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Das Geschäft mit dem Gold

qimono (CC0), Pixabay
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Warum der Goldboom Gewinner schafft – und Verlierer zurücklässt

Gold glänzt wie kaum ein anderer Rohstoff. In Krisenzeiten flüchten Anleger in das Edelmetall, Zentralbanken kaufen tonnenweise Gold, Schmuckgeschäfte werben mit Wertbeständigkeit und Sicherheit. Der Goldpreis erreicht seit Jahren neue Rekorde. Doch hinter dem Boom steckt eine Realität, die oft verdrängt wird: Für viele Menschen bedeutet Gold nicht Wohlstand, sondern harte Arbeit, Lebensgefahr und soziale Ungleichheit.

Die Dokumentation „Das Geschäft mit dem Gold – Wer zahlt den Preis?“ zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Welt des Goldes aussieht – vom Schlammloch auf den Philippinen bis zu den Hochsicherheitstresoren der Schweiz.

Gold als letzte Hoffnung

Auf den Philippinen beginnt die Geschichte des Goldes nicht in Banken oder Schmuckläden, sondern tief im Schlamm.

In der kleinen Küstenstadt Paracale leben zahlreiche Familien vom Goldabbau. Große Industrieanlagen sucht man dort vergeblich. Stattdessen graben sogenannte Kleinschürfer unter extrem gefährlichen Bedingungen nach Gold.

Einer von ihnen ist Saldi. Seit 15 Jahren taucht er in dunkle, metertiefe Schlammlöcher. Die Luftversorgung erfolgt über alte Kompressoren und Schläuche. Fällt die Technik aus, droht der Tod.

„Unten ist es kalt und dunkel. Man sieht überhaupt nichts“, erzählt Saldi. „Manchmal bekomme ich dort unten wirklich Angst.“

Die Gefahr ist allgegenwärtig:

  • einstürzende Schlammgruben,
  • Sauerstoffmangel,
  • giftige Dämpfe,
  • schwere Unfälle.

Trotzdem bleibt den Menschen oft keine Alternative. Arbeit gibt es kaum.

Vier Stunden unter Wasser – für 25 Euro

Der Goldabbau ist Knochenarbeit. Stundenlang bleibt Saldi unter Wasser, füllt Schlamm in Säcke, die seine Familie nach oben zieht. Ob sich die Mühe lohnt, weiß niemand.

An manchen Tagen finden sie gar nichts.

Selbst an einem „guten Tag“ bleibt am Ende nur ein winziges Goldkügelchen übrig. Der Ertrag: umgerechnet etwa 25 Euro, aufgeteilt unter mehreren Familienmitgliedern.

Für Saldi reicht sein Anteil gerade:

  • für Reis,
  • etwas Kaffee
  • und Lebensmittel für einen Tag.

„Wir müssen jeden Tag arbeiten, damit wir Geld für das Nötigste haben“, sagt er.

Vom weltweiten Goldboom kommt bei den Goldschürfern kaum etwas an.

Giftiger Preis des Goldes

Besonders erschreckend ist der Umgang mit Quecksilber.

Mit dem hochgiftigen Metall werden die feinen Goldpartikel aus dem Schlamm gelöst. Anschließend wird das Gemisch erhitzt – dabei entstehen gefährliche Dämpfe, die Organe und Nervensystem schädigen können.

Den Menschen vor Ort ist das Risiko bewusst. Doch sie sehen keine andere Möglichkeit.

„Ich weiß, dass es gefährlich ist“, sagt Saldi, „aber wir wissen nicht, womit wir das Gold sonst binden könnten.“

Der Traum von einer besseren Zukunft

Besonders tragisch wird die Situation in Saldís Familie sichtbar.

Seine Tochter Nika musste die Schule abbrechen, weil die Familie das Geld nicht mehr aufbringen kann.

Der Vater wünscht sich deshalb vor allem eines:
Dass seine Kinder niemals Goldschürfer werden müssen.

