In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stehen im September 2026 wichtige Wahlen an. Nach den derzeitigen Umfragen könnten in allen drei Ländern die bisherigen Regierungsmehrheiten verloren gehen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die Regierungsbildung schwieriger werden dürfte als die Frage, welche Partei am Wahlabend die meisten Stimmen erhält.
Sachsen-Anhalt wählt am 6. September 2026 einen neuen Landtag. In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird jeweils am 20. September gewählt.
Sachsen-Anhalt: AfD klar vorn, aber ohne erkennbaren Partner
In der genannten Umfrage vom 30. Juli erreicht die AfD 41 Prozent. Die CDU folgt mit 24 Prozent vor der Linken mit 13 Prozent. Die SPD kommt auf sieben Prozent, die Grünen erreichen genau fünf Prozent. Das BSW würde mit vier Prozent den Einzug in den Landtag verpassen.
Nach der theoretischen Sitzverteilung entfielen von 83 Mandaten 38 auf die AfD, 22 auf die CDU, zwölf auf die Linke, sechs auf die SPD und fünf auf die Grünen. Für eine Mehrheit wären 42 Sitze erforderlich.
Die AfD wäre damit zwar mit großem Abstand stärkste Kraft, hätte aber keine eigene Mehrheit. Bereits ein kleiner Koalitionspartner würde rechnerisch genügen. Politisch ist derzeit jedoch keine andere Partei als möglicher Partner erkennbar. Die CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin aus. Der CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt hat zudem erklärt, weder mit extremen Parteien von rechts noch von links zusammenarbeiten zu wollen.
Die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP könnte nicht fortgesetzt werden, weil die FDP in der Umfrage nicht im Landtag vertreten wäre. Selbst CDU, SPD und Grüne kämen gemeinsam lediglich auf 33 Sitze. Nur ein Bündnis aller vier Parteien außerhalb der AfD – CDU, Linke, SPD und Grüne – hätte mit 45 Mandaten eine Mehrheit. Die derzeitige Landesregierung wird noch von CDU, SPD und FDP getragen.
Prognose: Eine AfD-geführte Regierung ist trotz des deutlichen Umfragevorsprungs weniger wahrscheinlich, solange sie keinen Koalitionspartner findet. Am ehesten ist mit langwierigen Verhandlungen über eine CDU-geführte Minderheitsregierung oder ein breites Bündnis zu rechnen. Denkbar wäre eine Regierung aus CDU, SPD und Grünen, die von der Linken toleriert wird. Dafür müssten allerdings bisherige Abgrenzungen zumindest teilweise aufgegeben werden. Sachsen-Anhalt dürfte von den drei Ländern die schwierigste Regierungsbildung bevorstehen.
Mecklenburg-Vorpommern: SPD trotz Platz zwei mit guten Regierungschancen
Im Wahltrend vom 9. Juli liegt die AfD mit 35,7 Prozent vor der SPD mit 28,7 Prozent. Die Linke erreicht 11,7 Prozent und die CDU 9,3 Prozent. Grüne und BSW liegen mit 4,7 beziehungsweise 4,6 Prozent knapp unter der Fünfprozenthürde.
Die theoretische Sitzverteilung sieht 29 Mandate für die AfD, 24 für die SPD, zehn für die Linke und acht für die CDU vor. Bei insgesamt 71 Sitzen wären 36 Mandate für eine Mehrheit notwendig.
Die gegenwärtige Regierung aus SPD und Linken hätte zusammen nur 34 Sitze und würde ihre Mehrheit knapp verlieren. Mecklenburg-Vorpommern wird seit 2021 von diesen beiden Parteien regiert.
Entscheidend könnte das Abschneiden der Grünen werden. Bereits ein geringer Stimmenzuwachs über fünf Prozent würde die gesamte Sitzverteilung verändern und möglicherweise eine Mehrheit für SPD, Linke und Grüne ermöglichen.
