Die strategische Ölreserve der USA ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten gefallen. Wie neue Regierungsdaten zeigen, sank der Bestand der sogenannten Strategic Petroleum Reserve (SPR) zuletzt auf nur noch 340,3 Millionen Barrel Rohöl. Damit befindet sich die Reserve auf dem niedrigsten Niveau seit 1983 – also seit der Amtszeit von Präsident Ronald Reagan.
Allein in der vergangenen Woche wurden weitere 8,9 Millionen Barrel freigegeben. Die Regierung von Präsident Donald Trump nutzt die Notreserven verstärkt, um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit dem Iran sowie steigende Energiepreise abzufedern.
Krieg belastet Ölreserven
Seit Beginn des Konflikts mit dem Iran Ende Februar sind die Bestände der strategischen Reserve um rund 75 Millionen Barrel beziehungsweise 18 Prozent geschrumpft. Die Freigaben sollen verhindern, dass die Ölpreise weiter steigen und Verbraucher sowie Unternehmen zusätzlich belasten.
Experten sehen darin bislang einen wichtigen Grund dafür, dass die befürchtete Explosion der Ölpreise ausgeblieben ist. Andy Lipow von Lipow Oil Associates erklärte, die Freigaben der USA und anderer Staaten hätten verhindert, dass der Ölpreis auf bis zu 150 Dollar pro Barrel klettert.
Trump macht nun, was er Biden vorwarf
Die Entwicklung sorgt allerdings auch für politische Diskussionen. Trump hatte seinen Vorgänger Joe Biden im Wahlkampf scharf kritisiert, weil dieser während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ebenfalls große Mengen Öl aus der strategischen Reserve freigab.
Nun leert die Trump-Regierung die Reserven sogar schneller als damals die Biden-Regierung. Beobachter weisen darauf hin, dass die Freigaben wenige Monate vor den Kongresswahlen erfolgen und damit auch eine politische Dimension haben.
Experten schlagen Alarm
Aktuell ist die strategische Reserve nur noch knapp zur Hälfte gefüllt. Branchenvertreter warnen, dass die Sicherheitsreserven nicht unbegrenzt schrumpfen können.
Mike Sommers, Chef des American Petroleum Reserve, erklärte gegenüber CNN, man erreiche inzwischen einen Bereich, der Anlass zur Sorge gebe. Die Reserve müsse mindestens zu 20 Prozent gefüllt sein, um ihre Funktion im Krisenfall zuverlässig erfüllen zu können.
Gefahr durch Hurrikansaison
Besonders kritisch sehen Fachleute den Zeitpunkt. Die Hurrikansaison im Golf von Mexiko beginnt gerade erst. Sollte ein schwerer Sturm Förderanlagen oder Raffinerien für längere Zeit lahmlegen, stünden deutlich geringere Reserven zur Verfügung als in früheren Jahren.
„Wenn ein großer Hurrikan die Produktion im Golf von Mexiko für mehrere Wochen unterbrechen würde, wäre dieser Puffer nicht mehr vorhanden“, warnte Lipow.
Nachfüllen wird teuer
Langfristig müssen die freigegebenen Mengen wieder ersetzt werden. Das dürfte jedoch Zeit und vor allem viel Geld kosten. Je höher die Ölpreise in Zukunft steigen, desto teurer wird das Wiederauffüllen der Reserven.
Für die Trump-Regierung bleibt die strategische Ölreserve damit ein Balanceakt: Kurzfristig hilft sie, die Energiepreise zu stabilisieren. Langfristig schrumpft jedoch die Sicherheitsreserve, die eigentlich für nationale Notlagen vorgesehen ist.
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