Im Krieg zwischen den USA und dem Iran deutet derzeit wenig auf Entspannung hin. Die US-Armee griff in der Nacht auf Mittwoch zum vierten Mal in Folge Ziele im Iran an. Teheran antwortete mit Attacken auf Einrichtungen in Kuwait, Jordanien und Bahrain.
US-Präsident Donald Trump setzte unterdessen auf seine bevorzugte Form der Diplomatie: eine öffentlich angekündigte nächste Eskalationsstufe.
Sollte der Iran bis kommende Woche keinem Abkommen zustimmen, würden Kraftwerke und Brücken zerstört, erklärte Trump im Fernsehsender Fox News. „Nächste Woche wird es für sie richtig schlimm“, kündigte er an.
Damit erhielt Teheran nicht nur ein Ultimatum, sondern zugleich eine grobe Vorschau auf die militärische Wochenplanung.
Warnung vor Angriffen auf zivile Infrastruktur
Bereits im April hatte Trump mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur im Iran gedroht. Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, warnte damals vor möglichen schweren Verstößen gegen das Völkerrecht.
Angriffe auf Kraftwerke oder Brücken könnten weitreichende Folgen für die Zivilbevölkerung haben. Stromversorgung, Krankenhäuser, Wassersysteme und Verkehrswege wären möglicherweise betroffen – Bereiche, die sich nur schwer mit dem Hinweis beruhigen lassen, eigentlich sei politischer Druck gemeint gewesen.
Die jüngsten US-Angriffe richteten sich nach Angaben des Regionalkommandos Centcom gegen iranische militärische Kapazitäten in der Nähe der Straße von Hormus. Getroffen worden seien unter anderem Raketenstellungen und Luftverteidigungssysteme.
Das US-Militär wirft dem Iran vor, innerhalb einer Woche sieben Handelsschiffe angegriffen zu haben. Dabei seien knapp ein Dutzend Besatzungsmitglieder getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet worden.
Iranische Medien berichteten unterdessen von Explosionen an mehreren Orten. Auch die Insel Hengam soll von US-Geschossen getroffen worden sein.
Iran greift US-Einrichtungen in der Region an
Als Reaktion nahm der Iran erneut Standorte ins Visier, die vom US-Militär genutzt werden. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurden Hangars auf dem jordanischen Luftwaffenstützpunkt al-Asrak angegriffen.
Jordanien erklärte, drei iranische Raketen abgefangen zu haben. Verletzte oder Schäden habe es nicht gegeben.
Die iranische Revolutionsgarde meldete zudem Angriffe auf ein US-Logistikzentrum in Kuwait sowie auf Marineeinrichtungen in Bahrain. Genannt wurden unter anderem ein Kommandozentrum, Lagerhallen und Treibstoffdepots.
Damit verteilt sich der Konflikt inzwischen auf immer mehr Staaten – eine Entwicklung, die in der Militärsprache vermutlich als regionale Ausweitung und außerhalb davon eher als schlechte Nachricht bezeichnet wird.
Mehr als 20 US-Kriegsschiffe im Einsatz
Parallel zu den Luftangriffen nahmen die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen wieder auf. Nach Angaben von Centcom sind mehr als 20 Kriegsschiffe und Hunderte Militärflugzeuge im Nahen Osten im Einsatz.
Das Regionalkommando beschrieb die Streitkräfte als „wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit“. Zur Entspannung der Lage dürfte diese Botschaft nur begrenzt beigetragen haben.
Der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi warf Washington vor, mit der Blockade das zuvor ausgehandelte Rahmenabkommen zu zerstören. Die Revolutionsgarde erklärte wiederum, die Straße von Hormus bleibe gesperrt, bis die USA ihre Angriffe beendeten.
Zudem drohte sie mit der Blockade weiterer bedeutender Schifffahrtswege. Regionale Energieexporte würden entweder allen offenstehen oder niemandem, hieß es.
Eine bemerkenswert konsequente Vorstellung von Gleichbehandlung.
Auch Bab al-Mandab könnte betroffen sein
Analysten halten es für möglich, dass der Iran die mit ihm verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen zur Blockade der Meerenge Bab al-Mandab auffordert. Die Passage verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Routen des internationalen Schiffsverkehrs.
Ein hochrangiger Vertreter der Huthi hatte bereits erklärt, man sei zur Sperrung der Meerenge bereit.
Sollten sowohl Hormus als auch Bab al-Mandab beeinträchtigt werden, wären gleich zwei zentrale Routen für Energie- und Warenlieferungen betroffen. Der Konflikt könnte dann auch weit entfernt von der Region spürbar werden – etwa an Tankstellen, in Lieferketten und dort, wo globale Krisen gewöhnlich zuerst in Preisaufschläge übersetzt werden.
Geplante Gebühr kurzfristig abgesagt
Trump hatte im Zusammenhang mit der Seeblockade zunächst eine zusätzliche US-Gebühr von 20 Prozent auf bestimmte Schiffsfrachten angekündigt. Am Dienstag nahm er diesen Plan überraschend zurück.
Stattdessen sollen Einnahmen nun über Handelsabkommen mit den Golfstaaten erzielt werden. Die militärische Strategie bleibt damit offenbar bestehen, während die dazugehörige Gebührenordnung noch überarbeitet wird.
US-Finanzminister Scott Bessent kündigte zugleich weitere Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor an. Im Zentrum steht nach Angaben Washingtons ein Netzwerk des iranischen Ölhändlers Mohammed Hossein Schamchani.
Außerdem seien digitale Vermögenswerte im Wert von rund 130 Millionen Dollar eingefroren worden, die mit der iranischen Zentralbank in Verbindung stehen sollen.
Rahmenabkommen ohne erkennbaren Rahmen
Noch Mitte Juni hatten sich Washington und Teheran auf ein Rahmenabkommen verständigt, das als Grundlage für weitere Gespräche dienen sollte. Die Verhandlungen kamen jedoch bereits vor den jüngsten Angriffen kaum voran.
Inzwischen blockieren beide Seiten Schifffahrtswege, greifen militärische Einrichtungen an und überbieten einander mit Drohungen.
Der diplomatische Rahmen ist damit zwar noch sprachlich vorhanden. Politisch hängt darin derzeit allerdings kein besonders friedliches Bild.
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