Startseite Allgemeines US-Notenbank erhöht erstmals seit drei Jahren die Zinsen – Trump nennt Fed-Führung „feindselig“
Allgemeines

US-Notenbank erhöht erstmals seit drei Jahren die Zinsen – Trump nennt Fed-Führung „feindselig“

GabrielDouglas (CC0), Pixabay
Teilen

Die amerikanische Notenbank reagiert auf die hartnäckige Inflation und hebt ihren Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Für Verbraucher werden Kredite tendenziell teurer. Politisch ist die Entscheidung besonders brisant: Präsident Donald Trump hatte ausdrücklich das Gegenteil gefordert.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat erstmals seit mehr als drei Jahren die Zinsen erhöht. Der zuständige Offenmarktausschuss beschloss einstimmig, den Leitzinskorridor um 0,25 Prozentpunkte von bisher 3,50 bis 3,75 Prozent auf nun 3,75 bis 4,00 Prozent anzuheben.

Fed-Chef Kevin Warsh begründete die Entscheidung vor allem mit der weiterhin hohen Inflation. Diese sei „zu hoch und das schon zu lange“, erklärte er nach der Sitzung. Die Zinserhöhung bezeichnete Warsh als eine „nüchterne“ und „verantwortungsvolle Entscheidung“.

Bemerkenswert ist der Schritt auch deshalb, weil US-Präsident Donald Trump seit Längerem deutlich niedrigere Zinsen fordert.

Noch vor der Entscheidung hatte Trump öffentlich verlangt, die Zinsen für die Vereinigten Staaten schnell zu senken.

Die Fed tat das genaue Gegenteil.

Trump: Fed-Gremium sei „feindselig“

Nach der Entscheidung stellte sich Trump zwar weiterhin hinter Warsh, kritisierte jedoch das Entscheidungsgremium der Notenbank.

Er verlasse sich auf Warsh, sagte Trump gegenüber Journalisten. Dieser habe es allerdings mit einem schwierigen Gremium zu tun. Die derzeitigen Zinsen seien aus seiner Sicht zu hoch und nicht angemessen.

Den Fed-Vorstand bezeichnete Trump als „sehr feindselig“ und „sehr politisch“.

Warsh wollte sich auf seiner Pressekonferenz dagegen nicht auf eine Diskussion über seine Gespräche mit Trump einlassen. Auf die Frage, welche Botschaft die Zinserhöhung an den Präsidenten sende, reagierte er zunächst mit einem Lachen und erklärte anschließend, dazu habe er nichts zu sagen.

Damit gewinnt die Frage nach der politischen Unabhängigkeit der Federal Reserve erneut an Bedeutung.

Als Warsh für den Vorsitz der Fed nominiert worden war, hatten einige demokratische Politiker davor gewarnt, er könnte gegenüber Trump nicht unabhängig genug auftreten. Auch unter Marktbeobachtern war darüber diskutiert worden, ob Warsh den wiederholten Forderungen des Präsidenten nach deutlichen Zinssenkungen folgen könnte.

Die erste Zinserhöhung seit Juli 2023 spricht zumindest bei dieser Entscheidung für eine andere Entwicklung.

Inflation seit Jahren über dem Ziel

Hinter dem Zinsschritt steckt ein klassisches Problem der Geldpolitik.

Die Federal Reserve strebt langfristig eine Inflationsrate von rund zwei Prozent an. Tatsächlich liegt die Teuerung bereits seit mehr als fünf Jahren über diesem Ziel.

Zuletzt sorgten insbesondere gestiegene Energiepreise für zusätzlichen Inflationsdruck. Der Krieg mit dem Iran hat die Ölpreise nach oben getrieben. Höhere Energie- und Transportkosten können anschließend auch zahlreiche andere Waren und Dienstleistungen verteuern.

Warsh räumte ein, dass eine Zentralbank weder den Ölpreis noch einzelne Lebensmittelpreise unmittelbar kontrollieren könne. Die Fed könne jedoch versuchen zu verhindern, dass sich solche Preisschübe dauerhaft durch die gesamte Wirtschaft ziehen.

Der robuste Arbeitsmarkt und die insgesamt weiterhin widerstandsfähige US-Wirtschaft gäben der Notenbank nach seiner Darstellung derzeit genügend Spielraum, sich stärker auf die Preisstabilität zu konzentrieren.

Von einer niedrigeren Inflation profitierten insbesondere Haushalte mit geringeren Einkommen, argumentierte Warsh.

Was die Zinserhöhung für Verbraucher bedeutet

Für amerikanische Verbraucher hat die Entscheidung ganz konkrete Folgen.

Höhere Leitzinsen können Kredite verteuern. Das betrifft beispielsweise Kreditkarten, Privatkredite und neue Immobilienfinanzierungen.

