Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Berufung des texanischen Todeskandidaten Charles Flores zurückgewiesen. Der Fall hatte zuletzt auch wegen der Unterstützung der bekannten Zauberkünstler Penn & Teller Aufmerksamkeit erregt.
Flores wurde wegen des Mordes an einer Frau in einem Vorort von Dallas im Jahr 1998 zum Tode verurteilt. Die Anklage warf ihm vor, die Frau während eines versuchten Raubüberfalls erschossen zu haben. Seine Anwälte argumentierten nun, das Verfahren sei durch „Junk Science“ und behördliches Fehlverhalten belastet gewesen.
Streit um hypnotisierte Zeugin
Im Zentrum der Kritik steht eine wichtige Zeugin, die angab, Flores am Tatort gesehen zu haben. Die Polizei hatte bei ihr eine sogenannte Ermittlungshypnose angewandt, um Erinnerungen an den Tathergang zu rekonstruieren.
Nach Angaben der Verteidigung beschrieb die Nachbarin zunächst zwei langhaarige weiße Männer, die das Haus des Opfers betreten hätten. Flores hingegen ist Hispanic und trug damals kurze, rasierte Haare. Zudem erkannte die Zeugin ihn zunächst nicht bei einer Gegenüberstellung mit Fotos. Auch eine von ihr erstellte Phantombildzeichnung habe ihm nicht geähnelt.
Die Anwälte argumentierten, die Zeugin sei während der Hypnosesitzung gezielt beeinflusst worden. Dabei seien Fragen gestellt worden, die ihre Erinnerung in eine bestimmte Richtung lenkten. So wurde sie unter anderem gefragt, ob die Haare des Verdächtigen „kurz, rasiert und ordentlich geschnitten“ gewesen seien – obwohl sie zuvor von langen, ungepflegten Haaren gesprochen hatte.
Am Ende der Sitzung habe ein Ermittler ihr zudem erklärt, sie werde sich mit der Zeit an weitere Details erinnern können.
Spätere Identifizierung
Als der Prozess rund 13 Monate später begann, sagte die Zeugin aus, sie sei sich „zu 100 Prozent sicher“, Flores am Tatort gesehen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war sein Foto bereits in Medienberichten veröffentlicht worden.
Die Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass Flores in den vergangenen Jahren mehrfach Gelegenheit hatte, seine Verurteilung anzufechten. Kurz vor einem geplanten Hinrichtungstermin im Jahr 2016 erhielt er die Möglichkeit, neue Zweifel an der Zeugenaussage vorzubringen. Nach einer Beweisanhörung wurde ihm jedoch kein neuer Prozess gewährt.
Bereits 2021 und 2022 hatte sich der Supreme Court geweigert, weitere Berufungen des Verurteilten anzunehmen.
Unterstützung durch Penn & Teller
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch die Unterstützung der berühmten Illusionisten Penn & Teller. In einer Stellungnahme an das Gericht erklärten sie, als Experten für Täuschung und Wahrnehmung sähen sie sich verpflichtet, auf fragwürdige Methoden hinzuweisen.
Die beiden Magier kritisierten insbesondere den Einsatz von Hypnose in Ermittlungen. Es sei problematisch, wenn Strafverfolgungsbehörden mithilfe solcher Techniken die lückenhafte Erinnerung einer Schlüsselfigur in einem Verfahren mit möglicher Todesstrafe beeinflussen könnten.
Verweis auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Verteidigung argumentierte zudem, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen und Erinnerungen würden die Glaubwürdigkeit der damaligen Identifizierung infrage stellen.
Texas hatte bereits 2013 ein Gesetz verabschiedet, das Verurteilten die Möglichkeit geben soll, Urteile anzufechten, die auf inzwischen widerlegten wissenschaftlichen Methoden beruhen. Nach Angaben der Anwälte wurde jedoch bislang keinem zum Tode Verurteilten auf dieser Grundlage erfolgreich geholfen.
Mit der Entscheidung des Supreme Court bleiben Flores’ Verurteilung und das Todesurteil vorerst bestehen. Eine Begründung für die Ablehnung der Berufung gab das Gericht wie üblich nicht bekannt.
Kommentar hinterlassen