Startseite Interviews Bürgersolarpark Memmelsdorf: Nachhaltige Geldanlage oder unterschätztes Verlustrisiko?
Interviews

Bürgersolarpark Memmelsdorf: Nachhaltige Geldanlage oder unterschätztes Verlustrisiko?

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
Teilen

Die Werbung klingt verlockend: 4 Prozent feste Verzinsung, regionale Energiewende, Einstieg ab 500 Euro und ein Solarpark direkt vor der Haustür. Doch Anleger sollten sich nicht nur von Begriffen wie „nachhaltig“, „regional“ oder „Bürgerbeteiligung“ leiten lassen.

Denn bei dem Angebot handelt es sich um ein Nachrangdarlehen der SÜDWERK Solar Portfolio 8 GmbH – und genau darin liegt das entscheidende Risiko.

Was bedeutet Nachrangdarlehen?

Ein Nachrangdarlehen ist keine klassische Spareinlage und auch kein Festgeld. Anleger verleihen ihr Geld einem Unternehmen und erhalten dafür Zinsen. Gerät das Unternehmen jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten oder wird insolvent, stehen Nachrangdarlehensgeber ganz hinten in der Reihe der Gläubiger.

Zunächst werden Banken, Finanzamt, Sozialversicherungsträger und andere Gläubiger bedient. Erst wenn danach noch Vermögen vorhanden ist, erhalten Anleger möglicherweise Geld zurück.

Die Praxis zeigt jedoch: In vielen Insolvenzverfahren bleibt für Nachranggläubiger nichts mehr übrig.

Totalverlust ist möglich

Auch wenn die Werbung die Rendite von 4 Prozent hervorhebt, sollten Anleger den gesetzlich vorgeschriebenen Risikohinweis ernst nehmen: Ein vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Wer beispielsweise 10.000 Euro investiert, muss sich bewusst sein, dass im schlimmsten Fall nicht nur die Zinsen ausbleiben, sondern auch das gesamte investierte Geld verloren gehen kann.

Die Rendite im Verhältnis zum Risiko

4 Prozent pro Jahr wirken auf den ersten Blick attraktiv. Die entscheidende Frage lautet jedoch:

Ist eine Verzinsung von 4 Prozent ausreichend, um das Risiko eines möglichen Totalverlusts zu kompensieren?

Diese Frage muss jeder Anleger für sich selbst beantworten.

Positiv zu bewerten

Auf der anderen Seite steht ein reales Infrastrukturprojekt. Der Solarpark in Memmelsdorf soll jährlich rund 22 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energiewende leisten.

Wer investiert, unterstützt somit unmittelbar den Ausbau erneuerbarer Energien in seiner Region.

Fazit

Der Bürgersolarpark Memmelsdorf ist keine klassische Geldanlage, sondern eine unternehmerische Beteiligung mit Nachrangrisiko. Die Kombination aus regionalem Nutzen, Nachhaltigkeit und festen Zinsen ist attraktiv. Anleger sollten jedoch niemals vergessen:

„Bürgerbeteiligung“ bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Wer in ein Nachrangdarlehen investiert, trägt ein unternehmerisches Risiko bis hin zum Totalverlust seines eingesetzten Kapitals.

Die wichtigste Regel lautet daher: Nur Geld investieren, dessen Verlust man im Ernstfall auch finanziell verkraften kann.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge
Interviews

BaFin rügt TC Unterhaltungselektronik AG: „Eine Fehlerbekanntmachung ist kein Routinevorgang“

nterview mit Rechtsanwalt Daniel Blazek über die aktuelle Fehlerbekanntmachung der Bundesanstalt für...

Interviews

Bürgerbeteiligung an Windparks: Chance auf Zinsen – aber auch Risiko des Totalverlusts?

Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime (Bautzen) Die MLK Gruppe baut ihre Bürgerbeteiligungsangebote...

Interviews

Verdacht auf unerlaubte Bankgeschäfte

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 16. Juni 2026 eine öffentliche...

Interviews

Interview zur TGI AG: „Anleger sollten die Warnungen der Finanzmarktaufsicht sehr ernst nehmen“

Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) hat ihre Warnungen gegenüber der TGI AG erneut...