Mehrere große amerikanische Banken reagierten bereits am Mittwoch. JPMorgan, KeyCorp und BNY erhöhten ihren sogenannten Prime Rate von 6,75 auf 7,00 Prozent. Dieser Referenzzins beeinflusst unter anderem die Konditionen verschiedener Konsumenten- und Unternehmenskredite.

Bei Hypotheken liegt der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festzinsfinanzierung derzeit bei rund 6,76 Prozent, für eine 15-jährige Finanzierung bei etwa 6,09 Prozent.

Viele bestehende amerikanische Hausbesitzer sind von der Fed-Entscheidung allerdings nicht unmittelbar betroffen, weil ihre Hypotheken langfristig mit einem festen Zinssatz abgeschlossen wurden.

Teurer kann es dagegen für Menschen werden, die jetzt ein Haus kaufen oder eine bestehende Finanzierung neu abschließen wollen.

Das Dilemma der Fed

Genau darin besteht das klassische Problem jeder Zinserhöhung.

Höhere Zinsen sollen dafür sorgen, dass weniger auf Kredit konsumiert und investiert wird. Gleichzeitig wird Sparen attraktiver.

Die Nachfrage nimmt idealerweise etwas ab, wodurch der Preisdruck sinken soll.

Doch das Medikament hat Nebenwirkungen.

Wenn Kredite teurer werden, investieren Unternehmen möglicherweise weniger. Verbraucher verschieben größere Anschaffungen. Der Immobilienmarkt kann gebremst und das Wirtschaftswachstum geschwächt werden.

Die Fed versucht deshalb, einen schmalen Grat zu finden: Die Inflation soll sinken, ohne dass die Wirtschaft unnötig stark ausgebremst wird.

Die Demokraten im Kongress kritisieren die Entscheidung dennoch. Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, argumentierte, höhere Zinsen würden Kredite verteuern und könnten die Verschuldung vieler Amerikaner erhöhen. Zugleich machte er Trumps Wirtschaftspolitik für einen Teil der wirtschaftlichen Probleme verantwortlich.

Weitere Zinserhöhung noch 2026 möglich

Die aktuelle Erhöhung könnte außerdem nicht die letzte bleiben.

Warsh selbst wollte sich nicht darauf festlegen, wie sich die Zinsen in den kommenden Monaten entwickeln werden.

Die Mehrheit der Fed-Entscheidungsträger geht in ihren aktuellen Projektionen jedoch davon aus, dass der Leitzins noch vor Ende 2026 auf 4,00 bis 4,25 Prozent steigen könnte.

Eine knappe Mehrheit hält anschließend sogar einen weiteren Anstieg auf 4,25 bis 4,50 Prozent im Jahr 2027 für möglich.

Erst für 2028 und 2029 werden wieder sinkende Zinsen erwartet.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich die Inflation tatsächlich nachhaltig zurückbildet. Nach den aktuellen Projektionen könnte sie bis 2029 wieder das Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve erreichen.

Nicht nur Amerika kämpft mit steigenden Preisen

Mit ihrem Problem steht die Fed nicht allein da.

Auch andere große Zentralbanken müssen auf den neuen Inflationsdruck reagieren. Die Europäische Zentralbank erhöhte bereits in der vergangenen Woche ihre Zinsen. Auch bei der Bank of England steht eine neue Zinsentscheidung an.

Damit erlebt die Weltwirtschaft eine Entwicklung, die viele Verbraucher nach den Inflationsjahren eigentlich schon hinter sich glaubten:

Die Zinsen steigen wieder.

Für Sparer kann das höhere Erträge bedeuten.

Für Kreditnehmer dagegen höhere Kosten.

Und politisch hat die Entscheidung in Washington noch eine zusätzliche Dimension bekommen.

Donald Trump fordert niedrigere Zinsen.

Kevin Warsh sagt, die Inflation sei zu hoch.

Und die Federal Reserve erhöht den Leitzins.

Damit hat Warsh nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt zumindest eines ziemlich deutlich demonstriert:

Der Wunsch des Präsidenten und die Entscheidung der amerikanischen Notenbank müssen nicht dasselbe sein.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Ehefrau eines in China inhaftierten US-Forschers bittet Trump um Hilfe

Die Ehefrau eines in China inhaftierten amerikanischen Wissenschaftlers hat US-Präsident Donald Trump...

Allgemeines

USA:„Die Wähler sind zutiefst besorgt“: Demokratische Anwärter für 2028 debattieren über KI-Regulierung

„Angesichts der Warnungen von Entwicklern künstlicher Intelligenz, KI könne die Menschheit vernichten,...

Allgemeines

Video zeigt Wrack eines über dem Jemen abgeschossenen saudischen Kampfjets

Von der BBC überprüfte Videoaufnahmen zeigen das Wrack eines saudischen F-15-Kampfjets im...

Allgemeines

„Kennedy Center abgerissen“: Fotos von Trump sorgen für neue Spekulationen

Neue Aufnahmen von US-Präsident Donald Trump haben die Diskussion über die Zukunft...