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Jerome Powell – der Mann, der Trump, Corona und die Inflation überlebt hat

ADGC (CC0), Pixabay
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Jerome Powell verlässt die US-Notenbank wie ein Feuerwehrchef nach acht Jahren Dauerbrand:
erschöpft, angegriffen, halb Amerika wütend auf ihn – und irgendwie steht das Gebäude trotzdem noch.

Wenn man sich anschaut, was Powell als Fed-Chef alles erlebt hat, fragt man sich ernsthaft:
War das ein Vorsitzender der Notenbank oder Hauptfigur einer wirtschaftspolitischen Endzeitserie?

Erst Corona. Dann Inflation. Dann Trump. Wieder Trump.

Powell übernahm 2018 einen halbwegs normalen Job:
Zinsen verwalten, Märkte beruhigen, gelegentlich komplizierte Sätze sagen.

Dann kam:

  • die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression,
  • explodierende Inflation,
  • Lieferkettenchaos,
  • Energiekrise,
  • Bankenpanik,
  • geopolitischer Wahnsinn,
  • und Donald Trump als Dauerkommentator aus dem Off.

Andere Fed-Chefs mussten manchmal Wirtschaftskrisen managen.
Powell musste gefühlt gleichzeitig Pandemie, Weltwirtschaft und amerikanisches Reality-TV moderieren.

Corona: Die Gelddruckmaschine auf Anschlag

Als 2020 plötzlich alles stillstand, reagierte die Fed mit der geldpolitischen Version eines Feuerwehrschlauchs:
Nullzinsen.
Notprogramme.
Milliardenhilfen.
Liquidität ohne Ende.

Die Strategie lautete damals sinngemäß:

„Erstmal verhindern, dass alles kollabiert. Über Nebenwirkungen reden wir später.“

Und tatsächlich:
Die Wirtschaft überlebte.
Die Märkte stabilisierten sich.
Amerika kam schneller zurück als viele erwartet hatten.

Das Problem:
Später kam dann die Rechnung.

„Inflation ist vorübergehend“ – der Satz, der Powell ewig verfolgen wird

2021 glaubte die Fed noch, die steigenden Preise seien nur „transitory“, also vorübergehend.

Spoiler:
waren sie nicht.

Stattdessen explodierten:

  • Lebensmittelpreise,
  • Mieten,
  • Energiepreise,
  • Kreditzinsen,
  • und die Wut der Amerikaner.

Powell wurde plötzlich vom Krisenmanager zum Lieblingsfeind aller:
der Republikaner,
der Demokraten,
der Börsen,
der Häuslebauer
und vermutlich auch jedes Menschen, der einmal Eier kaufen musste.

Dann kam Trumps persönlicher Feldzug gegen Powell

Donald Trump behandelte Jerome Powell in etwa wie einen Mitarbeiter bei „The Apprentice“, den er jederzeit feuern wollte.

Fast täglich gab es:

  • Beschimpfungen,
  • Forderungen nach Zinssenkungen,
  • öffentliche Demütigungen,
  • Drohungen,
  • und politische Druckkampagnen.

Trump wollte billigere Kredite.
Powell wollte eine unabhängige Notenbank.

In Washington nennt man das:
„grundsätzliche Differenzen.“

Powell blieb erstaunlich ruhig

Und genau das ist vielleicht sein größtes Vermächtnis.

Während Politiker schrien, Märkte panisch wurden und soziale Medien kollektiv durchdrehten, blieb Powell meist der ruhige Typ mit der nüchternen Stimme.

Kein Populismus.
Keine Parteisprüche.
Keine Ego-Shows.

Nur trockene Zentralbank-Sätze wie:

„Wir beobachten die Datenlage.“

Was übersetzt ungefähr heißt:

„Bitte lasst mich alle in Ruhe arbeiten.“

Hat Powell Fehler gemacht? Natürlich.

Die Inflation wurde unterschätzt.
Die Zinswende kam zu spät.
Viele Amerikaner litten massiv unter den Preissteigerungen.

Aber:
Die USA vermieden trotz allem eine schwere Rezession.
Das Finanzsystem blieb stabil.
Und die Fed blieb unabhängig – trotz politischer Dauerattacken.

Das allein ist heutzutage fast schon ein Wunder.

Sein Nachfolger übernimmt keinen einfachen Job

Kevin Warsh übernimmt nun eine Notenbank, die zwischen:

  • politischem Druck,
  • Schuldenbergen,
  • geopolitischen Krisen
  • und nervösen Märkten balancieren muss.

Powell gab ihm zum Abschied einen bemerkenswerten Rat:

„Halt dich von gewählter Politik fern.“

In der heutigen Zeit klingt das fast schon wie ein revolutionärer Satz.

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