Startseite Allgemeines Umweg wegen Nahost-Krise: Wale geraten stärker in Gefahr
Allgemeines

Umweg wegen Nahost-Krise: Wale geraten stärker in Gefahr

12019 (CC0), Pixabay
Teilen

Die Umleitung internationaler Frachtschiffe rund um Afrika könnte für Wale vor Südafrikas Küste zum tödlichen Problem werden. Wissenschaftler warnen vor einer deutlich steigenden Zahl möglicher Zusammenstöße zwischen Schiffen und Meeressäugern.

Hintergrund sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten. Seit Angriffen der Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer meiden viele Reedereien die Route durch den Suezkanal und fahren stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran verschärft die Lage zusätzlich.

Fast doppelt so viele Schiffe vor Südafrika

Nach Daten des IMF-PortWatch-Berichts passierten zwischen März und April dieses Jahres 89 große Handelsschiffe das Kap der Guten Hoffnung – fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2023.

Forscher befürchten nun, dass die Ausweichroute mitten durch wichtige Wandergebiete mehrerer Walarten führt.

Forscher warnen vor „unsichtbarem Sterben“

Die südafrikanische Meeresbiologin Els Vermeulen von der Universität Pretoria untersuchte gemeinsam mit ihrem Team die Überschneidung von Schifffahrtsrouten und Walpopulationen vor der Westküste Südafrikas.

Das Ergebnis: Das Risiko von Kollisionen steigt deutlich.

Besonders problematisch sei, dass viele verletzte oder getötete Tiere nie entdeckt würden. Zahlreiche Zusammenstöße ereigneten sich weit vor der Küste. Tote Wale sänken dort häufig direkt auf den Meeresboden. Wissenschaftler sprechen von „cryptic mortality“ – einem weitgehend unsichtbaren Sterben.

Langsamer fahren, Routen ändern

Vermeulen fordert deshalb Anpassungen der Schifffahrtsrouten sowie Tempolimits für Schiffe in sensiblen Gebieten und Jahreszeiten.

Noch fehle allerdings eine ausreichende Datengrundlage, um konkrete Maßnahmen dauerhaft festzulegen. Ihr Team plant deshalb umfangreiche Beobachtungen aus Flugzeugen und von Forschungsschiffen aus.

„Viele Menschen wollen gemeinsam Lösungen finden“, sagte Vermeulen der BBC. Nun müsse die Wissenschaft belastbare Daten liefern.

Für die Wale könnte die geopolitische Krise damit ausgerechnet Tausende Kilometer entfernt zur tödlichen Gefahr werden.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Richard Glossip – 29 Jahre Todeszelle, neun Hinrichtungstermine und am Ende doch Freiheit

Es gibt Geschichten, bei denen man sich fragt, wie ein Rechtssystem so...

Allgemeines

Monica Witt – vom US-Geheimdienst direkt zur Gegenseite

Manchmal schreibt die Realität Geschichten, die selbst Hollywood für „etwas zu übertrieben“...

Allgemeines

Jerome Powell – der Mann, der Trump, Corona und die Inflation überlebt hat

Jerome Powell verlässt die US-Notenbank wie ein Feuerwehrchef nach acht Jahren Dauerbrand:...

Allgemeines

Trump und Xi: Zwei Präsidenten, ein Garten und ganz viel heiße Luft

Donald Trump verlässt Peking nach zwei Tagen voller Händeschütteln, Staatsbanketten, roter Teppiche...