Die Umleitung internationaler Frachtschiffe rund um Afrika könnte für Wale vor Südafrikas Küste zum tödlichen Problem werden. Wissenschaftler warnen vor einer deutlich steigenden Zahl möglicher Zusammenstöße zwischen Schiffen und Meeressäugern.
Hintergrund sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten. Seit Angriffen der Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer meiden viele Reedereien die Route durch den Suezkanal und fahren stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran verschärft die Lage zusätzlich.
Nach Daten des IMF-PortWatch-Berichts passierten zwischen März und April dieses Jahres 89 große Handelsschiffe das Kap der Guten Hoffnung – fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2023.
Forscher befürchten nun, dass die Ausweichroute mitten durch wichtige Wandergebiete mehrerer Walarten führt.
Die südafrikanische Meeresbiologin Els Vermeulen von der Universität Pretoria untersuchte gemeinsam mit ihrem Team die Überschneidung von Schifffahrtsrouten und Walpopulationen vor der Westküste Südafrikas.
Das Ergebnis: Das Risiko von Kollisionen steigt deutlich.
Besonders problematisch sei, dass viele verletzte oder getötete Tiere nie entdeckt würden. Zahlreiche Zusammenstöße ereigneten sich weit vor der Küste. Tote Wale sänken dort häufig direkt auf den Meeresboden. Wissenschaftler sprechen von „cryptic mortality“ – einem weitgehend unsichtbaren Sterben.
Vermeulen fordert deshalb Anpassungen der Schifffahrtsrouten sowie Tempolimits für Schiffe in sensiblen Gebieten und Jahreszeiten.
Noch fehle allerdings eine ausreichende Datengrundlage, um konkrete Maßnahmen dauerhaft festzulegen. Ihr Team plant deshalb umfangreiche Beobachtungen aus Flugzeugen und von Forschungsschiffen aus.
„Viele Menschen wollen gemeinsam Lösungen finden“, sagte Vermeulen der BBC. Nun müsse die Wissenschaft belastbare Daten liefern.
Für die Wale könnte die geopolitische Krise damit ausgerechnet Tausende Kilometer entfernt zur tödlichen Gefahr werden.
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