Startseite Allgemeines US-Schauspieler spricht vor Grand Jury von beruflichem Aus
Allgemeines

US-Schauspieler spricht vor Grand Jury von beruflichem Aus

HtcHnm (CC0), Pixabay
Teilen

Gegen den Schauspieler und Regisseur Timothy Busfield läuft ein Strafverfahren wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe auf zwei minderjährige Darsteller. Vor einer Grand Jury wies er die Anschuldigungen zurück und erklärte, seine Karriere sei bereits zerstört. Eine Verurteilung liegt bislang nicht vor.

Der US-amerikanische Schauspieler und Regisseur Timothy Busfield hat vor einer Grand Jury ausführlich zu den gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfen ausgesagt. Der 69-Jährige erklärte, er könne wegen der öffentlichen Anschuldigungen keine Arbeit mehr finden und fürchte auch um die berufliche Zukunft seiner Ehefrau.

Busfield wurde im Februar in New Mexico in vier Fällen wegen mutmaßlichen sexuellen Kontakts mit einem Kind angeklagt. Die ihm vorgeworfenen Handlungen sollen sich zwischen Ende 2022 und Anfang 2024 ereignet haben, als er als Regisseur und Produzent an der Fernsehserie „The Cleaning Lady“ arbeitete. Die Anklage bedeutet keine Feststellung seiner Schuld.

Nach Angaben aus seiner Aussage verlor Busfield seit Bekanntwerden der Vorwürfe mehrere berufliche Engagements. Seine Agentur habe die Zusammenarbeit beendet, geplante Produktionen seien gestrichen worden und aus einem Film sei er nachträglich digital entfernt worden. Er gehe deshalb davon aus, dauerhaft keine Beschäftigung mehr in der Film- und Fernsehbranche zu erhalten.

Die Aussagen stammen aus dem Protokoll einer mehr als zweistündigen Befragung vor der Grand Jury. Der Schauspieler zeigte sich dabei nach Darstellung des Berichts nervös und verwies wiederholt auf die weitreichenden persönlichen und beruflichen Folgen des Verfahrens.

Vier Anklagepunkte nach Dreharbeiten

Die Vorwürfe betreffen zwei Brüder, die als Kinderdarsteller an der Serie beteiligt waren. Einer der Jungen soll gegenüber Ermittlern angegeben haben, Busfield habe ihn mehrfach über der Kleidung im Genitalbereich berührt.

Die Namen der Minderjährigen und ihrer Eltern werden zum Schutz der Kinder nicht veröffentlicht.

Die Ermittlungen begannen im November 2024, nachdem ein Mitarbeiter eines Krankenhauses die Behörden über den Verdacht einer möglichen sexuellen Ausbeutung informiert hatte. Die Mutter hatte die Kinder zuvor zur Untersuchung gebracht. Bei der medizinischen Untersuchung wurden dem Bericht zufolge keine körperlichen Hinweise auf einen Missbrauch festgestellt.

Bei ersten polizeilichen Befragungen erklärten die Jungen, sie seien nicht sexuell missbraucht worden. Monate später berichteten sie jedoch im Rahmen therapeutischer Gespräche von mutmaßlichen Übergriffen. Diese späteren Aussagen führten zu einer erneuten Untersuchung und schließlich zur Festnahme des Schauspielers.

Ermittler weisen darauf hin, dass verzögerte Aussagen bei Kindern nicht ungewöhnlich seien. Insbesondere jüngere Jungen könnten sich schämen oder Zeit benötigen, bevor sie über mögliche sexuelle Erfahrungen sprechen.

Schauspieler bestreitet sexuelle Berührungen

Busfield wies die Anschuldigungen vor der Grand Jury zurück. Er erklärte, er habe sich niemals sexuell unangemessen gegenüber einem Kind verhalten.

Er räumte ein, die Jungen im normalen Umgang am Filmset berührt, umarmt oder gekitzelt zu haben. Diese Kontakte seien jedoch weder sexuell noch unangemessen gewesen. Nach seiner Darstellung waren die Kinder am Set grundsätzlich von Erwachsenen umgeben und wurden beaufsichtigt.

Die Zeugenaussagen zur Betreuungssituation sind allerdings nicht einheitlich. Ein Mitglied des Filmteams gab an, Busfield sei während der Arbeit nicht allein mit den Jungen gewesen. Eine Lehrkraft am Set sowie zwei Produktionsassistenten erklärten dagegen, die Kinder seien nicht zu jedem Zeitpunkt beaufsichtigt worden.

Ein Ermittler sagte zudem aus, Busfield habe zunächst erklärt, die Jungen überhaupt nicht berührt zu haben. Später habe er eingeräumt, sie gelegentlich gekitzelt zu haben. Busfield selbst stellte diese Berührungen als gewöhnlichen und harmlosen Umgang am Set dar.

Verteidigung spricht von Vergeltung

Der Schauspieler beschuldigt die Eltern, die Vorwürfe aus Rache erfunden zu haben. Hintergrund sei, dass die beiden Kinderdarsteller für eine weitere Staffel der Serie nicht mehr verpflichtet worden seien und dadurch Einnahmen verloren hätten.

