungen aus der staatlichen Rentenversicherung (Social Security) zu beziehen. Kein Wunder also, dass viele Amerikaner genau diesen Zeitpunkt wählen. Endlich Geld – ohne weiter arbeiten zu müssen. Klingt verlockend. Ist es aber auch klug?

Die nüchterne Antwort: in vielen Fällen eher nicht.

Früher Bezug kostet bares Geld

Wer sich früh für den Bezug entscheidet, bekommt zwar länger monatliche Zahlungen – allerdings deutlich reduzierte. Und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Wer wartet, wird belohnt.

Bis zum Alter von 70 Jahren steigt die monatliche Auszahlung kontinuierlich an. Insgesamt kann der Unterschied erheblich sein. Studien zeigen, dass Frühentscheider im Schnitt über 180.000 Dollar an möglichen Einnahmen verschenken.

Oder anders formuliert: Geduld zahlt sich aus – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Lebenserwartung wird systematisch unterschätzt

Ein häufiger Denkfehler: Viele Menschen gehen davon aus, dass sie ohnehin nicht besonders alt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei rund 78 Jahren – doch das ist trügerisch.

Wer bereits 62 ist, hat statistisch gute Chancen, deutlich älter zu werden – oft über 80 hinaus. Und genau hier liegt der sogenannte „Break-even“-Punkt: Wer länger lebt, profitiert klar von späteren, höheren Zahlungen.

Trotzdem unterschätzen viele ihre eigene Lebenserwartung – und treffen Entscheidungen, die sie langfristig Geld kosten.

Angst vor dem System treibt Frühentscheidungen

Ein weiterer Treiber: Misstrauen. Viele Amerikaner befürchten, dass Social Security in Zukunft gekürzt oder gar nicht mehr vollständig ausgezahlt wird.

Tatsächlich drohen ab den frühen 2030er-Jahren Finanzierungslücken. Doch Experten halten drastische Einschnitte für heutige Rentner für politisch kaum durchsetzbar. Kürzungen würden – wenn überhaupt – eher jüngere Generationen betreffen.

Mit anderen Worten: Aus Angst zu früh zuzugreifen, könnte sich als teurer Fehler erweisen.

„Lieber jetzt investieren“ – eine riskante Wette

Ein beliebtes Argument lautet: Früher beziehen und das Geld selbst investieren. Theoretisch kann das funktionieren – praktisch ist es mit Risiken verbunden.

Denn um den Vorteil der späteren, höheren Rentenzahlungen auszugleichen, müssten stabile Renditen erzielt werden. Und genau daran scheitert es oft. Finanzmärkte sind volatil – Social Security dagegen ist eine der wenigen sicheren Einkommensquellen im Ruhestand.

Wann früher Bezug sinnvoll sein kann

Natürlich gibt es Ausnahmen. Wer gesundheitlich stark eingeschränkt ist oder schlicht keine andere Einkommensquelle hat, für den kann der frühe Bezug sinnvoll sein.

Auch wer sonst Schulden machen müsste, sollte pragmatisch handeln. Aber: Für viele wäre es zumindest prüfenswert, andere Optionen zu nutzen – etwa Ersparnisse oder eine längere Erwerbstätigkeit.

Fazit

Die Entscheidung, wann Social Security bezogen wird, gehört zu den wichtigsten finanziellen Weichenstellungen im Leben. Und sie wird erstaunlich oft vorschnell getroffen.

Der frühe Einstieg mit 62 mag bequem erscheinen – ist aber in vielen Fällen ein langfristig teurer Kompromiss. Wer es sich leisten kann zu warten, sollte zumindest genau rechnen.

Denn bei der Rente gilt eine einfache Regel: Was heute schnell verfügbar ist, fehlt morgen umso mehr.

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