„Es tut mir weh zu sehen, dass meine Kinder die Schule nicht abschließen können“, sagt er.

Gold steht hier nicht für Reichtum, sondern für das tägliche Überleben.

Die Schweiz verdient am Gold

Während Menschen auf den Philippinen ihr Leben riskieren, wird das Gold in der Schweiz weiterverarbeitet.

Die Schweiz zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Drehscheiben des internationalen Goldhandels. Mehrere der größten Goldraffinerien der Welt befinden sich dort.

Hinter hohen Sicherheitszäunen, Kameras und diskreten Produktionshallen entstehen aus Rohgold:

  • Goldbarren,
  • Anlageprodukte
  • und Schmuck.

Gold gilt in der Finanzwelt als sichere Anlage. Besonders in Krisenzeiten steigt die Nachfrage.

Ein Händler erklärt:
„Gold ist die sicherste und stabilste Wertanlage im langen Horizont.“

Vor allem Zentralbanken hätten in den vergangenen Jahren massiv Gold gekauft – insbesondere wegen der Unsicherheit rund um den Dollar.

Dreckiges Gold und saubere Gewinne?

Doch der Goldhandel hat eine dunkle Seite.

Der Antikorruptionsexperte Marc Pieth spricht offen über sogenanntes „dreckiges Gold“.

Dazu gehören:

  • Umweltzerstörung,
  • Kinderarbeit,
  • organisierte Kriminalität,
  • Bürgerkriege
  • und illegale Minen.

Besonders drastisch sei die Situation etwa im Sudan, wo Konfliktparteien ihren Krieg mit Gold finanzieren.

Auch die Geschichte der Schweizer Goldindustrie sei problematisch:
Bereits während der NS-Zeit sei geraubtes Gold über die Schweiz gehandelt worden.

Die Raffinerien betonen heute zwar ihre strengen Kontrollen und Rückverfolgbarkeitssysteme. Kritiker bleiben dennoch skeptisch.

Denn sobald Gold mehrfach eingeschmolzen wurde, lässt sich seine Herkunft oft kaum noch eindeutig nachvollziehen.

Gold als soziale Last in Indien

In Indien wiederum hat Gold eine ganz andere Bedeutung.

Dort gilt Goldschmuck traditionell als Teil der Mitgift bei Hochzeiten. Familien sparen oft jahrzehntelang, um ihren Töchtern genügend Gold mitgeben zu können.

Doch der starke Preisanstieg bringt viele Familien an ihre Grenzen.

Eine Familie mit fünf Töchtern berichtet offen über ihre Sorgen:
Früher sei Gold noch bezahlbar gewesen. Heute werde es immer schwieriger, genug Schmuck für die Hochzeiten aufzubringen.

Die jungen Frauen sehen die Entwicklung kritisch.

„Eltern junger Männer, die viel Gold fordern, sind unmenschlich“, sagt eine Tochter.

Der Goldpreis entscheidet hier oft mit über soziale Chancen und Heiratsperspektiven.

Luxus für die einen – Existenzkampf für die anderen

Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll den Widerspruch rund um Gold:
Für Anleger ist Gold ein Symbol für Sicherheit und Vermögen.
Für viele Menschen am Anfang der Lieferkette bedeutet Gold dagegen:

  • Risiko,
  • Armut
  • und gesundheitliche Gefahren.

Während in Zürich Goldbarren im Wert von Hunderttausenden Franken verkauft werden, kämpfen Familien auf den Philippinen ums tägliche Essen.

Gold bleibt begehrt

Trotz aller Probleme dürfte die Nachfrage weiter steigen.

Krisen, geopolitische Spannungen und Inflationsängste treiben den Goldpreis immer weiter nach oben. Viele Experten gehen davon aus, dass Gold langfristig wertvoll bleibt.

Doch die zentrale Frage bleibt:
Wer zahlt den Preis für diesen Boom?

Die Antwort liefert die Dokumentation eindrucksvoll:
Oft sind es diejenigen, die vom Gold am wenigsten profitieren.

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