Nach seiner Darstellung sollen die Eltern ihre Kinder beeinflusst und zu falschen Aussagen gebracht haben. Belege für diese Behauptung sind im laufenden Verfahren noch zu bewerten.

In der Berichterstattung werden auch frühere rechtliche und finanzielle Probleme der Eltern erwähnt. Der Vater verlor demnach seine Anwaltszulassung und wurde wegen einer Betrugsverschwörung zu einer Haftstrafe verurteilt. Gegen die Mutter sollen mehrere zivilrechtliche Forderungen bestehen.

Die Ermittler betonen jedoch, dass die Vergangenheit der Eltern nicht darüber entscheidet, ob die Aussagen der Kinder glaubwürdig sind. Frühere Straftaten oder finanzielle Schwierigkeiten eines Elternteils schließen nicht aus, dass ein Kind Opfer eines Übergriffs geworden sein könnte.

Anklage nach vierstündiger Anhörung

Die zwölf Mitglieder der Grand Jury hörten Anfang Februar insgesamt etwas mehr als vier Stunden lang die Aussagen Busfields und eines Polizeibeamten. Weitere Zeugen wurden von dem Gremium nicht befragt. Noch am selben Tag entschied die Jury, dass genügend Verdachtsmomente für eine Anklage vorliegen.

Eine Grand Jury entscheidet im US-Rechtssystem nicht über Schuld oder Unschuld. Sie prüft lediglich, ob die vorgelegten Informationen ausreichen, um ein Strafverfahren einzuleiten.

Busfields Anwalt bezeichnete die Anklage als nicht überraschend, hält seinen Mandanten aber weiterhin für unschuldig. Die Verteidigung argumentiert, die Staatsanwaltschaft habe den Fall gegenüber der Grand Jury nicht ausgewogen dargestellt und rechtliche Vorgaben falsch erläutert.

Am 18. Juni beantragte das Verteidigungsteam deshalb, die Anklage aufzuheben. Eine gerichtliche Anhörung zu diesem Antrag ist für den 25. August vorgesehen. Der Prozess selbst soll nach derzeitiger Planung im Mai 2027 beginnen.

Ehefrau hält weiter zu ihm

Busfields Ehefrau, die Schauspielerin Melissa Gilbert, unterstützt ihren Mann öffentlich. Sie begleitete ihn unter anderem zu einem Gerichtstermin.

Gilbert ist als frühere Kinderdarstellerin aus der Serie „Unsere kleine Farm“ bekannt und betreibt inzwischen eine Lifestyle-Marke. Busfield äußerte vor der Grand Jury die Sorge, dass die Vorwürfe auch ihr Unternehmen und ihre berufliche Tätigkeit beschädigen könnten.

Das Ehepaar gab im Juni seine Wohnung in New York auf und zog vollständig in ein Haus in den Catskill Mountains. Gilbert setzt ihre eigenen beruflichen Aktivitäten fort und unterstützt weiterhin eine Neuauflage der Serie, mit der sie bekannt wurde.

Karrierefolgen vor dem Prozess

Der Fall wirft erneut die Frage auf, wie mit schweren öffentlichen Anschuldigungen umzugehen ist, bevor ein Gericht über Schuld oder Unschuld entschieden hat.

Filmstudios, Agenturen und Produktionsfirmen reagieren bei Missbrauchsvorwürfen häufig frühzeitig. Sie müssen den Schutz von Mitarbeitern, wirtschaftliche Risiken und mögliche Reputationsschäden berücksichtigen. Für Beschuldigte können die beruflichen Folgen dadurch lange vor einem Urteil eintreten.

Busfield betrachtet sich bereits als gesellschaftlich und beruflich ausgeschlossen. Gleichzeitig stehen schwerwiegende Aussagen zweier Minderjähriger im Raum, die von Polizei, Therapeuten und Staatsanwaltschaft als glaubwürdig genug eingeschätzt wurden, um ein Strafverfahren einzuleiten.

Welche Darstellung zutrifft, muss das Gericht klären. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Das Verfahren dürfte sich noch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Im Mittelpunkt werden dabei nicht die bisherigen Karriereschäden oder die Vergangenheit der Eltern stehen, sondern die Frage, ob sich die konkreten Vorwürfe anhand von Zeugenaussagen und weiteren Beweismitteln zweifelsfrei nachweisen lassen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Britische Finanzaufsicht warnt vor mehreren nicht zugelassenen Anbietern

Die britische Finanzaufsicht FCA hat mehrere Warnungen vor nicht autorisierten Finanz- und...

Allgemeines

FIFA prüft 64er-WM – weil 128 Spiele offenbar noch überschaubar sind

FIFA-Präsident Gianni Infantino denkt über eine Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften nach. Nach...

Allgemeines

Fed-Chef Warsh will die Notenbank auf Diät setzen

Die US-Notenbank soll schlanker werden. Fed-Chef Kevin Warsh hat vor dem Bankenausschuss...

Allgemeines

SpaceX-Aktie landet kurz unter dem Ausgabepreis

Die Aktie von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX hat rund einen Monat nach...