Bleiben die Grünen außerhalb des Landtags, wäre eine Koalition aus SPD, Linken und CDU mit 42 Sitzen die naheliegende Mehrheitslösung außerhalb der AfD. Eine rechnerisch mögliche Verbindung von AfD und CDU käme auf 37 Sitze, erscheint angesichts der klaren Absage der CDU an eine Zusammenarbeit mit der AfD jedoch politisch sehr unwahrscheinlich.
Prognose: Trotz des zweiten Platzes dürfte die SPD die besten Aussichten haben, weiterhin die Regierung zu führen. Am wahrscheinlichsten wäre entweder ein Dreierbündnis aus SPD, Linken und CDU oder eine Minderheitsregierung aus SPD und Linken, die bei wichtigen Entscheidungen von der CDU unterstützt wird. Schaffen die Grünen den Einzug, wäre auch eine rot-rot-grüne Regierung möglich.
Berlin: Zwei Bündnisse mit stabiler Mehrheit
Der Berliner Wahltrend vom 23. Juli zeigt ein sehr enges Rennen. Die Linke liegt mit 19,8 Prozent knapp vor der CDU mit 18,9 Prozent. Es folgen die AfD mit 17,7 Prozent, die Grünen mit 16,4 Prozent und die SPD mit 12,6 Prozent. BSW und FDP würden mit jeweils 3,6 Prozent den Einzug verpassen.
Von theoretisch 130 Sitzen erhielte die Linke 30, die CDU 29, die AfD 27, die Grünen 25 und die SPD 19. Für eine Mehrheit wären 66 Mandate erforderlich.
Anders als in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gäbe es in Berlin zwei politisch grundsätzlich realistische Mehrheitsbündnisse. Linke, Grüne und SPD kämen zusammen auf 74 Sitze. CDU, Grüne und SPD verfügten gemeinsam über 73 Mandate.
Die derzeitige schwarz-rote Koalition aus CDU und SPD hätte mit nur 48 Sitzen keine Mehrheit mehr und wäre auf einen dritten Partner angewiesen. Berlin wird aktuell von CDU und SPD regiert.
Damit würden vor allem Grüne und SPD über die künftige Regierung entscheiden. Sie könnten entweder eine linksgeführte Koalition bilden oder gemeinsam mit der CDU die bisherige Regierungsrichtung fortsetzen.
Prognose: Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD erscheint nach dieser Umfrage leicht wahrscheinlicher. Die Linke wäre stärkste Partei und könnte das Amt des Regierenden Bürgermeisters beziehungsweise der Regierenden Bürgermeisterin beanspruchen. Eine Fortsetzung des bisherigen Bündnisses unter Führung der CDU, erweitert um die Grünen, bleibt jedoch eine realistische Alternative. Berlin ist daher politisch offener als Mecklenburg-Vorpommern, aber rechnerisch leichter regierbar als Sachsen-Anhalt.
Gesamtprognose
In Sachsen-Anhalt dürfte die AfD zwar die Wahl gewinnen, wegen fehlender Partner aber voraussichtlich nicht die Regierung führen. Wahrscheinlicher ist eine CDU-geführte Minderheits- oder Mehrparteienregierung.
In Mecklenburg-Vorpommern spricht die Koalitionsarithmetik trotz einer möglichen AfD-Mehrheit bei den Stimmen für eine weiterhin SPD-geführte Landesregierung.
In Berlin hat eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD derzeit einen leichten Vorteil. Ebenso möglich bleibt ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD.
Alle drei Prognosen sind mit erheblicher Unsicherheit verbunden. Besonders die Parteien nahe der Fünfprozenthürde können die Sitzverteilungen stark verändern. In Sachsen-Anhalt betrifft das vor allem die Grünen, in Mecklenburg-Vorpommern Grüne und BSW. Außerdem können sich Umfragen bis zum Wahltag noch deutlich verschieben.
Kommentar hinterlassen