Der Fall gegen den Schauspieler und Regisseur Tim Busfield entwickelt sich zu einem der aufsehenerregendsten Missbrauchsverfahren in der Filmbranche von New Mexico. Gegen den 68-Jährigen wurde Anfang Februar Anklage wegen vier Fällen sexuellen Kontakts mit Minderjährigen erhoben. Der Prozess ist für Mai 2027 angesetzt. Busfield weist die Vorwürfe zurück.
Im Zentrum des Falls stehen Zwillingsbrüder, die als Kinderrollen in der US-Serie „The Cleaning Lady“ mitwirkten. Die beiden Jungen teilten sich die Rolle, wie es bei jungen Darstellern oft üblich ist. Nach Gerichtsunterlagen verdienten sie pro Episode zwischen 25.000 und 30.000 Dollar. Über drei Staffeln hinweg kamen laut Verteidigung rund zwei Millionen Dollar zusammen. Die Familie zog 2022 in ein Haus am Rand von Albuquerque. Nach Angaben aus dem Umfeld soll der Vater Freunden erzählt haben, die Gagen der Kinder hätten den Hauskauf mitfinanziert.
Die Situation änderte sich, als die Jungen im Herbst 2024 aus der Serie ausschieden. Nach Darstellung der Verteidigung seien die Eltern wirtschaftlich stark von den Einkünften ihrer Söhne abhängig gewesen und hätten die Missbrauchsvorwürfe aus Rache konstruiert, nachdem klar geworden sei, dass die Zwillinge nicht weiterbeschäftigt würden. Die Anwälte Busfields sprechen von Manipulation und bestreiten, dass es zu den Taten gekommen sei.
Die Staatsanwaltschaft stützt sich dagegen auf spätere Aussagen der Jungen, auf Notizen aus Therapie und Kinderarztpraxis sowie auf Gespräche mit Ermittlern und Fachkräften. Einer der Jungen soll seinem Therapeuten berichtet haben, Busfield habe ihn mehrfach an Penis und Gesäß berührt. In Unterlagen werden außerdem Albträume, Angstzustände, Bettnässen und Symptome von Belastungsstörungen erwähnt. Ein Ermittler wertete später auch Zeichnungen aus, mit denen die Kinder Situationen beschrieben haben sollen, in denen sie mit Busfield allein gewesen seien.
Auffällig ist: Die ersten polizeilichen Befragungen im November 2024 führten zunächst zu keinem belastenden Ergebnis. Beide Jungen sagten damals, Busfield habe sie nicht missbraucht. Die Polizei stellte den Fall zunächst nicht weiter nach. Erst Monate später, nach neuen Angaben eines Jungen gegenüber seinem Therapeuten, wurde erneut ermittelt. Diese zeitliche Entwicklung gehört nun zu den zentralen Streitpunkten des Verfahrens.
Hinzu kommt, dass die Aussagen im Umfeld des Sets teils deutlich auseinandergehen. Mehrere Crew-Mitglieder sagten laut Ermittlungsunterlagen und Gerichtsakten, die Jungen seien in der Regel nie unbeaufsichtigt gewesen. Andere beschrieben jedoch ein spielerisches Set-Klima mit Umarmungen, Herumalbern und körperlicher Nähe. Busfield selbst erklärte gegenüber der Polizei, es sei möglich, dass er die Jungen vor deren Eltern oder Lehrern hochgehoben oder gekitzelt habe. Er bestreitet jedoch, jemals etwas Unangemessenes getan zu haben.
Die Verteidigung verweist zudem auf die Vorgeschichte der Eltern. Nach Gerichtsunterlagen verlor der Vater in Kalifornien seine Anwaltszulassung und verbüßte eine Haftstrafe in einem Betrugsfall. Die Mutter soll in Nevada wegen ungedeckter Schecks und Spielschulden mit zivilrechtlichen Forderungen konfrontiert gewesen sein. Für Busfields Anwälte ist das ein Baustein ihrer Strategie, die Glaubwürdigkeit der Familie anzugreifen.
Gleichzeitig belastet eine weitere Entwicklung den Schauspieler zusätzlich: Nach seiner Festnahme meldeten sich mehrere Frauen mit früheren Vorwürfen gegen ihn. Sie schilderten angeblich grenzüberschreitendes oder sexualisiertes Verhalten aus den Jahren 1993 bis 2019. Zu Anklagen führten diese Aussagen bislang nicht. Die Verteidigung bezeichnet sie als unbewiesen und für das aktuelle Verfahren irrelevant.
Busfields Ehefrau, Schauspielerin Melissa Gilbert, stellt sich öffentlich hinter ihren Mann. Sie erklärte in Interviews, sie halte ihn für einen ehrenhaften und fürsorglichen Menschen und könne sich nicht vorstellen, dass er einem Kind Schaden zufüge. Zugleich betonte sie, dass sie keinerlei Nachsicht hätte, sollte sich so etwas als wahr erweisen.
Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall typisch für Missbrauchsverfahren mit Kindern: wenig klassische Beweise, keine klaren Spuren wie in Tötungsdelikten, stattdessen widersprüchliche Erinnerungen, spätes Offenbaren und die Frage, ob Aussagen beeinflusst wurden oder nicht. Genau das macht solche Verfahren juristisch so schwierig. Am Ende steht häufig Aussage gegen Aussage – und die Aufgabe des Gerichts, zwischen Verdacht, Verteidigung, Verzögerung und möglicher Traumafolgen zu unterscheiden.
Der Fall Busfield ist deshalb nicht nur ein Strafprozess gegen einen bekannten Fernsehregisseur. Er ist auch ein Lehrstück darüber, wie schwer sexuelle Gewalt gegen Kinder aufzuklären ist – besonders dann, wenn Ruhm, Geld, Familieninteressen und widersprüchliche Aussagen aufeinandertreffen. Bis zu einem Urteil gilt für Busfield die Unschuldsvermutung.
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