Startseite Interviews Swiss Gold Treuhand AG – Interview mit Rechtsanwalt Kerstin Bontschev aus Dresden
Interviews

Swiss Gold Treuhand AG – Interview mit Rechtsanwalt Kerstin Bontschev aus Dresden

styles66 (CC0), Pixabay
Teilen

Interviewer: Frau Rechtsanwältin Bontschev, Sie waren kürzlich in Zug, um die Situation rund um die SGT AG zu untersuchen. Was haben Sie dort vorgefunden?

Kerzin Bontschev: Was wir vorfanden, war äußerst beunruhigend. Die SGT AG hatte kein eigenes Büro, sondern lediglich einen Briefkasten in einem System mit 35 weiteren Briefkastenfirmen. Ein tatsächliches Büro war nicht vorhanden.

Interviewer: Wie sah es bei der Revisionsstelle aus?

Kerzin Bontschev: Auch dort fanden wir nur einen Briefkasten vor. In den angeblichen Büroräumen trafen wir lediglich eine Sekretärin an, aber keine Mitarbeiter oder Akten. Man teilte uns mit, dass die Buchhaltungsunterlagen von einer nicht näher benannten Mitarbeiterin der SGT AG abgeholt und zu einer unbekannten Gesellschaft in Zürich gebracht worden seien.

Interviewer: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Kerzin Bontschev: Aufgrund dieser Umstände gehen wir davon aus, dass hier eine Kriminalinsolvenz vorliegt.

Interviewer: Wie hat die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA reagiert?

Kerzin Bontschev: Auf unser Betreiben hin hat die FINMA einen Untersuchungsbeauftragten eingesetzt. Dieser hat nun Einzelunterschriftbefugnis und vertritt die Gesellschaft anstelle der bisherigen Organe. Dem Verwaltungsrat wurde mit einer superprovisorischen Verfügung vom 11.06.2024 die Verfügungsbefugnis entzogen.

Interviewer: Welche Schritte haben Sie für Ihre Mandanten unternommen?

Kerzin Bontschev: Wir haben das Konkursamt über die Höhe der Forderungen unserer Mandanten informiert. Zudem haben wir uns mit dem von der FINMA eingesetzten Untersuchungsbeauftragten in Verbindung gesetzt.

Interviewer: Wie hat das Obergericht die Situation eingeschätzt?

Kerzin Bontschev: Das Obergericht hat die Beschwerde der SGT AG gegen die Konkurseröffnung zurückgewiesen. Es sah die vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahmen als nicht erfolgversprechend an. Besonders kritisch wurde gesehen, dass 90 Millionen CHF an Kundenverbindlichkeiten einem Bankguthaben von nur etwa 5 Millionen CHF gegenüberstehen.

Interviewer: Gibt es noch weitere besorgniserregende Details?

Kerzin Bontschev: Ja, einige. Zum Beispiel gab die SGT AG an, monatliche Kosten von 140.000 CHF auf 15.000 CHF reduziert zu haben. Es ist uns schleierhaft, wozu eine Briefkastenfirma überhaupt so hohe monatliche Kosten hatte. Zudem gibt es Hinweise auf dubiose Finanzströme, etwa ein Konto in Dubai mit 35 Millionen CHF und Zahlungen, die nach Burkina Faso umgeleitet wurden.

Interviewer: Wie ist die aktuelle Situation der SGT AG?

Kerzin Bontschev: Die Gesellschaft ist eindeutig überschuldet. Es gibt über 900 Gläubiger, und die Sanierungsaussichten werden vom Gericht als sehr gering eingeschätzt. Die Lage ist für die Gläubiger äußerst ernst.

Interviewer: Vielen Dank für diese aufschlussreichen Informationen, Frau Bontschev.

Kerzin Bontschev: Gerne. Wir werden die Situation weiterhin genau beobachten und im Interesse unserer Mandanten handeln.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Interviews

Gescheiterte Traumreise wegen Behördenfehler? Bundesgerichtshof verhandelt brisanten Fall

Der Bundesgerichtshof wird sich am 11. Juni 2026 mit einem Fall beschäftigen,...

Interviews

Interview mit Rechtsanwalt Daniel Blazek zur Bafin-Geldbuße gegen Van Lanschot Kempen

diebewertung.de: Herr Blazek, die Bafin hat gegen Van Lanschot Kempen Investment Management...

Interviews

TGI AG:„Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, könnte ein sehr großer Haftungskomplex entstehen“

Im Gespräch erläutern Rechtsanwalt Maurice Högel und Rechtsanwalt Niklas Linnemann, welche rechtlichen...

Interviews

Interview mit Rechtsanwalt Maurice Högel von der Kanzlei BEMK

„Steuervorteile und Renditeversprechen dürfen niemals den Blick auf die Risiken verstellen“ Investitionen...