Die Ölpreise könnten laut Einschätzung der US-Bank JPMorgan noch für den Rest des Jahres über der Marke von 100 Dollar pro Barrel bleiben. Selbst wenn die Straße von Hormus bereits im kommenden Monat wieder vollständig geöffnet würde, sei keine schnelle Entspannung zu erwarten.
Die Analysten gehen davon aus, dass sich die globalen Lieferketten nur langsam normalisieren. Probleme bei Tankerkapazitäten, Raffinerien und Transportwegen würden den Markt weiter belasten.
Trumps Ablehnung iranischer Vorschläge treibt Preise weiter
Am Montag reagierten die Märkte erneut nervös auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser bezeichnete Irans jüngsten Vorschlag zur Beendigung des Krieges als „völlig inakzeptabel“.
Daraufhin stieg der Preis für die Nordseesorte Brent zeitweise um mehr als vier Prozent auf über 105 Dollar pro Barrel.
Teheran hatte zuvor über Pakistan Bedingungen für ein mögliches Kriegsende übermittelt. Gefordert werden unter anderem ein sofortiger Waffenstillstand und Garantien gegen weitere Angriffe durch die USA und Israel.
Straße von Hormus bleibt globales Nadelöhr
Seit Beginn des Krieges Ende Februar ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Normalerweise werden dort rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert.
Die iranische Führung hatte angekündigt, Schiffe anzugreifen, die trotz der Spannungen die Meerenge passieren.
JPMorgan erwartet deshalb keine rasche Rückkehr zur alten Versorgungslage. Selbst bei einer Wiederöffnung könne es Monate dauern, bis sich der Markt stabilisiert.
Ölkonzerne profitieren massiv
Von der Krise profitieren vor allem die großen Energiekonzerne. Der saudische Ölkonzern Aramco meldete für das erste Quartal einen Gewinnsprung von mehr als 25 Prozent.
Auch BP und Shell verzeichneten zuletzt deutlich steigende Gewinne.
Aramco-Chef Amin Nasser sprach am Montag vom „größten Energieschock der Geschichte“. Selbst bei einer sofortigen Öffnung der Straße von Hormus werde sich der Markt frühestens 2027 vollständig normalisieren.
Opec-Förderung deutlich gesunken
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch sinkende Fördermengen. Laut einer Reuters-Erhebung produzierte die Opec im April rund 830.000 Barrel Öl pro Tag weniger als im Vormonat.
Die Kombination aus Krieg, blockierten Transportwegen und rückläufiger Förderung sorgt damit weiter für Druck auf die Weltwirtschaft – und auf die Zapfsäulenpreise weltweit.
Kommentar hinterlassen