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USA und Iran wieder am Ausgangspunkt? Ein Jahr Krieg, Zerstörung und offene Fragen

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Nach Monaten der Eskalation haben die USA und der Iran erneut den Versuch gestartet, über ein Atomabkommen zu verhandeln. Doch die Situation erinnert auffallend an jene vor dem Krieg: Wieder gibt es eine 60-Tage-Frist, wieder drohen militärische Konsequenzen bei einem Scheitern der Gespräche, und wieder stehen Israel und die USA vor der Frage, ob Diplomatie oder Gewalt den weiteren Kurs bestimmen sollen.

Der CNN-Analyst Nick Paton Walsh sieht darin eine bemerkenswerte Entwicklung. Zwar sei die Region nicht exakt dort angekommen, wo sie vor einem Jahr stand, doch die Ereignisse hätten einen Kreis beschrieben, der die Lage insgesamt verschlechtert habe.

Vom Ultimatum zum Krieg

Bereits im März 2025 hatte US-Präsident Donald Trump dem damaligen iranischen Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei einen Brief geschickt und darin eine Frist von zwei Monaten für ein neues Atomabkommen gesetzt. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit militärischer Schritte in Aussicht gestellt.

Im April 2025 versuchte Trumps Sondergesandter Steve Witkoff in Oman noch, eine diplomatische Lösung zu erreichen. Diese Bemühungen scheiterten jedoch, als Israel im Juni mit der Militäroperation „Rising Lion“ Angriffe auf iranische Ziele begann.

Es folgte ein zwölf Tage dauernder Krieg, in dessen Verlauf Israel nach eigenen Angaben große Teile des iranischen Sicherheitsapparates zerstörte und erhebliche Schäden an den Raketenkapazitäten des Landes verursachte. Wenig später griffen auch die USA iranische Atomanlagen an und erklärten, das Nuklearprogramm weitgehend vernichtet zu haben.

Tausende Tote, begrenzte Ergebnisse

Die Bilanz des Konflikts ist verheerend. Beobachtern zufolge wurden allein im Iran mehr als 3.000 Menschen getötet, etwa die Hälfte davon Zivilisten. Im Libanon kamen laut Gesundheitsministerium mehr als 3.600 Menschen ums Leben.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Rückkehr zu denselben Verhandlungen, die bereits vor dem Krieg auf dem Tisch lagen, vielen Beobachtern als ernüchternd.

Ist die Gefahr einer Atombombe gesunken?

Eine zentrale Frage lautet, ob der Krieg das iranische Atomprogramm dauerhaft zurückgeworfen hat.

Walsh argumentiert, dass Iran heute zwar möglicherweise stärker denn je den Wunsch nach einer nuklearen Abschreckung verspüre. Gleichzeitig seien die praktischen Möglichkeiten dafür deutlich eingeschränkter als vor dem Krieg. Anlagen seien beschädigt, Wissenschaftler getötet und wichtige Infrastruktur zerstört worden.

Ein rascher Bau einer Atombombe wäre daher erheblich schwieriger geworden, auch wenn Experten einen solchen Schritt nicht vollständig ausschließen.

Neue Führung, härtere Positionen

Komplizierter ist die Frage, welche politischen Folgen die gezielten Tötungen iranischer Spitzenfunktionäre hatten.

Nach dem Tod von Ali Chamenei und weiterer führender Vertreter des Regimes steht nun dessen Sohn Mojtaba Chamenei an der Spitze des Systems. Ob die neue Führung kompromissbereiter sein wird, erscheint fraglich.

Walsh verweist auf Erfahrungen der USA in Afghanistan. Dort hätten gezielte Angriffe auf Taliban-Führer oft dazu geführt, dass jüngere und radikalere Nachfolger an die Macht gelangten, was spätere Verhandlungen erschwerte.

Auch im Iran könnten die Machtverschiebungen dazu geführt haben, dass Hardliner heute größeren Einfluss besitzen als vor dem Krieg.

Vier Probleme für Washington

Aus Sicht des Autors hat der Konflikt nicht nur den Iran geschwächt, sondern auch den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt.

Erstens habe sich gezeigt, dass die militärische Abschreckung der USA Grenzen besitzt. Trotz tausender Angriffe bleibt Iran weiterhin in der Lage, durch Drohnen, Raketen oder Störungen wichtiger Schifffahrtsrouten wirtschaftlichen Druck auszuüben.

Zweitens sei das Verhältnis zwischen Washington und Israel belastet worden. Während Trump zunächst die israelische Strategie unterstützte, berichten US-Medien inzwischen von erheblichen Spannungen zwischen ihm und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Drittens habe Iran trotz seiner militärischen Verluste gezeigt, dass es weiterhin Einfluss auf regionale Konflikte ausüben kann. Besonders die Unterstützung der Hisbollah im Libanon wird als Beleg dafür gewertet, dass Teheran seine Rolle als regionaler Akteur nicht verloren hat.

Viertens habe der Krieg auch Trumps politisches Image beschädigt. Der Präsident war mit dem Versprechen angetreten, Konflikte zu beenden statt neue zu beginnen. Die militärische Eskalation habe ihm Kritik aus Teilen seiner eigenen politischen Basis eingebracht und zugleich wirtschaftliche Belastungen durch steigende Energiepreise verursacht.

Steht die nächste Eskalation bevor?

Mit der neuen 60-Tage-Frist beginnt nun eine weitere Phase der Verhandlungen. Die entscheidende Frage lautet, ob die Konfliktparteien diesmal einen Ausweg aus der Eskalationsspirale finden.

Kritiker warnen, dass sich das Muster der vergangenen Monate wiederholen könnte: Diplomatische Gespräche, ein Ultimatum, ein Scheitern der Verhandlungen und schließlich neue militärische Auseinandersetzungen.

Nach einem Jahr voller Krieg, Sanktionen und tausender Todesopfer steht die Region damit erneut vor derselben Frage wie zuvor: Kann Diplomatie dauerhaft verhindern, dass der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran erneut in Gewalt umschlägt?

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