US-Präsident Donald Trump wirft den großen Ölkonzernen vor, die Benzinpreise künstlich hoch zu halten. Damit greift er ausgerechnet eine Argumentation auf, die bereits sein Vorgänger Joe Biden während der Energiekrise 2022 verwendete. Anders als Biden kündigt Trump jedoch an, das Justizministerium einschalten zu wollen.
In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, die Preise an den Tankstellen würden nicht schnell genug sinken, obwohl Rohöl deutlich billiger geworden sei.
Die Ölkonzerne gäben die niedrigeren Einkaufspreise nicht an die Verbraucher weiter, kritisierte der Präsident. Kunden würden „abgezockt“. Deshalb habe er das US-Justizministerium angewiesen, die Preisentwicklung umgehend zu untersuchen.
Trumps Kritik erinnert an Aussagen von Joe Biden aus dem Jahr 2022. Damals waren die Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine massiv gestiegen.
Auch Biden argumentierte, sinkende Ölpreise müssten sich in niedrigeren Benzinpreisen widerspiegeln. Er warf den Öl- und Gaskonzernen vor, ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher zu steigern.
Die Realität ist jedoch komplexer. Die Benzinpreise werden in den USA nicht direkt von den großen Ölkonzernen festgelegt, sondern von Zehntausenden meist unabhängigen Tankstellenbetreibern. Deren Preise orientieren sich vor allem an den Großhandelspreisen für Kraftstoff.
Diese wiederum werden überwiegend an den internationalen Rohstoffmärkten bestimmt. Deshalb können geopolitische Krisen – selbst wenn das betroffene Öl kaum direkt in die USA gelangt – die amerikanischen Kraftstoffpreise erheblich beeinflussen.
Zwar sind die Rohölpreise zuletzt deutlich gesunken, doch die Preise an den Zapfsäulen folgen diesem Trend häufig erst mit Verzögerung.
Der Grund: Viele Tankstellen haben ihren Kraftstoff noch zu höheren Großhandelspreisen eingekauft und müssen diese Kosten zunächst wieder hereinholen. Gleichzeitig versuchen sie, Verluste auszugleichen, die entstanden sind, als die Einkaufspreise zuvor rasant gestiegen waren.
In der Branche gilt deshalb seit Langem die Faustregel, dass Benzinpreise „wie eine Rakete steigen und wie eine Feder fallen“ – sie erhöhen sich schnell, sinken aber nur langsam.
Experten sehen daher keine eindeutigen Hinweise auf systematische Preismanipulationen durch die Ölindustrie. Die verzögerte Entwicklung gilt vielmehr als typisches Merkmal des Kraftstoffmarktes.
Politisch ist es jedoch einfacher, die Verantwortung den großen Ölkonzernen zuzuschreiben, als die komplexen Mechanismen internationaler Rohstoffmärkte und regionaler Preisbildung zu erklären. Trump reiht sich damit in eine lange Liste amerikanischer Präsidenten ein, die bei hohen Spritpreisen die Ölbranche öffentlich unter Druck setzen.
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