In der Pariser Vorstadt Saint-Denis haben Tausende Menschen ein starkes und wichtiges Signal gesetzt: gegen Rassismus, gegen Hass und gegen die widerliche Hetze gegen den neuen Bürgermeister Bally Bagayoko.
Vor dem Rathaus der multikulturell geprägten Stadt versammelten sich zahlreiche Demonstrierende, um dem frisch gewählten Bürgermeister den Rücken zu stärken – und um deutlich zu machen, dass rassistische Ausfälle in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben dürfen. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen:
„Nein zum Hass, Nein zum Rassismus“ sowie
„Wir wollen viele schwarze Bürgermeister gegen die braune Pest“.
Diese Bilder aus Saint-Denis sind mehr als nur ein lokaler Protest. Sie sind ein überfälliges gesellschaftliches Signal in einem Frankreich, das sich noch immer viel zu schwer damit tut, seinen alltäglichen und strukturellen Rassismus offen zu benennen.
Ein Bürgermeister wird gewählt – und sofort rassistisch attackiert
Bally Bagayoko, Sohn malischer Eltern und im Großraum Paris geboren, wurde im März zum Bürgermeister von Saint-Denis gewählt. Damit ist er der erste schwarze Bürgermeister einer Großstadt dieser Größenordnung in Frankreich – einer Stadt mit rund 150.000 Einwohnern, geprägt von Vielfalt, Migration und sozialer Realität.
Doch statt diese Wahl als demokratischen Fortschritt zu begreifen, reagierten Teile des rechten und rassistischen Milieus mit dem, was sie offenbar am besten können:
Beleidigungen, Hetze und menschenverachtende Entgleisungen.
Seit seiner Wahl wird Bagayoko im Internet rassistisch attackiert. Besonders schockierend war eine Äußerung in einem rechtsgerichteten TV-Umfeld, in der im Zusammenhang mit Bagayoko von Affenabstammung und „Stammeschefs“ gesprochen wurde.
Man muss das klar benennen:
Das ist nicht „Provokation“. Das ist kein „zugespitzter Kommentar“. Das ist blanker Rassismus.
Saint-Denis zeigt Haltung – und das ist richtig so
Dass nun Tausende Menschen auf die Straße gegangen sind, ist deshalb nicht nur nachvollziehbar, sondern ausdrücklich zu begrüßen.
Denn wer zu Rassismus schweigt, macht ihn salonfähig.
Wer ihn relativiert, normalisiert ihn.
Und wer ihn politisch duldet, trägt Mitverantwortung.
Bagayoko selbst warf Präsident Emmanuel Macron vor, beim Thema Rassismus auffällig still zu bleiben. Ein harter Vorwurf – aber einer, der in der aktuellen Lage nicht aus der Luft gegriffen wirkt.
Denn wenn ein demokratisch gewählter Bürgermeister öffentlich rassistisch entmenschlicht wird und aus dem Élysée-Palast kein klares, unmissverständliches Signal kommt, dann darf man sich schon fragen:
Wo ist eigentlich die republikanische Entschlossenheit, von der in Sonntagsreden immer so gerne gesprochen wird?
Rassismus ist kein Randproblem – sondern ein demokratischer Stresstest
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Das ist richtig und notwendig.
Aber Strafverfolgung allein reicht nicht.
Der Fall Bagayoko zeigt einmal mehr, dass Rassismus in Frankreich eben kein Randphänomen ist, sondern ein tief sitzendes gesellschaftliches Problem – angeheizt von Teilen der politischen Rechten, verstärkt durch mediale Plattformen, die aus Hetze Einschaltquote machen, und verharmlost von jenen, die sich lieber wegducken.
Gerade deshalb ist die Demonstration in Saint-Denis so wichtig.
Sie zeigt:
- Demokratie lässt sich nicht von Rassisten einschüchtern
- Vielfalt ist kein Problem, sondern Realität
- und ein schwarzer Bürgermeister ist keine Provokation, sondern ein völlig normaler Ausdruck demokratischer Repräsentation
Unser Fazit
Die Demonstration in Saint-Denis war ein notwendiges und starkes Zeichen.
Nicht Bally Bagayoko muss sich rechtfertigen.
Rechtfertigen müssen sich diejenigen, die meinen, Hautfarbe sei in einer Demokratie noch immer ein Anlass für Hass und Herabwürdigung.
Frankreich braucht nicht weniger, sondern mehr Politiker wie Bagayoko – und vor allem mehr Menschen, die öffentlich widersprechen, wenn Rassismus wieder einmal seine hässliche Fratze zeigt.
Denn eines ist klar:
Wer heute gegen einen schwarzen Bürgermeister hetzt, greift nicht nur eine Person an – sondern die Idee der demokratischen Gleichheit selbst.
Kommentar hinterlassen