Donald Trump reist nach Peking – und Taiwan schaut vermutlich schon nervös auf eBay nach einem neuen Sicherheitsgaranten.
Denn wenn der US-Präsident eines kann, dann große Deals ankündigen, die am Ende ungefähr so stabil sind wie ein chinesischer Gartenstuhl aus dem Sonderangebot. Und diesmal könnte ausgerechnet Taiwan zum Verhandlungschip zwischen Trump und Xi Jinping werden.
„Vielleicht liefern wir Waffen. Vielleicht auch nicht.“
Eigentlich galt jahrzehntelang eine einfache Regel amerikanischer Außenpolitik: Über Waffenlieferungen an Taiwan wird in Washington entschieden – nicht in Peking.
Trump sieht das naturgemäß flexibler.
„Präsident Xi hätte gerne, dass wir es nicht tun“, sagte Trump über neue Waffenlieferungen an Taiwan. Übersetzt aus dem Trumpischen bedeutet das ungefähr: „Mal sehen, was ich dafür bekomme.“
Elf Milliarden Dollar schwere Waffenpakete wurden zwar bereits angekündigt. Doch bei weiteren Lieferungen herrscht plötzlich erstaunliche Zurückhaltung. Zufall? Natürlich. Genauso wie Trumps plötzliches Interesse an chinesischen Boeing-Bestellungen.
Taiwan? Für Trump eher Konkurrenz als Verbündeter
Während frühere US-Präsidenten Taiwan gerne als „demokratischen Partner“ beschrieben, sieht Trump vor allem eines: Konkurrenz bei Halbleitern.
Denn warum sollte man eine Insel verteidigen, wenn sie gleichzeitig bessere Chips produziert als amerikanische Firmen? Für Trump ist Taiwan offenbar weniger ein geopolitischer Verbündeter als ein asiatischer Wettbewerber mit zu guten Exportzahlen.
Das Problem für Taipeh: Trump braucht China derzeit dringender als umgekehrt.
Die US-Wirtschaft schwächelt, der Iran-Krieg belastet die Energiepreise und plötzlich wirkt Xi Jinping wie der letzte große Mann, der Trump noch außenpolitisch retten könnte.
Xi kennt Trumps Lieblingssprache: Geschäfte
Peking weiß natürlich genau, wie man Trump erreicht: nicht über Werte, Demokratie oder internationale Ordnung – sondern über Deals.
Mehr Boeing-Flugzeuge? Mehr Agrarimporte? Ein bisschen Hilfe beim Iran? Dafür könnte Washington vielleicht bei Taiwan etwas „flexibler“ werden. Vielleicht keine offenen Absagen mehr – sondern einfach langsamere Waffenlieferungen, längere Prüfungen, mehr Bürokratie.
Der klassische Trump-Ansatz eben: Taiwan nicht direkt verkaufen. Nur die Lieferung verzögern, bis es praktisch inklusive ist.
Taiwan versucht gute Miene zum großen Deal zu machen
Die Regierung in Taipeh reagiert inzwischen mit Durchhalteparolen und betont demonstrativ die enge Zusammenarbeit mit den USA.
Doch hinter den Kulissen dürfte man sich fragen, ob man in Washington noch Sicherheitsgarantien bekommt – oder bald nur noch einen Rabattcode.
Denn Trump hat in den vergangenen Jahren eines sehr deutlich gemacht: Bündnisse sind für ihn keine Wertegemeinschaften, sondern Geschäftsbeziehungen. Und wenn der Preis stimmt, steht plötzlich alles zur Verhandlung.
Selbst eine Insel mit 23 Millionen Einwohnern und strategischer Schlüsselrolle mitten im Pazifik.
Kommentar hinterlassen