Seit Jahren beschäftigt das Verschwinden des Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub Ermittler, Journalisten und die Öffentlichkeit. Offiziell gilt der Milliardär seit April 2018 als verschollen, nachdem er während einer Skitour in den Schweizer Alpen spurlos verschwand. Doch hinter den Kulissen des Konzerns scheint man schon früh an eine ganz andere Geschichte geglaubt zu haben.
Jetzt rückt der Fall erneut in den Mittelpunkt — und plötzlich steht auch Karl-Erivans Bruder Christian Haub unter Druck.
Die Staatsanwaltschaft greift ein
Auslöser der neuen Entwicklungen ist eine eidesstattliche Versicherung, die Christian Haub im Jahr 2021 abgegeben hatte. Darin soll er erklärt haben, es gebe keine konkreten Hinweise darauf, dass sein Bruder noch lebt.
Doch genau das wird nun offenbar massiv infrage gestellt.
Investigativjournalistin Liv von Bötticher, die seit Jahren zu dem Fall recherchiert, spricht von einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die „völlig richtig“ sei. Überraschend sei vor allem gewesen, dass Christian Haub die Erklärung damals überhaupt abgegeben habe. Denn intern habe es längst zahlreiche Hinweise gegeben, die gegen einen tödlichen Unfall gesprochen hätten.
Bereits 2018 glaubten interne Ermittler offenbar nicht an einen Unfall
Besonders brisant:
Schon wenige Tage nach dem Verschwinden sollen interne Sicherheitsleute des Tengelmann-Konzerns das Szenario eines absichtlichen Verschwindens für wahrscheinlich gehalten haben.
Laut den Recherchen wurde bereits am 14. April 2018 — also nur eine Woche nach dem Verschwinden — intern davon ausgegangen, dass Karl-Erivan Haub mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht tödlich verunglückt sei.
Stattdessen soll man gezielt nach Kontakten des Unternehmers in Russland gesucht haben.
Dazu existieren offenbar interne Dokumente aus dem Jahr 2018.
Millionen für geheime Ermittlungen
In den Jahren danach sollen umfangreiche interne Nachforschungen erfolgt sein — offenbar mit erheblichem finanziellen Aufwand.
Die Ermittlungen liefen laut den Aussagen:
- im Auftrag des Konzerns,
- teilweise direkt für Christian Haub,
- und mit Unterstützung externer Sicherheitsfirmen.
Im Mittelpunkt stand offenbar immer wieder dieselbe Frage:
Lebt Karl-Erivan Haub möglicherweise in Russland?
Besonders geheimnisvoll klingt dabei eine Aussage aus dem Umfeld der Ermittlungen:
Man habe zeitweise geglaubt, kurz vor dem „finalen Beweis“ für ein Fortleben zu stehen.
Die Spur führt nach Moskau
Dieser angebliche Beweis soll mit Hilfe biometrischer Überwachungssysteme in Moskau gesucht worden sein.
Laut den Recherchen wurden dort offenbar Fotos ausgewertet, die Karl-Erivan Haub zeigen könnten. Diese Bilder seien später sogar durch Gutachten überprüft worden.
Sollten sich diese Informationen bestätigen, hätte das dramatische Folgen:
Denn dann wäre die Darstellung eines tödlichen Unglücks möglicherweise jahrelang auf äußerst wackliger Grundlage aufgebaut gewesen.
Zufälle — oder ein inszeniertes Verschwinden?
Der Fall wirkt inzwischen wie ein Wirtschaftskrimi:
- ein milliardenschwerer Unternehmer verschwindet spurlos,
- interne Ermittler zweifeln früh an einem Unfall,
- es gibt Russland-Spuren,
- geheime Ermittlungen,
- biometrische Analysen
- und nun staatsanwaltschaftliche Untersuchungen gegen den Bruder.
Die entscheidende Frage lautet:
Wusste Christian Haub mehr, als er öffentlich eingeräumt hat?
Genau darum scheint es nun zu gehen.
Ein Familienimperium unter Druck
Für den Tengelmann-Konzern ist die Affäre hochsensibel.
Denn Karl-Erivan Haub galt als einer der wichtigsten Unternehmer Deutschlands. Nach seinem Verschwinden übernahm sein Bruder Christian zunehmend die Kontrolle über das Familienimperium.
Sollte sich herausstellen, dass intern deutlich mehr Hinweise auf ein mögliches Fortleben existierten als bislang bekannt, könnte das nicht nur juristische — sondern auch massive wirtschaftliche und familiäre Folgen haben.
Das Rätsel bleibt ungelöst
Bis heute gibt es keinen endgültigen Beweis dafür, was tatsächlich mit Karl-Erivan Haub geschah.
War es:
- ein tragischer Skiunfall,
- ein geplanter Neuanfang,
- oder eines der spektakulärsten freiwilligen Verschwindensfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte?
Mit jeder neuen Enthüllung wirkt der Fall mysteriöser.
Und die vielleicht beunruhigendste Frage bleibt:
Was wusste die Familie wirklich?
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