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Goldrausch, Wutreden und 72 Prozent Rabatt: Wenn selbst Dagobert Duck kurz stutzig würde

Pezibear (CC0), Pixabay
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Es gibt Geschäftsmodelle, bei denen man sofort denkt: „Warum ist da vorher noch niemand drauf gekommen?“ Und dann gibt es Geschäftsmodelle, bei denen man sich fragt: „Warum gehen da überhaupt Menschen rein?“

Das Liechtensteiner Unternehmen TGI sorgt derzeit jedenfalls für reichlich Gesprächsstoff. Behörden in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Ungarn haben sich bereits mit dem Modell beschäftigt, Medien berichten kritisch – und Firmenchef Helmut Kaltenegger reagiert inzwischen ungefähr so gelassen wie ein Espresso auf Koffein.

Im Mittelpunkt steht ein Angebot, das klingt, als hätte jemand den Schlussverkauf mit einem Goldbarren verwechselt: Kunden sollten Gold mit bis zu 72 Prozent Rabatt erhalten – sofern sie drei Jahre auf die Auslieferung warten.

Das Gold ist da. Irgendwo. Wahrscheinlich.

Laut Berichten erklärte Kaltenegger bei einem Auftritt in Wien, das Gold liege selbstverständlich sicher eingelagert. Zur Beruhigung verwies er auf Gutachten, Lagerbestätigungen und internationale Partnerstrukturen. Unter anderem sollen sich laut einem sogenannten „Safe Keeping Receipt“ mehr als zwei Tonnen Gold bei einer Firma im Kosovo befinden.

Kritiker fragen allerdings weiterhin, wie genau aus einem Marktpreis plötzlich ein 72-Prozent-Rabatt entstehen soll, ohne dass irgendwo die Gesetze der Mathematik kurz zusammenbrechen.

Die Antwort darauf klingt ungefähr wie ein besonders ambitionierter „Goldrausch“-Plot von Netflix: Geld fließe nach Afrika, dort würden Vorprodukte hergestellt, Handel finanziert und irgendwann entstehe daraus dann günstiges Feingold.

Was davon wirtschaftlich tragfähig ist, wird inzwischen intensiv diskutiert.

„Schluss mit lustig“

Besonders unterhaltsam wurde es, als Kaltenegger öffentlich mit Kritikern abrechnete. Journalisten bezeichnete er laut Handelsblatt unter anderem als „Vollidioten“, „Witzfiguren“ und „Intelligenzfuzzis“.

Man muss fair bleiben: Wer jahrelang erklärt, Gold fast zum Black-Friday-Preis verkaufen zu können, entwickelt vermutlich eine gewisse Allergie gegen Rückfragen.

Die vielleicht wichtigste Szene des Abends

Fast poetisch wurde es laut Bericht gegen Ende der Veranstaltung. Kaltenegger fragte das Publikum, wer bereits Gold erhalten habe.

Etwa 20 Menschen hoben die Hand. Der Rest schaute sich neugierig um und applaudierte trotzdem.

Und vielleicht beschreibt genau dieser Moment das gesamte Phänomen am besten: Eine Mischung aus Hoffnung, Begeisterung, Gruppendynamik – und der sehr menschlichen Sehnsucht, dass es diesmal vielleicht doch wirklich funktioniert.

Denn die älteste Regel der Finanzwelt gilt leider weiterhin: Wenn etwas klingt, als hätte selbst ein Goldbarren zu viel Rendite versprochen, sollte man besser zweimal nachrechnen.

3 Kommentare

  • Thomas Bremer wird wiedereinmal recht behalten mit all seinen Artikeln, und das Gejammere der Provisionsgeilen Vermittler der TGI AG wird man dann sogar über die Alpen hören. Was mich aber beruhigt ist, das Thomas Bremer auch dafür sorgen wird, dass die größten und Provionsgeilsten Dummköpfe nicht ungeschoren davon kommen.Genau das finde ich richtig. Jeder der ein intelligentes seriöses Geschäfstmodel hat, muss vor Mdien oder einem Thomas Bremer keine Angst haben, warum auch Menschen wie Helmut Kaltenegger haben in der Finanzbranche keinerlei Daseinsberechtigung, denn sie verarmen nur die Menschen denen sie nach Aussen hin helfen wollen.Phatisäer nennt man das wohl. Dieser Laden muss zusammenbrechen, denn er sit nicht ehrlich. Jetzt kommen wieder die Trolle mit dem Porsche, mit den 3 Freundinnen die man mit dem geilen Verdienst bei TGI aushalten kann, und die Trolle deren Leben sich so positiv verändert hat. Prima! Wir sprechen uns wieder.

  • gibt trotzdem ein paar Interessante Details:
    Das Gold soll bei dem Unternehmen: https://bossbgold.com/ eingelagert sein.

    Und besonders pinkant „die Eigentumsverhältnisse des Goldes wurde nicht näher geprüft“. Also ist das Gutachten – wie ohnehin vermutet – für die Tonne. Es erklärt auch warum so lange zugewartet wurde – man musste zuerst Gold auftreiben, das man dann „herzeigen“ kann. Und es erklärt auch, warum man keine Schürfprotokolle usw. vorlegen kann, geschweige dem die eigenen Bilanzen. Oder Seriennummern in Barren, die normalerweise alle noch ein eigenes Gutachten zur Reinheit aufweisen. Wahrscheinlich haben auch die untersuchten Barren alle die gleiche oder ähnliche Reinheit, was es in einer Miene auch nicht gibt. Man oh man, was für ein Haufen …. Kein Wunder das das Gutachten nicht öffentlich vorgelegt wird.

    Liebe Medien macht euch die Mühe und schaut euch den Goldabbau mal vor Ort an.
    Ich ahne und fürchte Schlimmstes …

    Zahlungsflüsse wurden demnach auch nicht untersucht sondern nur „Verträge“ geprüft und die ggf nur „auskunftsgemäß“.

    Handelsblatt schreibt weiter:
    „Das Handelsblatt hat zwei Personen erreicht, die das Gutachten von Grant Thornton einsehen konnten. Beide teilten mit, dass der Gutachter eine Stichprobe der 2,182 Tonnen Gold geprüft habe, ob es sich tatsächlich um Edelmetall der genannten Reinheit handelt. Die Eigentumsverhältnisse des Goldes soll er hingegen nicht näher untersucht haben.

    Im Gutachten stehe wörtlich, der Goldbestand werde „auskunftsgemäß“ treuhändig für die Kunden der TGI AG eingelagert. Das Handelsblatt wollte von der TGI wissen, wer diese Auskunft erteilt habe. Antwort eines Firmenjuristen: „Auskunftspersonen“. Es seien aber auch „die notwendigen vertraglichen Unterlagen“ geprüft worden.

    Wirtschaftsprüfer verwenden den Begriff „auskunftsgemäß“ in der Regel für Sachverhalte, die sie nicht eigens geprüft haben. Mit dieser Formel machen Prüfer deutlich, dass eine Aussage auf fremder Information beruht und nicht zwingend eine eigene abschließende Tatsachenfeststellung ist.“

    https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/gold-schluss-mit-lustig-tgi-goldhaendler-kaltenegger-droht-kritikern/100224085.html

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