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„Taiwan Travelogue“ gewinnt den International Booker Prize

GDJ (CC0), Pixabay
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Ein Roman über Essen, Reisen, Kolonialgeschichte und verbotene Liebe hat den diesjährigen International Booker Prize gewonnen. „Taiwan Travelogue“ der taiwanischen Autorin Yang Shuang-zi ist damit das erste aus dem Mandarin-Chinesischen übersetzte Werk, das den renommierten Literaturpreis erhält.

Übersetzt wurde das Buch von der taiwanisch-amerikanischen Übersetzerin Lin King, die sich das Preisgeld mit der Autorin teilt.

Eine Liebesgeschichte im Taiwan der 1930er Jahre

Der Roman spielt im Taiwan der 1930er Jahre, als die Insel unter japanischer Herrschaft stand.

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen:
die japanische Schriftstellerin Aoyama Chizuko und ihre taiwanische Übersetzerin O Chizuru. Gemeinsam reisen sie durch Taiwan, entdecken die Küche des Landes — und entwickeln Gefühle füreinander.

Das Buch verbindet dabei:

  • Kulinarik,
  • Reiseliteratur,
  • politische Geschichte
  • und persönliche Sehnsucht.

Viele hielten das Buch zunächst für ein echtes historisches Dokument

Besonders ungewöhnlich:
„Taiwan Travelogue“ ist wie die Übersetzung eines wiederentdeckten historischen Reiseberichts aufgebaut — inklusive fiktiver Fußnoten und literarischer Kommentare.

Als das Buch 2020 erschien, glaubten viele Leser zunächst tatsächlich, es handle sich um ein echtes historisches Werk.

Die Jury lobte den Roman als:
„raffiniert, intelligent und faszinierend.“

Essen als Zugang zu Geschichte und Kultur

Im Zentrum des Romans steht immer wieder das Essen.

Die Gerichte, Märkte und kulinarischen Begegnungen werden dabei nicht nur als Genuss beschrieben, sondern auch als Ausdruck von:

  • Identität,
  • Kultur,
  • Machtverhältnissen
  • und Erinnerung.

Autorin Yang Shuang-zi erklärte scherzhaft, die Recherche für das Buch habe ihr Leben in zwei Punkten verändert:
„Meine Ersparnisse wurden weniger — mein Gewicht mehr.“

Zwischen kolonialer Unterdrückung und Lebensfreude

Übersetzerin Lin King betonte, sie habe besonders geschätzt, dass der Roman trotz der schwierigen historischen Zeit nicht nur Leid und Unterdrückung zeige.

Auch unter kolonialer Herrschaft habe es weiterhin:

  • Humor,
  • gutes Essen,
  • Liebe,
  • Filme,
  • kleine Alltagsstreitigkeiten
  • und Lebensfreude gegeben.

Eine Kultur allein auf ihr Trauma zu reduzieren, werde den Menschen nicht gerecht.

Bedeutender Erfolg für taiwanische Literatur

Der Gewinn des International Booker Prize gilt auch als wichtiger Moment für die internationale Wahrnehmung taiwanischer Literatur.

Die Originalfassung hatte bereits in Taiwan hohe Auszeichnungen erhalten, darunter den renommierten Golden Tripod Award. Die englische Übersetzung gewann zudem den National Book Award für übersetzte Literatur.

Literatur als kulturelle Brücke

Die Jury hob ausdrücklich auch die Bedeutung von Übersetzungen hervor.

Gerade in einer Zeit geopolitischer Spannungen könne Literatur helfen, kulturelle Perspektiven sichtbar zu machen, die international oft wenig Aufmerksamkeit erhalten.

„Taiwan Travelogue“ zeigt dabei nicht nur eine Liebesgeschichte —
sondern auch, wie eng:

  • Sprache,
  • Erinnerung,
  • Essen
  • und Geschichte miteinander verbunden sein können.

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