Die Hamburger Genossenschaft „The Generation Forest eG“ präsentiert sich als nachhaltiges Aufforstungsprojekt mit langfristigem ökologischen und wirtschaftlichen Anspruch. Anleger finanzieren über Genossenschaftsanteile den Kauf und die Bewirtschaftung tropischer Mischwälder, vor allem in Panama. Die Idee klingt modern, grün und gesellschaftlich attraktiv. Der Jahresabschluss 2024 zeigt jedoch, dass Anleger die wirtschaftliche Realität nüchtern betrachten sollten.
Geschäftsmodell funktioniert nur bei dauerhaftem Kapitalzufluss
Die Genossenschaft beschreibt selbst offen, dass sie sich weiterhin in „Phase 1“ befinde. Bedeutet konkret: Es werden praktisch keine operativen Erträge erzielt. Das gesamte Modell basiert derzeit fast ausschließlich auf neuen Mitgliedereinzahlungen.
Erst in rund 20 Jahren sollen erste relevante Holzerträge entstehen. Bis dahin lebt das Modell davon, dass ständig neue Mitglieder gewonnen werden und frisches Kapital zufließt.
Das erinnert aus Investorensicht weniger an ein klassisches renditeorientiertes Unternehmen als an einen langfristigen Kapitalpool mit ungewissem Exit-Zeitpunkt.
Auffällig: Fast 3,75 Millionen Euro offene Mitgliedseinzahlungen
Besonders kritisch wirkt die Position:
- „Rückständige fällige Einzahlungen auf Geschäftsanteile“
- 2024: 3,75 Mio. Euro
- Vorjahr: 4,39 Mio. Euro
Das bedeutet:
Ein erheblicher Teil des bilanzierten Eigenkapitals wurde von Mitgliedern noch gar nicht vollständig eingezahlt.
Für Anleger ist das ein Warnsignal. Denn bilanziell wirkt das Eigenkapital solide, tatsächlich besteht aber ein relevanter Teil aus offenen Zahlungsansprüchen gegen Mitglieder.
Sollten Mitglieder ausfallen oder Ratenzahlungen nicht leisten können, könnte sich die Finanzierungslage schnell verschlechtern.
Kaum Liquidität im Verhältnis zur Bilanzsumme
Die Bilanzsumme liegt bei rund 25,9 Mio. Euro. Das Umlaufvermögen beträgt dagegen lediglich rund 553.000 Euro.
Die tatsächliche kurzfristige Liquiditätsreserve erscheint damit sehr überschaubar.
Gleichzeitig wurden über 20 Mio. Euro als langfristige Ausleihungen an verbundene Gesellschaften in Panama vergeben:
- Waldmenschen S.A.: 18,69 Mio. Euro
- Forestal Filo del Tallo S.A.: 1,41 Mio. Euro
Für Anleger entsteht dadurch ein erhebliches Klumpenrisiko.
Panama-Strukturen erhöhen Risiko
Der Großteil der Investitionen fließt in panamaische Gesellschaften. Genau hier liegt ein zentraler Risikofaktor.
Denn:
- Panama gilt rechtlich und steuerlich als komplexe Jurisdiktion
- Durchsetzung von Anlegerrechten ist schwierig
- Transparenzstandards unterscheiden sich deutlich von Deutschland
- Bewertung von Grundstücken und Forstprojekten ist schwer nachvollziehbar
Besonders auffällig:
Die ausgewiesenen Eigenkapitalwerte der Tochtergesellschaften erscheinen im Verhältnis zu den vergebenen Darlehen extrem niedrig.
Beispiel:
Die fusionierte Waldmenschen S.A. weist laut Abschluss lediglich ein Eigenkapital von rund 29.552 USD aus – obwohl die deutsche Genossenschaft dort fast 19 Mio. Euro als Ausleihungen bilanziert.
Das wirft zwangsläufig Fragen zur wirtschaftlichen Werthaltigkeit der Forderungen auf.
Keine klassischen Erträge erkennbar
Die Genossenschaft beschäftigt inzwischen 11 Mitarbeiter, erzielt aber weiterhin praktisch keine operative Rendite.
Das Modell ist vollständig auf die Hoffnung zukünftiger Holzerlöse ausgelegt.
Problematisch dabei:
- Holzpreise in 20 Jahren sind nicht kalkulierbar
- Klimarisiken steigen
- politische Risiken in Mittelamerika bleiben bestehen
- Währungsrisiken kommen hinzu
- Aufforstungsprojekte unterliegen biologischen Unsicherheiten
Damit hängt der wirtschaftliche Erfolg von einer Vielzahl externer Faktoren ab, die heute kaum seriös prognostizierbar sind.
Positiv: Niedrige Verbindlichkeiten
Positiv zu bewerten ist:
Die klassischen Finanzverbindlichkeiten sind mit rund 64.000 Euro sehr gering.
Die Genossenschaft arbeitet also aktuell nicht stark fremdfinanziert.
Allerdings ersetzt dies keine nachhaltige operative Profitabilität.
Anleger sollten das Modell eher als langfristiges Impact-Investment verstehen
Aus Anlegersicht ist entscheidend:
Wer bei The Generation Forest investiert, sollte dies nicht als klassische Kapitalanlage mit kalkulierbarer Rendite betrachten.
Es handelt sich eher um:
- ein ökologisch motiviertes Langfristprojekt
- mit hohem unternehmerischem Risiko
- geringer Liquidität
- sehr langem Kapitalbindungszeitraum
- und erheblichen Unsicherheiten bezüglich späterer Ausschüttungen
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit wird sich letztlich erst in vielen Jahren zeigen.
Fazit
The Generation Forest eG verfolgt zweifellos ein gesellschaftlich und ökologisch interessantes Konzept. Die Bilanz 2024 zeigt jedoch deutlich, dass Anleger derzeit vor allem eine Vision finanzieren – keine profitabel arbeitende Unternehmensstruktur.
Besonders kritisch erscheinen:
- die hohen offenen Mitgliedseinzahlungen,
- die starken Kapitalbindungen in Panama,
- die geringe kurzfristige Liquidität,
- sowie die Abhängigkeit von zukünftigen Holzerlösen in mehreren Jahrzehnten.
Wer investiert, sollte dies daher primär als langfristiges Nachhaltigkeitsengagement mit spekulativem Charakter verstehen – und nicht als klassische sichere Vermögensanlage.
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