20. Januar 2017

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Unister der Wirtschaftskrimi des Jahres mit tödlichem Ausgang

Unister war eine Leipziger Erfolgsgeschichte über fast zehn Jahre. Außer Wachstum war nichts angesagt in dem Unternehmen. Heute weiß man, das vieles nur Fassade war. Eine Fassade, hinter der sich ein finanzielles Drama abspielte, welches dann zu Maßnahmen führte, die man mit gesundem Menschenverstand nicht erklären kann. Scheinbar handelte es sich wohl um den letzten Ausweg, um eine schlingerndes Unternehmen zu retten. Thomas Wagner war immer auf der Suche nach Geld; klar, denn er wollte ja, dass sein Unternehmen weiter wächst und dafür benötigt man eben laufend frisches Geld. In Deutschland war der Markt der Investoren wohl abgegrast. Hier noch jemanden zu finden, war wohl sehr schwierig für Thomas Wagner und seine Mitstreiter. Da muss es für ihn wohl eine Erlösung gewesen sein, dass er Kontakt zu einem Banker bekam, einem Banker, der in Leipzig wohlbekannt war. Karsten Dairek K. war über Jahre Niederlassungsleiter einer in den neuen Bundesländern sehr bekannten Tochterbank einer deutschen Landesbank. Hast du mit so jemandem zu tun, dann denkt wohl kaum jemand, dass das eine krumme Nummer sein könnte. Da gibt man wohl erst einmal einen Vertrauensvorschuss.  Erst einige Wochen später sollte sich dann herausstellen, auf welches kriminelle Spiel sich Thomas Wagner und seine Partner da eingelassen hatten.

Es ging um viel Geld, dass ein israelischer Investor in das Unternehmen stecken wollte. Angedient hatte sich nicht nur Karsten Dairek K. Thomas Wagner und seinen Partnern, sondern mit ihm ein Finanzvermittler aus dem Ruhrgebiet. Der gesamte Verlauf der dann folgenden Verhandlungen untereinander war wohl, auch das weiß man heute, durchaus als üblich und seriös anzusehen. Verträge wurden ausgetauscht und ausverhandelt, ebenso auch die Provision für die Vermittler. Es gab scheinbar nichts, weshalb man sich, vor allem bei den beteiligten Partnern, hätte Gedanken machen müssen. Es sah alles nach einem sauberen Geschäft aus, an dessen Ende dann ein Darlehen im zweistelligen Millionenbereich für das Unternehmen Unister bereitstehen sollte, was vermutlich die Rettung für das an sich damals wohl schon marode Unternehmen bedeutet hätte. Nur wusste das keiner außer den Partnern der Unister GmbH, die alle Gesellschaften steuerte.

Irgendwann war es dann soweit. Es war der Tag, den Thomas Wagner und weitere Personen als Tag der Rettung angesehen haben müssen. Dieser entwickelte sich dann aber zum größten Desaster und endete mit dem Tod von Thomas Wagner und weiteren Personen. Üblicherweise macht man solch einen Deal eigentlich in einem Büro des Unternehmens. Hier aber war als Treffpunkt ein Hotel in Italien ausgemacht. Wagner und sein Partner wurden dafür von einem Kleinflugzeug abgeholt und nach Italien geflogen. Dort traf man sich in einem Hotel. Ausgemacht war wohl, dass ein Teil des Geschäftes in bar und ein weiterer Teil dann per Banküberweisung abgewickelt werden sollte.

Allerdings funktionierte es so nicht. Thomas Wagner und sein Partner waren auf einen Rip-Deal hereingefallen, so wie übrigens auch der ehemalige Bankdirektor einer Leipziger Bank. Der wohl auch nicht geahnt hatte, was da wirklich abgehen würde. Er war übrigens der Einzige, der den Landweg mit dem PKW gesucht hatte, denn Karsten D. hat Flugangst. Angst, die ihm dieses mal wohl das Leben gerettet hat.

Was aber ist ein Rip-Deal?

  • In sogenannten Rip-Deals müssen illiquide Geschäftsleute eine Anzahlung für einen Kredit mitbringen.
  • Der vermeintliche Kredit, der oft bar übergeben wird, besteht häufig zu einem Großteil aus Falschgeld.

Das war auch im Fall Unister so. Thomas Wagner und Partner hatten das zu spät erkannt, als sie ihr Geld schon los waren und der Betrüger über alle Berge. Thomas Wagner muss sich dann sicherlich mit einem katastrophalen Gefühl wieder in den Flieger gesetzt haben, nachdem er bei der italienischen Polizei noch Anzeige erstattet hatte.

Mit dem Rückflug begannen auch die letzten Minuten seines Lebens, denn die Maschine stürzte unter bis zum heutigen Tage nicht endgültig aufgeklärten Umständen in Kroatien ab.

Als Folge musste das Unternehmen Unister mit all seinen Gesellschaften Insolvenz anmelden. Heute hat ein großer Teil des ehemaligen Unister-Imperiums neue Besitzer und von vielen Mitarbeitern in Leipzig ist der Arbeitsplatz vorerst wieder sicher.

Mittlerweile gibt es auch eine erste Anklage gegen den Kreditvermittler, der den ominösen Deal eingefädelt hat. Er muss sich wegen Betruges demnächst vor Gericht verantworten. Vielleicht erfährt man dann noch ein paar mehr Hintergründe über den größten Wirtschaftskrimi im Jahre 2016.

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