Früher galt das Amt des US-Solicitor General als eine Art juristische Edel-Diplomatie:
ruhig, sachlich, geschniegelt, respektvoll gegenüber dem Supreme Court.
Dann kam D. John Sauer.
Und plötzlich wirkt der oberste Anwalt der US-Regierung eher wie eine Mischung aus Wahlkampfsprecher, Verfassungsrevolutionär und persönlichem Trump-Bodyguard im grauen Morgenmantel.
Vom Trump-Verteidiger direkt zum obersten Staatsanwalt
Sauer wurde national bekannt, als er Donald Trump vor dem Supreme Court weitreichende Immunität gegen Strafverfolgung verschaffte. Schon vorher hatte er versucht, die Wahlniederlage Trumps 2020 juristisch anzufechten.
Kurz gesagt:
Während andere Juristen Verfassungsrecht studieren, scheint Sauer eher gefragt zu haben:
„Wie viel Macht kann ein Präsident eigentlich maximal bekommen?“
Trump war begeistert — und machte ihn später zum obersten Anwalt der Regierung vor dem Supreme Court.
MAGA trifft Richterbank
Besonders bemerkenswert:
Frühere Solicitor Generals bemühten sich traditionell um politische Neutralität und staatsmännische Zurückhaltung.
Sauer dagegen tritt laut CNN schnell, aggressiv und mit klarer MAGA-Haltung auf.
Oder anders gesagt:
Wo früher nüchterne Verfassungsargumente standen, kommt heute gelegentlich die rhetorische Energie eines Fox-News-Kommentars ins Gericht.
Der Supreme Court scheint erstaunlich entspannt
Das eigentlich Faszinierende:
Die konservative Mehrheit des Supreme Court scheint damit weit weniger Probleme zu haben als frühere Gerichte.
CNN beschreibt, dass Sauer von den Richtern deutlich sanfter behandelt werde als etwa Juristen unter Obama.
Man könnte sagen:
Früher wurden Regierungsanwälte gegrillt.
Heute wirkt es teilweise eher wie ein juristisches Klassentreffen konservativer Verfassungsfreunde.
Exekutive Macht? Gerne etwas mehr.
Sauer treibt vor allem ein Ziel voran:
Mehr Macht für den Präsidenten.
Sehr viel mehr Macht.
In Verfahren argumentiert er sinngemäß:
Der Präsident müsse praktisch vollständige Kontrolle über die Exekutive haben — inklusive der Möglichkeit, Behördenchefs nach Belieben zu feuern.
Kritiker sehen darin einen gefährlichen Umbau des amerikanischen Regierungssystems.
Oder weniger juristisch formuliert:
Trump hätte offenbar gern das Präsidentenmodell „CEO Plus“.
„Verrottete Hülle“ – Sauer spricht wie Trump twittert
Besonders elegant formulierte Sauer vor Gericht, ein wichtiges Präzedenzurteil sei inzwischen nur noch eine „verrottete Hülle mit gefährlichen Ansprüchen“.
Das klingt weniger nach nüchterner Verfassungsdebatte —
und mehr nach einem besonders aggressiven Filmtrailer.
Richter helfen gern mal nach
Wenn liberale Richter Sauer hart angreifen, springen konservative Kollegen laut CNN teilweise direkt ein und helfen ihm aus schwierigen Situationen.
In einem Fall verteidigte Richter Brett Kavanaugh Sauer sogar fast freundschaftlich gegen Kritik von Sonia Sotomayor.
Man bekommt stellenweise den Eindruck:
Nicht jede Verhandlung vor dem Supreme Court fühlt sich derzeit wie ein Machtkampf an —
manche eher wie Teamarbeit mit gelegentlichen Nachfragen.
Trump beschwert sich trotzdem
Natürlich wäre Trump nicht Trump, wenn er sich nicht trotzdem beschweren würde.
Als er kürzlich persönlich im Supreme Court erschien, war er empört, dass die Richter ihn nicht besonders begrüßten. Auf Truth Social beklagte er später, seine Anwesenheit sei „nicht einmal anerkannt“ worden.
Man muss fair bleiben:
Andere Menschen freuen sich, wenn sie vor Gericht nicht auffallen.
Trump erwartet offenbar mindestens stehende Ovationen.
Fazit
Mit D. John Sauer hat Trump genau den Juristen gefunden, den seine politische Bewegung liebt:
kämpferisch, ideologisch klar, aggressiv und bereit, die Grenzen exekutiver Macht maximal auszureizen.
Und der Supreme Court?
Der wirkt derzeit erstaunlich offen für viele dieser Ideen.
Oder anders gesagt:
Früher galt in Washington Gewaltenteilung.
Heute klingt manches eher nach:
„Was wäre eigentlich, wenn der Präsident einfach alles darf?“
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